Augsburg-Manager im AZ-Interview Stefan Reuter: „Das ist absolut die Kür für uns“

Gegen Partizan Belgrad durfte der FCA jubeln und zog ins Achtelfinale ein. Dort trifft man am Donnerstag auf Liverpool. Foto: sampics/Augenklick

Augsburgs Manager Stefan Reuter spricht in der Abendzeitung über das Spiel gegen den FC Liverpool und Markus Weinzierls Zukunft.

 

München - Der 49-Jährige Reuter spielte unter anderem für den FC Bayern, Juventus Turin und Borussia Dortmund. Mit der deutschen Nationalmannschaft konnte er zudem den Weltmeister-Titel 1990 feiern. Seit Dezember 2012 ist er Manager des FC Augsburg.

AZ: Herr Reuter, der FC Augsburg im Europacup-Spiel gegen den FC Liverpool. Vor ein paar Jahren undenkbar.

Stefan Reuter: Wenn man sich bei der Auslosung etwas wünscht, dann ist es entweder ein leichter Gegner – oder so ein großer Name wie Liverpool. Das ist absolut die Kür für uns. Jeder Spieler und jeder Fan träumt doch davon, einmal an der Anfield Road zu spielen. Und jetzt hat das Spiel natürlich noch diese besondere Konstellation, weil Jürgen Klopp dort Trainer ist. Ich weiß gar nicht, wie oft wir das Stadion hätten ausverkauft haben können. Die Fans sind heiß.

Wie kann man den Stellenwert dieser Partie beschreiben? Ihr Trainer Markus Weinzierl hat vom größten Spiel der Vereinsgeschichte gesprochen.

Ja, das würde ich unterschreiben. Auch wenn so ein Spiel wie vor drei Jahren zu Hause gegen Greuther Fürth (3:1, Anm. d. Red.), als wir direkt die Klasse gehalten haben, von der Wertigkeit noch höher einzuschätzen ist. Aber Liverpool: Das ist schon das absolute Highlight für den FC Augsburg.

Liverpool der Favorit? "Selbstverständlich"

Hätten Sie jemals gedacht, dass der FC Augsburg eine solche Entwicklung nehmen kann?

Vor zwei Jahren, als wir Achter geworden sind in der Bundesliga, haben die Leute gesagt: Das war eine einmalige Sache. Dann sind wir Fünfter geworden, und jetzt stehen wir in der K. o.-Runde der Europa League. Das ist eine Sensation.

Am Wochenende hat Liverpool 6:0 gegen Aston Villa gewonnen, sonst wechseln sich bei Klopps Team aber sehr gute mit schwachen Leistungen ab. Ist diese Inkonstanz die Chance für Augsburg?

Man muss sagen, dass sie relativ viele Verletzte hatten, aber jetzt sind viele Spieler zurückgekommen. Jürgen Klopp hat die Qual der Wahl, wen er da aufstellt. Liverpool hat enorme individuelle Qualität, das ist außergewöhnlich. Man kann nur hoffen, dass die Mannschaft noch nicht so eingespielt ist.

Die Favoritenrolle geben Sie also an Liverpool ab?

Selbstverständlich.

Ist Liverpool durch die Verpflichtung von Klopp stärker geworden?

Ja, klar. Jürgen Klopp hatte in Dortmund eine extrem erfolgreiche Zeit, er kann auch Liverpool Impulse geben. Im Moment steht die individuelle Qualität aber noch im Vordergrund, weil Liverpool kaum trainieren kann, alle drei Tage ein Spiel hat, deshalb ist der Einfluss von Jürgen Klopp vielleicht noch nicht so zu erkennen. Darauf hoffe ich ehrlich gesagt, dass Liverpool noch nicht so gefestigt ist, wie es jetzt etwa bei Bayern der Fall war.

Sie sprechen den FC Bayern an, der am Sonntag souverän 3:1 gegen Ihre Augsburger gewonnen hat.

Bayern war gegen uns richtig, richtig stark. Sie sind wahnsinnig passsicher, ihr Gegenpressing war extrem gut. Ich hoffe, dass sich Liverpool als Mannschaft noch nicht ganz so gefunden hat. Wir sollten auf jeden Fall ein besseres Ergebnis erzielen.

Was wäre denn ein besseres Ergebnis?

Ein Unentschieden wäre für mich okay, zu Null wäre sehr gut. Es ist uns die letzten Monate gelungen, dass wir wenig zulassen. Das muss unser Ziel sein.

Weinzierl und der FCA - bis wann?

Wie gehen Sie eigentlich damit um, dass Ihr Trainer einer der begehrtesten in Deutschland ist? RB Leipzig soll stark an Weinzierl interessiert sein.

Das ist ganz normal, gute Spieler sind genauso gefragt wie gute Trainer. Markus Weinzierl hat ein klares Statement abgegeben mit der Vertragsverlängerung bis 2019.

Also sind Sie ganz sicher, dass Markus Weinzierl auch kommende Saison in Augsburg sein wird?

Er hat Vertrag.

Aber Verträge bedeuten im Fußball manchmal auch nicht viel.

Ja, aber Verträge schließt man nicht zum Spaß ab. Deshalb gehe ich davon aus, dass wir auch in der kommenden Saison mit Markus Weinzierl zusammenarbeiten.

 

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