Aus für Freie Selbsthilfe München: Abschied von Omas schönstem Krempel

Zwei der vielen Ehrenamtlichen: Ingeborg Scheibe und Helge Siefert im schon beinahe ausverkauften Laden. Foto: Daniel von Loeper

Über Jahrzehnte gab es bei der Freien Selbsthilfe in der Theresienstraße allerlei Antikes zu kaufen. Aber jetzt ist Schluss: "Kann man einen Trend aufhalten?"

 

Maxvorstadt - "Alles hat seine Zeit", seufzt eine Mitarbeiterin der "Freien Selbsthilfe". Den Verein gibt es seit 71 Jahren. Ende Juni schließt er seine Fundgrube für Raritäten in der Maxvorstadt.

"Viel ist im Laden nicht mehr da an Schönem. Wir sind fast fertig mit der Auflösung. Nur ein riesiger alter Schrank mit mundgeblasenen Gläsern soll unbedingt noch einen neuen Besitzer finden", sagt Heidelore Freyberger vom Vorstand der Freien Selbsthilfe.

Geld kür karitative Zwecke: Weniger Einnahmen

Für Liebhaber von Silberbesteck und bestickter Tischwäsche, eben Omas schönstem Krempel, ist der Laden im Hinterhaus der Theresienstraße 66 eine Legende: Antiquitäten, Schmuck und Secondhandkleidung bot der An- und Verkauf – Schätze aus einer anderen Zeit.

Alte Menschen oder Erben gaben hier ihr Meißner Porzellan, ihre Puppensammlung von 1910 oder schimmernde Perlenketten in Kommission. Noch in den 70ern und 80ern war das ein gutes Geschäft für den Verein, der Geld für karitative Zwecke gespendet hat.

Doch die Einnahmen gingen zurück. Seit 2016 stehen die Finanzen schlecht und heute steht man kurz vor den roten Zahlen - obwohl alle Mitarbeiterinnen ehrenamtlich arbeiten, also: aus Spaß an der Freud. "Die Damen haben ihre Kunden herzlich empfangen und liebenswürdig beraten", schwärmt Stammkundin Gundi Strutz.

Abschied: "Es gab bei uns einfach wunderschöne Dinge"

Doch so ändern sich die Zeiten: "Was soll ich mit dem alten Gelumpe, denken sich vermutlich die jungen Leute", spekuliert eine Freie-Selbsthilfe-Mitarbeiterin. "Die alten Sachen verlieren an Wert. Antiquitäten sind einfach nicht mehr in. Das ist der Trend", vermutet Heidelore Freyberger vom Vereinsvorstand.

Die 18 Rentnerinnen aus München, die hier ein oder zwei Mal in der Woche den Laden schmeißen, haben sich mit dem Ende abgefunden: "Es ist vorbei", sagt Freyberger. Trotzdem sind die Damen wehmütig: "Es hat Spaß gemacht. Es gab bei uns einfach wunderschöne Dinge. Und wir kamen unter Leute", sagt eine 73-jährige Giesingerin.

Sie war früher Krankenschwester. Im Laden hat sie älteren Kunden immer geduldig bei der Anprobe geholfen – oder beim Schuhebinden. Viele kleine Läden hätten in München zugemacht. Die Leute würden heutzutage im Internet bestellen – und liefern lassen, beklagen die Frauen. "Zu uns muss man dagegen hinlaufen, die Sachen anschauen und nach Hause transportieren", erklärt Heidelore Freyberger: "Aber können Sie einen Trend aufhalten?"

 

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