Auch OEZ-Pistole in LKA-Sammlung Wie die Pistole von Sigi Sommer ins Waffen-Museum kam

Die große Schautafel im LKA-Museum zeigt unter anderem die Waffe von TV-Legende Derrick und des Terror-Kommandos "Schwarzer September". Foto: Daniel von Loeper

Auch die Pistole des OEZ-Schützen hat inzwischen einen Platz im Waffenmuseum des LKA. Die AZ war vor Ort.

 

München - Was das LKA zusammengetragen hat, könnte auch hervorragend in einen "James Bond"-Film passen. Kugelschreiber und Schlüssel, die schießen können, ein Spazierstock, aus dem ein Totschläger hervorspringt – und ein Lippenstift, aus dem sich statt roter Farbe ein Minimesser schraubt.

Kaum überraschen kann da noch eine Maschinenpistole in einem Geigenkasten. "Die hat uns eine ältere Dame geschenkt", erzählt Ludwig Waldinger, der seit Jahren das Waffenmuseum betreut. Ihr Gatte war verstorben. In seinem Nachlass fand die Witwe den Geigenkasten. Als sie ihn aufklappte, lag darin eine MP der Wehrmacht.

LKA Waffenmuseum: Von Kunststoff-Pistole bis zur Schieß-Pfeife

Rund 350 Exponate umfasst die Sammlung. Dazu gehören auch eine Pistole aus Kunststoff aus einem 3D-Drucker (einziges Bauteil aus Metall ist der Schlagbolzen) sowie eine schießfähige Pfeife und eine selbstgebastelte Abschussvorrichtung aus Holz.

Waldinger zieht einen Stock aus einem Schirmständer im Eck, die Waffe eines Wilderers, ein getarntes Kleinkalibergewehr: "Damit kann man nicht aus 300 Metern einen Hirsch erlegen. Aber man kann aus kurzer Distanz auf Tiere schießen, oder auch auf Menschen."

Waffe des OEZ-Attentäters 

Ludwig Waldinger bekommt die Waffen manchmal nach Abschluss eines Verfahrens, wenn die Asservate nicht mehr aufbewahrt werden müssen. So wie beispielsweise die Pistole, mit der David S. im Sommer 2016 im OEZ neun Menschen tötete und anschließend sich selbst. "Diese Waffe erinnert an eines der furchtbarsten Verbrechen, die in der Stadt verübt wurden", sagt Waldinger.

Die Kalaschnikows der Olympiaattentäter von München hängen daneben. Mitglieder des palästinensischen Terrorkommandos "Schwarzer September" hatten am 5. September 1972 das Athletendorf gestürmt. Es begann als Geiselnahme und endete mit der Ermordung aller elf israelischen Geiseln sowie mit dem Tod von fünf Geiselnehmern und eines Polizisten.

Sigi Sommers "Baby"

Im Sortiment hat Waldinger auch die zierliche Pistole vom Typ Baby FN der Schauspielerin Vera Brühne. 1960 hatte der Filmstar gemeinsam mit einem Komplizen den Arzt Otto Praun und dessen Haushälterin Elfriede Kloo ermordet. Das selbe Modell hat übrigens auch AZ-Legende Sigi Sommer besessen. Die Pistole stammt noch aus seiner Zeit, als Sommer als Privatdetektiv arbeitete und bevor er zum friedliebenden Stadtspaziergänger der AZ wurde. Seine "Baby FN" schenkte er dem LKA.

Auch eine Waffe von TV-Kommissar Derrick hängt im Museum. "Horst Tappert hat so in seiner Rolle gelebt, dass er tatsächlich dachte, er wäre Polizist", berichtet Ludwig Waldinger. Weil Tappert aber kein echter Polizist war und er auch keinen Waffenschein hatte, durfte er nur eine Gaspistole und einen Gasrevolver besitzen. Tapperts Witwe vermachte den Revolver dem Museum.

Kuriose Waffen: Vom Schlüssel bis zur Handtasche

Auch recht kuriose Exponate hat das LKA im Lauf der letzten Jahre zusammengetragen: Ein Elektroschocker (getarnt als Handy), auch ein Schlüssel, der schießen kann, findet man in dieser außergewöhnlichen Sammlung. "Wenn einem der Schlüssel weggenommen wird, kann man mit dem Schlüsselanhänger noch schießen", verrät Ludwig Waldinger.

Selbst eine Damen-Handtasche findet man im Museum. Das Designerstück von Alexander McQueen könnte als Waffe missbraucht werden: Der Griff ist einem Schlagring ähnlich. Die Tasche wurde einer Frau bei einer Kontrolle am Flughafen abgenommen.


Das Waffenmuseum im LKA kann jeder besuchen. Gruppen bis zu 15 Personen melden sich in der Pressestelle des LKA an, 089-12120 . Ein Experte erklärt den Besuchern die Exponate. Die Führungen sind kostenlos.

Lesen Sie hier: Zu Besuch in Münchens größter Waffenkammer

 

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