Aufmarsch für den Präsidenten Auch in Deutschland: Was bewegt Erdogans Anhänger?

Erdogan-Anhänger auf der Bosporus-Brücke in Istanbul feiern ihren Präsidenten. Solche Bilder könnte es am Sonntag auch aus Köln geben. Foto: dpa

Am Sonntag wollen bis zu 30 000 Deutschtürken in Köln für den türkischen Präsidenten auf die Straße gehen. Auch Rechtsextreme kündigen sich an. Die Polizei wappnet sich.

 

Köln – Irrsinn“, „Skandal“, „Missbrauch“ – so wettern Kölner seit Tagen gegen die für Sonntag geplante Pro-Erdogan-Demonstration. Bis zu 30 000 Teilnehmer könnten dafür auf die Straße gehen. Warum verspüren Menschen, die schon in zweiter oder dritter Generation in Deutschland leben, ausgerechnet jetzt das Bedürfnis, ihre Unterstützung für den umstrittenen Recep Tayyip Erdogan zu bekunden?

Bülent Bilgi, Generalsekretär der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die die Demo nach eigenen Angaben mitorganisiert, sagt dazu: Es gehe letztlich gar nicht um Erdogan. Thema der Kundgebung sei der vereitelte Militärputsch von Mitte Juli. Viele Migranten seien verärgert darüber, wie die deutschen Medien darüber berichteten. „Man sagt, ok, es gab einen Putsch, es sind 264 Menschen gestorben, aber das wischt man sofort beiseite und tut so, als wäre das eine Nebensächlichkeit.“ Stattdessen gehe es immer nur um Erdogans Gegenmaßnahmen.

Ludwig Schulz, Türkeiforscher am Deutschen Orient-Institut Berlin, bestätigt, dass viele Deutschtürken die Vereitelung des Putsches vor allem als Erfolg der türkischen Gesellschaft und Demokratie sähen.

Die Begeisterung für Erdogan habe vielerlei Gründe

Viele Türkischstämmige informierten sich überwiegend aus regierungstreuen türkischen Medien. Dazu kämen türkischer Nationalstolz und ein Gefühl von Ablehnung durch die deutsche Mehrheitsgesellschaft. „Es ist wohl eine Mischung aus berechtigter Kritik an unserem einseitigen Türkeibild und einer umgekehrt geschönten Sicht vieler Türkischstämmiger auf die Türkei“, meint Schulz.

Dabei seien jedoch lang nicht alle Deutschtürken Erdogan-Anhänger, erläutert der Türkei-Experte Roy Karadag von der Universität Bremen. „Unter den Deutschtürken gibt es zunehmend Konflikte darüber, wer hier eigentlich in ihrem Namen sprechen, agieren und mobilisieren kann“, sagt der Politikwissenschaftler.

Der Chef der Türkischen Gemeinde, Gökay Sofuoglu, beschreibt die Stimmung unter den Deutschtürken als sehr angespannt. Es gehe ein Riss durch die türkische Gesellschaft. „Es werden Freundschaften aufgekündigt. Und auch innerhalb von Familien gibt es Probleme“, sagt Sofuoglu. Er will nicht darüber spekulieren, ob es in Deutschland zu Gewalt kommen könnte. „Ich kann nur zur Mäßigung aufrufen.“

Die Stadt Köln ist vorbereitet

Köln sei gewappnet, sagt Polizeipräsident Jürgen Mathies: „Wir sind auf besondere Gewaltformen vorbereitet.“ 2300 Polizisten werden am Sonntag zusammengezogen, acht Wasserwerfer stehen bereit. Auch ein Verbot der Kundgebung schließt Mathies nicht aus. Im Augenblick gibt es nach seiner Einschätzung zwar keinen Grund dafür. Sollten aber Mitglieder der türkischen Regierung einfliegen, könne dies in der hoch aufgeladenen Situation unter Umständen dazu führen, dass die öffentliche Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden könne. Und dann werde er die Demo als letztes Mittel doch noch verbieten.

Unter den vier Gegenkundgebungen, die angemeldet sind, ist auch eine Veranstaltung der rechtsextremistischen Partei Pro NRW. Dazu könnten nach Einschätzung der Polizei auch gewaltbereite Hooligans der „Hogesa“-Gruppierung anreisen. Es braut sich also etwas zusammen.

 

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