Auch Rauchverbot soll schuld sein Studie: Die Kneipe stirbt aus!

Stühle oben, Wirtshaus leer – so wie im Film „Wer früher stirbt, ist länger tot“ schaut’s in vielen Dörfern aus. Foto: imago, David Ebener/dpa

Eine aktuelle Untersuchung des „Vereins zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur“ ergibt, dass jede dritte Gemeinde keine Schankwirtschaft mehr hat. Schuld daran: auch das Rauchverbot

 

MÜNCHEN Vor etwa 65 Millionen Jahren raste ein Meteorit auf die Erde: Verheerende Druckwellen ließen die Kontinentalsockel kollabieren. Es entstanden Erdbeben, Tsunamis und kilometerhohe Wolken aus Staub und Ruß. Die verdunkelten den Himmel. Dadurch, so eine gängige Theorie, starben die Dinosaurier aus. Jetzt fürchten viele bayerische Wirte, dass ihnen dasselbe passiert.

Schuld daran: das Rauchverbot. „Das Jahr 2008 mit dem ersten gesetzlichen Rauchverbot in Bayern wirkte für die Schankwirtschaften wie ein ,Meteoriteneinschlag’“ – so steht es in einer Studie, die der „Verein zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur“ (VEBWK) in Auftrag gegeben hat. Der Umsatz habe sich daraufhin um etwa ein Drittel reduziert.

Der Tourismus-Professor der Hochschule München, Peter Zwerenz, hat für seine Analyse vom 1. Mai 2012 bis 15. März etwa 100 Wirte und 500 Gäste befragt, Experteninterviews geführt und Umsatzdaten bayerischer Wirtshäuser untersucht.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Die Kneipen sterben aus. „Jede dritte Gemeinde in Bayern hatte 2010 keine eigene Kneipe mehr“, so die Studie. 752 von 2056 Gemeinden seien betroffen. In Oberbayern haben 40 Prozent der Gemeinden keine Kneipe mehr.
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  • Die Zahl klassischer Wirtshäuser stagniert: „In Bayern hatte 2010 etwa jede siebte Gemeinde kein eigenes speisenorientiertes Wirtshaus mehr“ – so viel wie 2006. In Oberbayern sei es nicht so schlimm wie in Schwaben und der Oberpfalz, wo jede fünfte Gemeinde kein eigenes, klassisches Wirtshaus mit Bedienung und Schweinsbraten mehr hat.
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  • Das Land ist viel stärker betroffen als die Stadt: In den Städten gab es von 2006 bis 2010 einen Kneipen-Rückgang von 2,4 Prozent, auf dem Land waren es bis 13 Prozent. Die Zahl der Speiselokale wuchs sowohl in der Stadt wie auf dem Land minimal.
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  • Die Erfolgsbranchen in der Gastronomie sind Catering, Imbissstuben und Fast-Food-Lokale.
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Die Ursachen für das Kneipensterben sind laut einer Gästebefragung, dass:

  • das Qualitätsbewusstsein steigt: „Beim klassischen Wirtshausbesuch haben die Gäste hohe Erwartungen an die Qualität und Vielfalt der Speisen und Getränke“. Vielleicht hat das mancher Wirt etwa schleifen lassen?
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  • „Schnell und preiswert“ beliebter wird: Insbesondere die Jüngeren bevorzugten Fast Food. „Aber auch viele Berufstätige und Ältere zeigen ein zunehmendes Interesse am schnellen und preisgünstigen Essen, sei es in Imbissecken von Metzgereien und Bäckereien, in Imbissstuben, in Möbelhäusern, Baumärkten oder Einkaufszentren.“
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  • gezielt gute Gaststätten angefahren werden. Gäste nähmen für ein gutes Schnitzel gerne einen weiteren Weg in Kauf. Folge: „Die Bedeutung des Wirtshauses im Ort ist zurückgegangen.“
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  • Immer mehr zu Hause konsumiert wird: Wegen der unregelmäßigen Arbeitszeiten käme es zu einem „Rückzug in die eigenen vier Wände“.
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Wirte und nicht genannte Experten geben zum Teil andere Gründe für die Gastro-Misere an:

  • Schuld am Kneipensterben: das Rauchverbot.
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  • Unflexible Behörden bei Schankfläche, Brandschutz und Parkplätzen.
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  • Die schwierige Suche nach Nachfolgern wegen bürokratischer Hürden, harter Arbeitsbedingungen und fehlender Anerkennung.
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  • Gutes Personal zu finden sei sehr schwierig.
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Der VEBWK fordert:

  • Weniger Mehrwertsteuer wie bei Hoteliers – auch der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga fordert hier gleiche Wettbewerbsbedingungen.
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  • Mehr Kooperationsbereitschaft seitens der Behörden.
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  • Auf dem Land soll der Staat mit Förderprogramme eingreifen und EU-Gelder einsetzen.
 

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