Ausbildungsreport 2016 Überforderung und Stress: Bayerns Azubis unter Druck

Kfz-Mechatroniker-Lehrlinge arbeiten an einem BMW. Die Zufriedenheit in diesem Ausbildungsberuf ist sehr hoch. Foto: dpa

Stress, zu wenig Pausen, Zoff mit Kollegen: Laut Ausbildungsreport der Gewerkschaftsjugend ist fast die Hälfte der bayerischen Lehrlinge überfordert.

 

München - Zu viel Zeitdruck, zu wenig Pausen, zu lange Fahrzeiten: Fast die Hälfte aller Auszubildenden in Bayern fühlen sich sehr belastet. Das geht aus dem „Ausbildungsreport 2016“ hervor, den die DGB-Jugend am Mittwoch in München vorlegte.

Jeder fünfte der 1200 zur Qualität ihrer Ausbildung befragten Azubis gab an, durch lange Fahrzeiten belastet zu sein. 18 Prozent empfanden zu hohen Leistungs- und Zeitdruck, 15,1 Prozent ständige Erreichbarkeit als bedrückend.

Als weitere Belastungsfaktoren wurden „schlechte Pausensituation“ (12,2 Prozent), „Probleme mit Kollegen (11,3 Prozent), ungünstige Arbeitszeiten (10,9 Prozent), Nebenjob (7,6 Prozent) sowie mangelnde Arbeitsschutzmaßnahmen (7,2 Prozent) genannt.

Die Qualität der Ausbildung ist in Großbetrieben besser

Wenn schon zu Berufsbeginn die Leistungsfähigkeit der Auszubildenden überschritten werde und die Regeneration auf der Strecke bleibe, seien Langzeitschäden und spätere krankheitsbedingte Fehlzeiten absehbar, sagte die Bezirksjugendsekretärin des DGB Bayern, Astrid Backmann.

DGB-Landesvorsitzender Matthias Jena wies auf das wachsende Überangebot an Ausbildungsstellen hin. Im August hätten 10 700 noch unvermittelte Bewerber unter knapp 26 800 noch unbesetzten Ausbildungsplätzen wählen können. Vor diesem Hintergrund müssten die Betriebe „intensiv über die Qualität ihrer Ausbildungsplätze nachdenken“.

Diese Qualität ist – zumindest nach der Umfrage der DGB-Jugend in Bayern – bei Großbetrieben in der Regel besser als bei kleineren. Jedenfalls zeigten sich die befragten Azubis mit ihrer Lehrstelle umso zufriedener, je größer der Ausbildungsbetrieb war. Große Betriebe haben es einfacher, die nötigen personellen und materiellen Voraussetzungen zu schaffen. 75,1 Prozent der bayerischen Befragten sind mit der Ausbildung „zufrieden“ oder sogar „sehr zufrieden“.

Zwischen den Ausbildungsberufen gibt es allerdings große Unterschiede, was die Zufriedenheit angeht. Wie in den letzten Jahren war die Zufriedenheit in den Berufen Mechatroniker, Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Industriekaufmann, Elektroniker, Bankkaufmann und Fachinformatiker am größten, bei den Azubis in den Bereichen Verkäufer, Einzelhandelskaufmann, medizinischer und zahnmedizinischer Fachangestellter am geringsten.

Bereits in der Lehre verdienen Frauen weniger als Männer

Die spätere Ungleichheit im Einkommen der Geschlechter beginnt bereits in der Lehre. Junge Frauen müssten öfter Überstunden machen, die nicht abgegolten werden, sagte Jena. Während in männlich dominierten Ausbildungsberufen im dritten Lehrjahr durchschnittlich 888 Euro als Vergütung gezahlt würden, seien es in überwiegend weiblich besetzten 90 Euro weniger.

Als „erschreckend“ bezeichnete der DGB-Landesvorsitzende, dass 16 Prozent der Azubis von ausbildungsfremden Tätigkeiten berichteten. Im Vorjahr waren es nur zwölf Prozent. Ebenfalls auf 10,9 Prozent gestiegen ist der Anteil derjenigen, die keinen qualifizierten Ausbilder zur Verfügung haben. 41,8 Prozent der befragten jungen Leute berichteten von regelmäßigen Überstunden. Selbst bei den unter 18-Jährigen müssten 7,8 Prozent länger arbeiten als vereinbart. „Das“, so Jena, sei ein „eklatanter Verstoß gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz“.

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Die Umfrage sei für Bayern „nicht repräsentativ“, merkte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der bayerischen Arbeitgebervereinigung vbw, an. So seien Auszubildende von weniger frequentierten Ausbildungsberufen nicht befragt worden. Das Gefühl der Belastung am Arbeitsplatz sei beim Übergang von der Schule in die Ausbildung „ein normaler Prozess“, meinte Brossardt.

 

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