Ausbildung in München Die Stadtwerke und der große Kampf um Fachkräfte

Kemoh Mansaray Junior kam als Flüchtling nach Deutschland. Jetzt lernt er bei den Stadtwerken München. Foto: Christian Pfaffinger

Münchner Unternehmen buhlen um die besten Auszubildenden - denn in den nächsten Jahren müssen viele Stellen nachbesetzt werden. Wie die Stadtwerke bei jungen Menschen punkten wollen

 

München - Am liebsten mag er das schweißen, sagt Kemoh Mansaray Junior, setzt sich eine schnittige, dunkle Brille auf, zieht dicke Lederhandschuhe an und legt los. Das Metall glüht. Er lächelt.

Dass ihm seine Arbeit so viel Spaß macht, liegt an mehreren Dingen: Weil er gern handwerklich arbeitet und ihm die Aufgaben in der Werkstatt gefallen. Aber auch, weil diese Arbeit für ihn der größte Erfolg in seinem neuen Leben ist. Kemoh Mansaray Junior stammt aus Sierra Leone. Er ist vor der Gewalt in seinem Heimatland geflohen und über Umwege nach München gekommen. Hier hat er Deutsch gelernt und einen Schulabschluss gemacht und eine Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik begonnen. „Es ist perfekt“, sagt er.

Aber es liege auch an seinem Arbeitgeber, dass er seinen Job so mag. Das hört Werner Albrecht natürlich gern. Er ist Personalchef bei den Stadtwerken München (SWM). Der 22-jährige Kemoh Mansaray Junior ist einer von 400 Auszubildenden, die aktuell bei den SWM lernen. Und er ist ein Beispiel dafür, dass die SWM viel dafür tun, um junge Menschen zu sich in den Betrieb zu holen.

„In München gibt es extrem attraktive Arbeitgeber – und alle konkurrieren um die angehenden Fachkräfte“, sagt Werner Albrecht. Dann rechnet er vor, wie groß der Bedarf der SWM ist: „Wir haben rund 7500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bis zum Jahr 2025 wird rund ein Drittel davon in Ruhestand gehen.“ Die SWM müssen in den kommenden gut zehn Jahren also rund 2500 Stellen nachbesetzen.

Damit das gelingt, will der Personaler Albrecht vor allem auf Werte setzen: Daseinsvorsorge für die Bürger, erneuerbare Energien – das Arbeitsfeld der SWM mache das Unternehmen attraktiv.

Außerdem biete es Arbeitsmodelle, die Raum für Familie und Freizeit sowie langfristige Sicherheit bieten. Damit wolle die SWM punkten, denn: „Im Wettbewerb um die höchsten Gehälter können und wollen wir nicht mithalten.“ Die Auszubildenden finden das Konzept gut. Johannes Irl etwa schätzt, dass die SWM ihm zweimal die Woche Zeit für Sport freigibt. Der 16-jährige Erdinger hat vor wenigen Tagen seine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker begonnen. Anian Nürnberger ist dagegen schon fertig. „Ich fand es toll, dass ich während der Ausbildung auch im Ausland lernen und arbeiten durfte“, sagt der 22-Jährige. Bodenständiger sieht es Florian Steininger (19), der ebenfalls fertig ausgebildet ist und jetzt im Heizkraftwerk Nord der SWM arbeitet: „Ich habe einen sicheren Arbeitsplatz bei einem Unternehmen, das mich nicht ausnutzt.“

Und dann sind da noch Talente wie Oana Marina: Die 29-jährige Rumänien hat einen Uniabschluss, fand aber in ihrer Wahlheimat Spanien keine Arbeit. Über ein Praktikum kam sie zu den SWM. Jetzt wird sie Fachkraft für Metalltechnik.

 

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