Aufgerufene Preise zu hoch Wohnungsnot: Die Stadt verprellt die Genossenschaften

In Freiham wird viel gebaut - aber nicht von Genossenschaften. Foto: Daniel von Loeper

In Freiham sollten viele Wohnungen für Genossenschaften entstehen. Doch es fand sich kein einziger Interessent, weil die Preise viel zu hoch sind.

München - Genossenschaften entziehen Wohnraum dauerhaft dem Spekulanten-Markt. Genossen engagieren sich in ihrer Nachbarschaft. Genossenschaften ermöglichen auch Münchnern mit wenig Geld, in neuen Wohnungen zu wohnen. Genossenschaften zu fördern ist das Ziel (fast) aller Münchner Politiker.

Doch jetzt wurde das Ziel krachend verfehlt. Ausgerechnet in Münchens größtem Neubaugebiet , in Freiham, entsteht - Stand jetzt - keine einzige Genossenschaftswohnung. Die Stadt hatte sechs Flächen in Freiham für Genossenschaften vorgesehen - doch für keine einzige fand sich ein Interessent. Die Ausschreibung sei "ergebnislos" verlaufen, bestätigt das Planungsreferat auf Nachfrage.

"Das ist kein Einzelfall", betont Yvonne Außmann im Gespräch mit der AZ. Außmann ist im Vorstand der Genossenschaft Wogeno, die an vielen Standorten in der Stadt schon Wohnungen hat.

Genossenschaftswohnungen in Freiham? - "Das wäre ein defizitäres Projekt"

Viele Genossenschaften hätten sich wegen Freiham beraten. "Wir sind übereingekommen, dass es in hohem Maße unwirtschaftlich für uns wäre, dort einzusteigen", sagt sie. Am Standort Freiham kämen zu den aktuell sehr hohen Baukosten noch viele weitere Probleme: Durch den Naturschutz und archäologische Funde könnten "unwägbare Kosten" entstehen. "Außerdem hat man mit einer schwierigen verkehrlichen Erschließung zu kämpfen" - und die Genossen hätten noch Jahrzehnte Baustellen vor der Haustüre gehabt. "Das müsste sich doch alles auch in den Preisen niederschlagen", sagt sie.

Tat es aber offenbar nicht. "Das wäre ein defizitäres Projekt, das gerade für jüngere Genossenschaften überhaupt nicht zu stemmen ist", sagt Außmann.

Auf AZ-Nachfrage heißt es aus dem zuständigen Kommunalreferat, die Bodenpreise seien in einem Jahr um zehn bis 20 Prozent gestiegen. Viel zu viel, finden die Genossenschaften: Der Quadratmeter Baugrund hätte die Genossenschaften in Freiham um 1.400 Euro gekostet.

Stadtverwaltung sucht nach Lösungen

Sebastian Kriesel von der CSU ist als Aubinger BA-Chef zuständig für Freiham. Er sagt, er bedauere sehr, dass es nun erstmal keine Genossenschaften in Freiham geben wird. "Sie sind wichtig für eine gute Mischung" sagt er - und fordert von der Stadt "jetzt dringend noch nachzubessern".

Sogar die alte Eisenbahnergenossenschaft, die im benachbarten Neuaubing noch viele Wohnungen hat, habe kein Interesse gehabt , betont Kriesel. "Man wird immer formale Gründe finden, warum die Preise hoch sein müssen, aber der politische Wille muss eben da sein", sagt Außmann von der Wogeno.

Und möglicherweise kommt in die Sache tatsächlich noch einmal Bewegung: Die Stadt will den Genossenschaften in Freiham gerne nochmal eine Chance geben. Man suche nach Lösungen, heißt es aus der Stadtverwaltung - und wolle "möglichst bald" die vorgesehenen Grundstücke doch noch an Genossenschaften vergeben. (Lesen Sie dazu auch das AZ-Interview mit OB Dieter Reiter: "Zu diesen Preisen kann keine Genossenschaft bauen")

 

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