Ausländer Lehrer fühlen sich schlecht auf Deutsch-Probleme vorbereitet

Viele Lehrer fühlen sich unzureichend ausgebildet, um Kinder mit Deutsch-Problemen angemessen zu fördern. Nach einer am Montag vorgestellten repräsentativen Umfrage unterrichten 71 Prozent der Lehrer in Deutschland Schüler mit Sprachförderbedarf.

 

Köln - 66 Prozent fühlen sich durch ihr Studium aber nicht ausreichend darauf vorbereitet.

Eine Bildungslaufbahn sei zum Scheitern verurteilt, wenn der Schüler den Lehrer nicht verstehen könne, sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz, Ties Rabe, in Köln. Viele Lehrer seien bereit, sich in diesem Punkt weiterzubilden, weil Sprachprobleme den Unterricht in den Ballungszentren teilweise dominierten. Dementsprechend stünden Lehrer und Schüler stark unter Druck.

Um Sprachförderung künftig stärker in der Lehrerausbildung zu verankern, eröffneten am Montag die private Stiftung Mercator und die Universität Köln das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache. Das neue Institut war Auftraggeber der Umfrage, an der sich im Frühjahr 512 Lehrer von 394 Schulen beteiligten.

Das Institut, das von der Stiftung in den kommenden fünf Jahren mit 13 Millionen Euro unterstützt wird, soll Lehrer bundesweit besser auf die Förderung von Schülern mit sprachlichen Problemen vorbereiten. Sprachförderung kann nach derzeitigem Erkenntnisstand am besten in den Regelunterricht integriert werden, soll also nicht in Extra-Stunden erteilt werden. Laut Rabe betrifft der Förderbedarf nicht nur Schüler mit ausländischen Wurzeln; auch andere hätten oft Schwierigkeiten, bedingt durch ihr soziales Umfeld.

An deutschen Schulen sprechen nach Angaben der Mercator-Stiftung 30 Prozent aller Kinder und Jugendlichen eine andere Erstsprache als Deutsch. Dies muss nicht grundsätzlich ein Problem sein: Mehrere Studien hätten ergeben, dass die Erstsprache den Erwerb der Zweitsprache - in diesem Fall also Deutsch - nicht behindern muss, sondern sogar erleichtern kann. Es gehe also nicht darum, dass "türkische Eltern zu Hause mit ihren Kindern mal Deutsch sprechen müssen".

In der Auswertung der Umfrage heißt es dazu: "Eine hohe sprachliche Kompetenz in der Erstsprache wirkt sich positiv auf den Erwerb der Zweitsprache aus. Hinzu kommen Erkenntnisse, dass sich ein Verbot der Erstsprache, wie es beispielsweise für deutsche Schulhöfe diskutiert wurde, negativ auf die soziale und emotionale Entwicklung der Kinder auswirkt."

 

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