Ausstellung im Stadtmuseum München Das Design der Nazis

Vor allem in München, Hitlers "Hauptstadt der Bewegung", wurden Plakate der Nazi-Propaganda hergestellt und gedruckt. Die Ausstellung im Stadtmuseum zeigt rund 100 Exemplare. Rechts: ein Veranstaltungsplakat von Carl Franz Bauer zum "9. November" aus dem Jahr 1933, die Reproduktion links zeigt ein Plakat von Ludwig Hohlwein aus dem Jahr 1934 zu den Olympischen Winterspielen 1936. Foto: AZ/ Gunther Adler, dpa

"Typographie des Terrors" widmet sich den Nazi-Propagandamitteln schlechthin: Plakaten von 1933 bis '45. Die meisten der Grafiker arbeiteten nach 1945 unbehelligt weiter, sogar für die Bundesregierung.

 

München - Martialische Kampfansagen, Hitler als Heilsbringer, Juden als diffamierend überzeichnete Hassfiguren: Die Plakate aus der Nazi-Zeit gelten in Geschichtsbüchern als Beispiele schlechthin für die Brutalität der Nazi-Propaganda. Eine Ausstellung im Stadtmuseum München hat nun 100 von ihnen aus den Jahren 1933 bis '45 zusammengetragen – für die Ausstellung „Typographie des Terrors“, die von diesem Freitag an zu sehen ist. Die meisten von ihnen wurden in München entworfen und gedruckt, Hitlers „Hauptstadt der Bewegung“.

Martialische, politische Plakate sind dabei, die keinen Zweifel an der menschenfeindlichen Gesinnung des Regimes lassen. Aber auch Plakate aus Wirtschaft und Kultur sind zu sehen – scheinbar harmlose Werbe- oder Faschingsplakate, die erst auf den zweiten Blick Hinweise auf die Gesinnung dahinter geben. Ein kleiner Vermerk auf einem Modeplakat illustriert die „Arisierung“ genannte Enteignung jüdischer Geschäftsleute.

„Es erschien uns nicht sinnvoll, zwischen politischen und apolitischen Plakaten zu unterscheiden“, sagt Thomas Weidner, einer der beiden Kuratoren. „Jedes einzelne Plakat ist Teil der Diktatur und zeigt die ideologische Durchdringung der Gesellschaft.“ Die Ausstellung soll das „Corporate Design des Nationalsozialismus“ zeigen. „Es ging um das, was effektiv war, das, was in der Werbung funktioniert.“

Das Museum zeigt, wie die Nazis Elemente ihrer politischen Gegner - wie das Rot und den Hammer der Arbeiterbewegung – und Elemente der Werbegrafik für sich instrumentalisieren und illustriert anschaulich, wie sich Themen und Bildsprache mit der Dauer des Krieges veränderten. Die Plakate sollten stärker als zuvor der Disziplinierung des Volkes dienen, die Farbqualität wurde deutlich schlechter.

Und noch einen interessanten Aspekt beleuchten die Kuratoren: Besonderes Augenmerk legten Weidner und sein Kollege Hennig Rader auf die Biografien der Plakatgrafiker wie Ludwig Hohlwein, Felix Albrecht, Josef Plank oder Hans Schweitzer. Dabei stellten sie fest: Außer Hohlwein habe kaum einer von ihnen Probleme gehabt, seinen Beruf nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges weiter auszuüben. „Es gab da keine Stunde Null“, sagt Rader.

Eugène Max Cordier malte nach Angaben der Kuratoren während der Nazi-Zeit Ausstellungsplakate und in der Bundesrepublik dann Poster für das Oktoberfest. Und Schweitzer, den die Kuratoren als „Hauptpropagandisten der Nationalsozialisten“ beschreiben, fertigte ihren Angaben zufolge in den 1950er Jahren Plakate zur Wiedervereinigung an – im Auftrag des Bundespresseamtes. Für die Nazis hatte er Plakate mit Schriftzügen wie „Sieg oder Bolschewismus“ oder einem Mann mit Judenstern und der Behauptung „Der ist schuld am Kriege“ erstellt.

„Die Aufarbeitung dieser Propaganda hat nicht stattgefunden“, sagt Rader. Auch ein Plakat von Max Heiss ist in der Ausstellung dabei. Als Kunstsachverständiger trat jener Mann auch bei der Kunstraubaktion in Erscheinung, bei der jüdische Kunstsammler um ihren Besitz gebracht wurden, wie die Kuratoren schreiben. Von 1954 an war er dann - zunächst kommissarisch, dann offiziell – 15 Jahre lang Direktor des Stadtmuseums. Dort ist die Ausstellung nun noch bis zum 11. November zu sehen.

 

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