Ausgezeichnete Anne-Frank-Realschule "Ich bin eine überzeugte Realschuldirektorin"

Stolze Schulleiterin: Eva-Maria Espermüller-Jug nimmt den Preis von Außenminister Frank-Walter Steinmeier entgegen. Foto: dpa

Die Rektorin der mit dem Schulpreis ausgezeichneten Anne-Frank-Realschule ist ein großer Fan des dreigliedrigen Schulsystems – und der Trennung von Mädchen und Jungen. Ein Interview.

 

Pasing - Eva-Maria Espermüller-Jug hat es schriftlich: Ihre Schule ist die beste in Deutschland. Die Anne-Frank-Realschule in München, die sie leitet, wurde am Freitag in Berlin mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. Ihre Schule ist eine reine Mädchenschule. Im Interview erzählt die Schulleiterin kurz vor der Preisverleihung, warum das gut so ist.

Frage: Warum ist Ihre Schule soviel besser als alle anderen?

Antwort: Ich glaube, wir haben uns auf einen guten Weg gemacht und ein gemeinsames Konzept für die Ganztagsschule entwickelt. Wir wollen keine Ganztagsschule, in der die Kinder am Nachmittag einfach nur verwahrt werden, sondern ein in sich geschlossenes, stimmiges Konzept. Dazu gehört auch das Logbuch, das jede Schülerin hat und in das sie ihren Lernfortschritt hineinschreibt. Selbstständiges Arbeiten ist uns wichtig – aber auch regelmäßige Vier-Augen-Gespräche mit einem Lehrer. Dadurch entsteht eine ganz andere Empathie zwischen Schülerinnen und Lehrern.

Warum gibt es bei Ihnen keine Hausaufgaben?

Antwort: Wir sind eine Ganztagsschule, und wenn die Schülerinnen bei uns ihren Job gemacht haben von 7.55 Uhr bis 16.05 Uhr, dann sind sie danach auch fertig und können nach Hause gehen und sich entspannen. Hausaufgaben in dem Sinne gibt es darum nicht – bis auf Vokabeln lernen, Lektüren lesen und zwei Hausaufsätze in der neunten Klasse.

Sie sind als Realschule sehr erfolgreich – ist das auch eine Bestätigung für das dreigliedrige Schulsystem?

Ich bin eine überzeugte Realschuldirektorin und glaube, dass die Realschule in Bayern eine sehr unterschätzte Schulform ist. Ich würde mir wünschen, dass viele Eltern den Weg über die Realschule gehen, um Kindern den Frust auf dem Gymnasium zu ersparen. Pro Jahr kommen im Schnitt 40 Schülerinnen vom Gymnasium zu uns. Ihnen hätte man das Misserfolgserlebnis ersparen können, wenn sie gleich zu uns gekommen wären. Die muss man erstmal wieder aufbauen und ihnen beibringen, dass Schule eigentlich Spaß machen soll. Aber vor allem in der Stadt sind die Gymnasien immer noch Prestige-Schulen.

Welche Rolle spielt es für Ihren Erfolg, dass es an Ihrer Schule keine Jungen gibt?

Das Ganztags-Konzept mit Logbuch, den Lernhäusern mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Lernbüros würde so sicher auch an einer ko-edukativen Schule funktionieren. Aber ich denke, es ist gar nicht so schlecht, Mädchen und Jungen in der Pubertät getrennt zu unterrichten. Man kann geschlechtsspezifisch einfach besser fördern. Und wenn wir Rollenverhalten verändern wollen, dann können sie Jungen und Mädchen nicht gemeinsam in eine Schule stecken. Die bringen tradierte Geschlechterrollen schon aus dem Kindergarten mit, wo die Jungen in der Bauecke spielen und die Mädchen mit Puppen. Dem kann man in mono-edukativen Schulen eher entgegenwirken.

 

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