Auslosung der Gruppen in Brasilien Fußball-WM: Das Strandmärchen 2014

2006 sorgten sie vereint für Furore, jetzt treffen Löw und Klinsmann bei der WM als Gegner aufeinander. „Emotional ist die Gruppe schon“.

 

Costa Do Sauípe - Wer sucht die Hemden aus? Welche Farbe? Kurzarm? Es wird ja schwül-heiß am letzten Gruppenspieltag, 26. Juni 2014, wenn Joachim Löw und Jürgen Klinsmann in der nordostbrasilianischen Küstenstadt Recife aufeinandertreffen.

Deutschland gegen die USA, das Duell zwischen dem Bundestrainer und seinem Ex-Chef, bei der WM 2006 in Deutschland als Duo Clever & Smart, der Stratege Löw und der Motivator Klinsmann, vereint, bei der Hemdenfrage stets abgestimmt. Es könnte um Alles oder Nichts gehen, um das Weiterkommen und damit schlicht um den Job der beiden Nationaltrainer. Wird högschd brisant in Brasilien. Portugal, Ghana und eben Klinsmanns US-Boys – die Vorrundengruppe der deutschen Nationalelf bei der WM in Brasilien gleicht einem großen Klassentreffen. Auf den möglichen Weltfußballer Cristian Ronaldo traf man schon des öfteren, auf Ghana zuletzt bei der WM 2010, auf Klinsmann im Juni bei einem Test (3:4).

„Der Fußball schreibt verrückte Geschichten und jetzt kommt die nächste verrückte dazu. Eine Wahnsinnsgruppe“, befand Klinsmann nach der Auslosung, gluckste und japste vor Freude. „Emotional ist die Gruppe schon“, meinte sein ehemaliger Assistent Jogi Löw gelassen, „wir haben uns angesehen und beide geschmunzelt. Das gibt medial schon ein bisschen Spektakel.“ Jogi & Klinsi – vom Sommermärchen 2006 zum Strandmärchen 2014.

Am Vorabend der Auslosung hatten Klinsmann, Löw und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff noch gemeinsam gegessen, viel geflachst, man hat sich ausgetauscht. „Ab heute wird Jürgen wohl etwas verschlossener sein“, sagte Bierhoff am Freitag und erinnerte sich an das gemeinsame 2:0 bei der WM 1998 gegen die USA: „Da hab ich Jürgen einen aufgelegt, ein schönes Zuspiel, er macht das Tor.“ Nun ist Schluss mit nostalgischer Romantik und all den Scherzen. „Wir wollen Deutschland einen echten Kampf liefern und werden sehen, was möglich ist“, kündigte Klinsmann im US-TV an, „wir haben in den letzten zweieinhalb Jahren Selbstvertrauen aufgebaut, wir haben das erfolgreichste Jahr in 100 Jahren US-Fußball hinter uns.“ Trommeln gehört zum Geschäft.

„Es ist klar, dass wir da Favorit sind“, sagte Bierhoff knapp. Die deutsche Delegation dagegen diskutierte intensiver als die Stärken der Gegner, die Zulosung der Spielorte (alle im klimatisch wärmeren Norden gelegen) sowie die Frage der Quartiersuche. Weil es, so Löw, „eine WM der Strapazen“ wird wegen der unterschiedlichen klimatischen Bedingungen im riesigen Land (Brasilien ist 24 Mal größer als Deutschland) muss nun schnell gehandelt werden. „Jetzt können wir beginnen, konkret zu arbeiten", sagte Löw. Eine Luxus-Hotelanlage im Spielort Salvador und eine Nobelherberge in São Paolo stehen zur Auswahl. Löw und Bierhoff wollen beide Anlagen am Wochenende noch einmal inspizieren, das Quartier in Salvador dürfte den Vorzug erhalten, zumal dort wie auch an den anderen Spielorten während der Turnierzeit zwischen 24 und 28 Grad erwartet werden. In den Spielorten Fortaleza und Recife ist es dagegen schwül-heiß, die Anstoßzeiten am Mittag/Nachmittag lassen die Spieler stöhnen, die deutschen TV-Zuschauer freuen sich – zweimal spielt das DFB-Team um 18 Uhr deutscher Zeit (gegen Portugal und die USA), gegen Ghana um 21 Uhr.

„Die Uhren ticken dort anders. Da ist es laut, da ist es heiß“, sagte Löw über das Ausrichterland, „aber wer Weltmeister werden will, muss das alles verdrängen. Ich bin mir sicher, dass wir das bewältigen.“ Die Anreise ins WM-Quartier soll nach einem letzten Test in Uruguay zwischen dem 7. und 11. Juni erfolgen – die Abreise aus Brasilien möglichst am 14. Juli. Denn am 13. Juli steigt im legendären Maracana-Stadion in Rio de Janeiro das Finale.

 

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