Außen pfui, innen pfui Staatserbefall: Bayern erbt Schrottimmobilien

Autorenprofil Ruth Schormann
Diese Doppelhaushälfte im Landkreis Tirschenreuth will der Freistaat versteigern. Foto: Immobilien Freistaat Bayern

Manchmal schlagen Angehörige das Erbe aus – dann kommt der Staat zum Zug. Oder es gibt keine Hinterbliebenen. Was der Freistaat Bayern mit den Häusern macht.

 

München - Der Traum von den eigenen vier Wänden treibt viele Familien um. Der Freistaat Bayern kommt unverhofft zu Hunderten Häusern im Jahr – und auch unfreiwillig.

Staatserbefall: Die Immobilien werden weiterverkauft

Denn wenn ein Immobilienbesitzer stirbt und keine Erben ausfindig zu machen sind, kommt der Staat zum Zug: Auf diesem Wege fielen dem Freistaat Bayern in den vergangenen Jahren kontinuierlich jeweils knapp 700 Häuser und Grundstücke zu, wie das Landesamt für Finanzen in Würzburg mitteilte. 2018 waren es demnach 684 Erbschaftsimmobilien, in den beiden Vorjahren 685 und 689.

Zu einem sogenannten Staatserbefall kommt es ebenso, wenn Hinterbliebene das Erbe ausschlagen. Selten seien dagegen Fälle, in denen ein Verstorbener dem Land die Immobilie ausdrücklich vermacht hat.

Baufälliges Erbe - Abriss durch den Freistaat 

Für die geerbten Immobilien sei im Anschluss die "zeitnahe Veräußerung" vorgesehen, teilte das Landesamt mit. Eine wichtige Rolle spiele dabei das landeseigene Unternehmen Immobilien Freistaat Bayern, das Grundstücke, Wohnungen und Häuser zur Versteigerung anbietet. Zudem würden Erbfälle etwa durch Zwangsversteigerungs- und Nachlassinsolvenzverfahren veräußert oder an Miteigentümer verkauft. Je nach Region fänden 70 bis 90 Prozent der Erbimmobilien Abnehmer.

In aller Regel kämen die Häuser dabei in dem Zustand unter den Hammer, in dem sie sich zum Erbzeitpunkt befinden – und das ist, wie einige Bilder zeigen, nicht immer der beste. Nur wenn bei schweren Sanierungsfällen Gefahr drohe, würden Sicherungsmaßnahmen ergriffen – bis hin zum Abriss baufälliger Gebäude, hieß es.

Bayerns Einnahmen durch den Staatserbefall

Die Einnahmen, die der Freistaat mit den geerbten Immobilien erzielt, lassen sich den Angaben nach nicht beziffern. Denn diese würden mit anderen Staatserbschaften zusammengezählt.

So sei 2018 ein Überschuss von knapp 400.000 Euro zustande gekommen, während es 2016 und 2017 knapp 3,7 Millionen Euro und rund 8,3 Millionen Euro gewesen seien.

Nicht in allen Fällen aber ist der Verkauf das Ziel – nämlich, wenn ein sogenannter Staatsbedarf vorliegt. Das sei etwa der Fall, wenn das Land Immobilien für Staatsbedienstetenwohnungen brauche, teilt das Landesamt mit. Derzeit gibt es demnach gut 3.600 Immobilien im Portfolio des Landes, davon rund ein Drittel außerhalb von Bayern – denn laut Gesetz erbt das Bundesland, in dem der Verstorbene zuletzt gewohnt hat. Innerhalb von Bayern befänden sich die meisten Erbimmobilien mit mehr als 800 Stück in Unterfranken. Neben Immobilien finden sich auf der Seite Immobilien Freistaat Bayern auch Vermietungs- und Verpachtungsangebote – aktuell etwa für maximal 40 Pferdestellplätze auf der Reitanlage Achselschwang in Utting.

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