Ausstellung im Haus der Kunst Ein Modell aus weißer Schokolade neben der Basketball-Halle der Ami-Boys

„Umzug zum ,Tag der deutschen Kunst’ vor dem ,Haus der Deutschen Kunst’, 1939“, fotografiert von Vladimir Efimov.  Foto: SZ Photo/Vladimir Efimov

Der Blick in die Geschichte weitet sich: Das Haus der Kunst beleuchtet sich nun auch in der Nachkriegszeit

 

Es ist ein doppelter Jahrestag, der heuer im Haus der Kunst begangen (von „feiern” spricht man klugerweise nicht) wird: Vor 70 Jahren von Hitler als Haus seiner Kunstpropaganda eröffnet, gab man dem Museum vor 20 Jahren eine neue Rechtsform mit einem Mischmodell aus öffentlicher und privater Förderung.

Aus diesem Anlass werden nun auch weitere Kapitel seiner Geschichte aufgearbeitet: Aufgebrochen durch „Interventionen” des Schweizer Konzeptkünstlers Christian Philipp Müller geht der Blick von den Anfängen nun bis in die Nachkriegszeit: „Geschichten im Konflikt – Das Haus der Kunst und der ideologische Gebrauch von Kunst 1937 – 1955” schließt an Chris Dercons „kritischen Rückbau” an und stellt unter anderem ein Foto eines schüchternen Modeschau-Mädchens an den Führer-Platz in der Hausmitte und öffnet Blickachsen durch bislang verschlossene Ballustraden. Eine Basketball-Halle bringt die Amerikaner nach dem Krieg zurück, nebenan entstand das riesenhafte Architekturmodell, das die Nazis zur Eröffnung durch die Stadt trugen, neu aus weißer Schokolade: „Modell der Verführung”.

Zwischen dokumentarisch und historisch-ironisch schwankt die Zusammenstellung von Bildern, die von den Nazis goutierte, „offizielle” deutsche Kunst mit derjenigen in einen Raum zwingt, die als „entartet” gebrandmarkt wurde. All das soll insbesondere belegen, was der neue Chef Enwezor unter einem „reflexiven Museum” versteht, wobei sich noch nicht ganz erschließt, was der Begriff eigentlich mehr sein soll als halt einfach ein schöner neuer Begriff.

„Geschichten im Konflikt”, bis 13. 1.2012 im Haus der Kunst, Mo bis So 10 bis 20, Do bis 22 Uhr

 

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