Auf Rauchverbot hingewiesen Quiddestraße: Nichtraucher brutal geschlagen - niemand hilft

Das Foto der Täter. Der Angreifer muss aus rechtlichen Gründen gepixelt werden. Foto: ho

Weil er auf das Rauchverbot hinweist, wird ein Mann im Bahnhof Quiddestraße zusammengeschlagen. Keiner der Umstehenden greift ein.

 

München - Kurz vor dem Angriff bringt D. noch sein kleines Kind zu seinen Eltern. Dann macht sich der Kellner auf den Weg zu seiner Arbeit.

Als er am U-Bahnhof Quiddestraße auf seinen Zug wartet, fällt dem 31-Jährigen eine Gruppe von sechs Personen auf, die im U-Bahnhof raucht und Alkohol trinkt. "In der Nähe des U-Bahnhofs sind oft Menschen mit Drogenproblemen", berichtet D. In der Nähe des Bahnhofs sei eine Substitutionsklinik für Süchtige. Auch die Leute an der U-Bahn wirken auf ihn, als seien sie auf Drogen.

"Ich bin dann zu den Leuten hingegangen und habe gesagt, dass Rauchen hier verboten ist", berichtet D. der AZ. Daraufhin sei die Lage eskaliert. "Die Leute haben mich aggressiv beschimpft. Dann hat einer gesagt, sie schmeißen mich in das U-Bahngleis." D. schaut auf die U-Bahnanzeige, und sieht, dass die kommende U-Bahn schon darauf angezeigt wird. Er hat Sorge, dass die Gruppe mit ihrer Drohung Ernst macht und ihn ins Gleisbett wirft.

"Da waren wirklich viele Menschen, keiner ist eingeschritten."

Deswegen bewegt sich der 31-Jährige weg vom Gleis zur Mitte des Bahnsteigs. "Die sechs wirkten aber immer aggressiver." Daraufhin greift ihn die Gruppe an und ringt den jungen Mann zu Boden. Er schafft es davor noch, ein Foto von den Tätern zu machen.

Die Täter hätten ihn alle geschlagen. Es sei auch eine Frau Teil der Gruppe gewesen. An sie erinnert sich D. noch sehr gut, denn sie habe ihm gegen den Hinterkopf getreten, als er schon auf dem Boden lag. "Ich habe dann gerufen ‘Mein Kopf’, da haben sie endlich von mir gelassen." Die Täter seien ganz gemütlich aus dem U-Bahnhof spaziert. Sie hätten noch gesagt, die Schlägerei wäre nicht passiert, wenn D. etwas freundlicher gefragt hätte. Das solle er sich merken.

Die Polizei hat keine Spur zu den Tätern

Für D. ist es besonders schockierend, dass ihm keiner der Umstehenden geholfen habe. "Da waren wirklich viele Menschen, aber keiner von denen ist eingeschritten." Auch der U-Bahnfahrer, der einfahrenden Bahn müsse den Gewaltakt gesehen haben.
"Ich habe dann gerufen ‘Mein Kopf’, da haben sie von mir gelassen."

Nach dem Angriff betätigt D. den Notrufknopf am Bahnsteig. Es hatte auch ein Zeuge bereits die Polizei gerufen. Auf AZ-Anfrage bestätigt ein Polizeisprecher den Einsatz. Die Täter seien bis jetzt nicht gefunden worden, die Polizei ermittle aber gegen die sechs Unbekannten wegen gefährlicher Körperverletzung.

D. hofft nun, dass die Täter bald gefunden werden – vielleicht auch durch das Foto, das er machen konnte. D. selbst wurde bei dem Angriff nur leicht verletzt. "Ich war danach natürlich beim Arzt. Ich habe aber wohl nur ein paar Blutergüsse, ein Hämatom erlitten", erzählt er. "Ich hoffe jetzt einfach, dass sie Täter gefasst werden und so etwas niemand anders passiert."

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