Audi-Sommerkonzerte Die neue CD von Lisa Batiashvili

Lisa Batiashvili spielt bei den Audi Sommerkonzerten auch selbst live, zum Abschluss am 5. Juli. Foto: Deutsche Grammophon

Heute beginnen die Audi-Sommerkonzerte, im Internet und für reduziertes Publikum in Ingolstadt. Die künstlerische Leiterin Lisa Batiashvili hat auch ein neues Album aufgenommen

 

Die Georgierin und Wahl-Münchnerin Lisa Batiashvili agiert verdienstvoll: als Geigerin und als künstlerische Leiterin der „Audi-Sommerkonzerte“ in Ingolstadt. Das offenbaren sowohl ihr neues Album „City Lights“ als auch ihre Arbeit an der Donau im tückischen Corona-Jahr. Schon zu Beginn der Pandemie, als weite Teile des Musiklebens noch tief in der Schockstarre steckten, hatte Batiashvili ein „Audi-Solidaritätskonzert“ realisiert: als Online-Livestream im Internet.

„Eine Gesellschaft kann nicht einfach monatelang passiv bleiben“, erklärte sie im April auf Nachfrage. „Das ist gesellschaftlich, psychisch, kulturell und wirtschaftlich ein ganz schwerer Schlag.“ Beim „Audi-Solidaritätskonzert“ wirkte Maximilian Hornung mit, und auf der aktuellen CD ist der Cellist ebenfalls vertreten.

Auch am heutigen Donnerstag ist der frühere BR-Symphoniker wieder dabei, wenn die „Audi-Sommerkonzerte“ starten. Das „Forellenquintett“ von Franz Schubert steht an, mit Alice Sara Ott am Klavier. Zwischen den Sätzen liest die Schauspielerin Katja Riemann passende Texte.

Batiashvili hat ein Corona-Notprogramm geschnürt: frei im Internet sowie für reduziertes Publikum vor Ort. Das ursprüngliche Programm, mit dem das 30. Jubiläum der Reihe groß gefeiert werden sollte, wird im nächsten Jahr nachgeholt. Das Motto „Lights of Europe“ hätte eine Brücke zum neuen Album „City Lights“ geschlagen. Auf der CD bereist Batiashvili mit Musiker-Freunden elf Städte, um sie musikalisch zu porträtieren. Der Titel des Albums verweist auf den Film „Die Lichter der Großstadt“ von Charlie Chaplin, und gleich zu Beginn werden in „City Memories“ auch Melodien von ihm verarbeitet.

Elf Städte Europas

Sonst aber verbinden die Stücke vor allem Folklore, Klassik und Jazz. Manche Städte-Porträts wirken in der Musikauswahl etwas abgegriffen. So wurde für „New York“ das Largo aus der Symphonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvorák bearbeitet. In „Buenos Aires“ tänzeln hingegen Piazzolla-Tangos, mit Milo Karadaglic an der Gitarre. Auch die Bearbeitung des Marlene-Dietrich-Ohrwurms „Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin“ überrascht wenig.

Dafür aber schafft es der Jazz-Trompeter Till Brönner mühelos, aus dieser Schnulze eine gänzlich neue Klanglichkeit erwachsen zu lassen: wunderbar rauchig, geheimnisvoll melancholisch.

Anderes wiederum erscheint ungewöhnlich, so etwa das „Ich ruf zu dir, Herr Jesus Christ“ BWV 639 von Johann Sebastian Bach. Damit wird „München“ eingefangen, und vielleicht erinnert dies auch an die rege Bach-Pflege unter Karl Richter.

Ein starkes Plädoyer für freies Reisen

Für London wurde ein Lied der Songwriterin Katie Melua verarbeitet, und besonders spannend sind die Helsinki- und Bukarest-Porträts mit traditionellen Volksliedern. Ihre Geburtsstadt Tiflis fängt Batiashvili wiederum mit Melodien des im Herbst verstorbenen Komponisten Giya Kancheli ein.

Die durchwegs kunstvollen Arrangements stammen größtenteils von Nikoloz Rachveli. Auf der CD dirigiert er zugleich das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und die Georgischen Philharmoniker.

Eine solche Häppchen-CD würde in normalen Zeiten vielleicht nicht der Rede wert sein, aber: Die gegenwärtige Corona-Krise ist anders. Im Zuge der Pandemie wurden auch innerhalb Europas Grenzen wieder dicht gemacht. Diese Städte-Porträts sind zugleich ein starkes Plädoyer für freies Reisen und offene Grenzen. Für diese Werte ist übrigens seinerzeit auch die Berliner Mauer gefallen – und mit ihr der Eiserne Vorhang.

Alle „Audi-Sommerkonzerte“ sind im Internet kostenlos abrufbar unter www.audi.com/sommerkonzerte

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