Auch Bamberger Pfarrer dabei Callboy outet Hunderte Priester als seine Kunden

Der Bamberger Dom, Wirkungsgebiet der Erzdiözese. Foto: David Ebener/dpa

Unter ihnen soll auch ein Bamberger Geistlicher sein, der nun seine Ämter aufgeben muss. Er pflegte auch enge Kontakte in den Vatikan.

 

Bamberg - Die Enthüllungen eines italienischen Callboys haben zur sofortigen Suspendierung eines Bamberger Pfarrers (Kirchengemeinde St. Martin) geführt. Erzbischof Ludwig Schick hat ihn aller kirchlichen Ämter enthoben und ihm auch die Ausübung seines Priesteramtes verboten.

Zu den genauen Hintergründen der Suspendierung äußerte sich das Bamberger Erzbistum nicht. In einer allgemein gehaltenen Erklärung heißt es aber: "Er hat sich schwerer Verfehlungen gegen kirchliche Vorschriften schuldig gemacht, die das sechste Gebot und den priesterlichen Zölibat betreffen."

Den Stein ins Rollen brachte der italienische Callboy Francesco Mangiacapra (37). In einem mehr als 1.200 Seiten starken Dossier, das er Anfang März dem Erzbischof von Neapel übergab, hatte er mehr als 40 katholische Priester als langjährige Kunden geoutet. In dem brisanten Papier taucht auch der Pfarrer der Bamberger Kirchengemeinde St. Martin auf. "Er hat mich gebucht, wenn er nach Rom kam", zitiert der Stern den Callboy.

Seinen Aussagen zufolge hätten die Geistlichen, zu denen er sexuellen Kontakt hatte, eine Art Netzwerk gebildet. Mit dem Outing habe er die Doppelmoral der betreffenden Geistlichen öffentlich machen wollen.

Der Pfarrer hatte Zugang zum Papst

Lokalen Medienberichten früherer Jahre zufolge war der Pfarrer ein gern gesehener Gast im Vatikan und hatte offenbar auch einen direkten Zugang zu Papst Johannes Paul II., den er bereits 1997 kennengelernt habe. Ein Foto zeigt ihn zum Beispiel mit einem "VIP"-Pass des Vatikans.

Gegenüber der Bamberger Lokalzeitung erklärte er in diesem Zusammenhang, dass er bei seinen Aufenthalten im Vatikan mehrfach in Messen der päpstlichen Privatkapelle konzelebriert habe. Darüber hinaus habe er den Papst im Jahr 2001 auch bei dessen Pastoralreisen nach Kasachstan und in die Ukraine begleitet.

Er habe damals in beiden Fällen den Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für die Russlanddeutschen vertreten. Der Bamberger Lokalzeitung verkündete er stolz, dass er bei den damaligen großen Gottesdiensten mit mehr als einer Million Menschen direkt vor oder hinter dem Papst auf der Altarinsel Platz nehmen durfte.

Derartige Highlights dürften bei dem 49-jährigen Pfarrer der Vergangenheit angehören. Laut dem Bamberger Erzbistum habe er die nun gegen ihn erhobenen Vorwürfe eingeräumt und werde sich in ein Kloster zurückziehen.

Immerhin kann das Erzbistum auch auf einen positiven Aspekt verweisen. Eine strafrechtliche Relevanz in der "Callboy-Affäre" gebe es nach derzeitigem Stand offenbar nicht.

 

31 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading