Auftragsmörder ging zur Polizei Nürnberg: Schwester (15) wollte nicht heiraten: Bruder beauftragt Killer

Das Landgericht Nürnberg, an dem die Klage gegen den Bruder anhängig ist. Foto: Daniel Karmann/dpa

Weil die minderjährige Schwester "Nein" zur Zwangsehe sagt, soll sie sterben. Dafür beauftragt der Bruder (28) einen Killer. Doch der Auftragsmörder bekommt kalte Füße.

 

Nürnberg - Ein 28-Jähriger hat seine eigene Schwester mit Hilfe eines bezahlten Killers aus dem Weg räumen wollen. Der Grund: Das Mädchen hatte sich geweigert, seinen Cousin zu heiraten, den die Familie als Ehemann ausgesucht hatte. Doch dann bekam der Auftragsmörder plötzlich kalte Füße – und erzählte alles der Polizei.

28-Jähriger bestellt Killer für minderjährige Schwester

Bei der Jugendkammer des Landgerichts Nürnberg ist eine Anklage zu dem Fall anhängig. Zwar will der Sprecher der Justizbehörden, Friedrich Weitner, keine Details nennen. Er bestätigt aber den Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft gegen den 28-Jährigen: Anstiftung zum versuchten Mord.

Ähnlich zurückhaltend verhält sich auch Rechtsanwalt Nils Junge. Er vertritt den Beschuldigten und will derzeit nichts zu den Vorwürfen sagen. Der erfahrene Strafverteidiger weist aber auf die Komplexität des Falls hin.

15-Jährige verweigert sich "Zwangsehe"

Die Großfamilie des Mädchens, Kurden jesidischen Glaubens, war ursprünglich vor Krieg, Terror und dem "Islamischen Staat" aus dem Norden Iraks geflüchtet und vor vier Jahren in Nürnberg gelandet. Den Schrecken, die Angst vor Gewalttaten des "IS", die sich speziell gegen Jesiden richteten, hatte sie damit hinter sich gelassen. Was die Familie jedoch mitbrachte, waren die Spielregeln einer archaischen Gesellschaft, in der Männer den Ton angeben und Frauen sich zu fügen haben.

Ganz diesem Muster entsprechend handelte offenbar der Vater des Mädchens, als er für seine jüngste, zu dem Zeitpunkt erst 15 Jahre alte Tochter den künftigen Ehemann aussuchte. Den kannte das Mädchen bis dahin persönlich nicht.

Die Gründe, die letztlich dazu führten, dass das Mädchen der Verlobung mit ihrem Cousin zunächst sogar zustimmte, dürften in der patriarchischen Familienstruktur zu finden sein.

Verfahren gegen weitere Personen laufen

Dort sind aber auch die Erniedrigungen, Drohungen und Prügel angesiedelt, die die Minderjährige den Erkenntnissen der Ermittler zufolge einstecken musste, als sie schließlich "Nein" zur Ehe mit dem Cousin sagte. Der Killerauftrag, den der Bruder laut Anklage erteilt haben soll, stellt nur die Spitze des Falls dar, die ultimative "Lösung" der Probleme.

Die heute 16-Jährige lebt den Angaben ihrer Anwältin zufolge traumatisiert an einem geheim gehaltenen Ort, komplett abgeschottet von der Familie und weit weg von Nürnberg.

Welches Standing das Mädchen innerhalb der Familie hatte, lässt sich anhand der weiteren Ermittlungen zumindest grob nachvollziehen: Denn laut Staatsanwaltschaft laufen auch noch Verfahren gegen die Mutter und eine Schwester sowie gegen beide Eltern des Cousins wegen deren Mitwirkung bei der Einfädelung der geplanten Zwangsehe.

Minderjährige wurde körperlich misshandelt

Im Verfahren gegen den Vater des Mädchens geht es ebenfalls um die Zwangsverheiratung seiner minderjährigen Tochter, darüber hinaus aber auch um den Vorwurf der Körperverletzung. Er soll das Mädchen massiv geschlagen haben, um es zur Ehe zu zwingen. Er sitzt wegen Verdunkelungsgefahr in U-Haft.

Dort befindet sich auch der "heiratswillige" Cousin. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft nicht nur seine aktive Mitwirkung an der geplanten Ehe mit der Minderjährigen vor, sondern auch Sexualdelikte zum Nachteil des Mädchens, wie eine Behördensprecherin mitteilte.

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