Asylbewerber in Fürth "Supertalent" mit Handicap sucht Wohnung

Am liebsten steht er auf dem Kopf: Tameru Zegeye hat zwar eine Gehbehinderung, dadurch aber auch eine besondere Begabung. Foto: RTL

Der Krücken-Artist Tameru Zegeye aus Äthiopien hat es bei der RTL-Show in die nächste Runde geschafft. Bei der Suche nach einem Zuhause hat er dagegen kein Glück.

 

Fürth - Er ist ein "Supertalent"-Kandidat in Dieter Bohlens RTL-Show: Der gehbehinderte Tameru Zegeye hat die Jury und ein Millionen-Publikum mit Handstand-Kunststücken begeistert.

Applaus, staunende Gesichter, ein Gefühl von Wertschätzung. Der Alltag des Asylbewerbers aus Äthiopien sieht allerdings anders aus. Ganz anders. Der 34-Jährige lebt in einem winzigen Zimmer in einer Asylunterkunft in Fürth. Sein Zuhause ist wenig heimelig: Die Herdplatte verstaut er unter dem Bett, sein Hab und Gut passt in einen Rollkoffer.

Der Äthiopier will deswegen unbedingt eine eigene Wohnung, doch er stößt immer wieder auf Ablehnung bei den Vermietern. Über die Immowelt-Initiative "Verändere Deine Stadt" hofft der Gehbehinderte, endlich ein neues Zuhause zu finden.

In seiner Heimat ist er schon zweimal inhaftiert worden Seit Januar 2014 haust Tameru Zegeye, der mit verkrüppelten Beinen geboren wurde, in Fürth. Mit nur einem Rollkoffer kam er damals dorthin. Ein Zurück in seine richtige Heimat gibt es für ihn nicht. Der Mann auf Krücken hatte sich in Äthiopien gegen die Diskriminierung Behinderter eingesetzt.

Er selbst war noch als Zehnjähriger wie ein Baby über den Boden gerobbt. Dann entdeckte er, dass er die fehlende Kraft in den Beinen mit den Armen kompensieren konnte: Er begann mit Kunststücken auf seinen Händen, trat vor Touristen auf und verdiente so Geld.

Ein amerikanischer Arzt wurde auf ihn aufmerksam und finanzierte mit seinen Freunden neun Operationen. Daraufhin konnte der Teenager mit 15 Jahren erstmals eine Schule besuchen.

Der Äthiopier war clever, übersprang mehrere Klassen, studierte dann Informatik und Tourismus. Seine wahre Leidenschaft aber blieb der Kampf für die Behinderten. Damit machte sich der Krückenmann die Regierung zum Feind, denn in Äthiopien sehen viele Menschen ein Handicap als etwas Böses, das vom Teufel kommt.

"Zweimal landete ich wegen meines Engagements im Gefängnis", schildert der "Supertalent"-Kandidat. Seit November 2013 lebt er nun in Franken, nach 20 Monaten wurde er als Flüchtling anerkannt.

Auch wenn er noch keine Wohnung gefunden hat, tut er alles dafür, um sich in Deutschland zu integrieren. Erst nach seinem täglichen Deutschkurs trainiert er als Artist drei Stunden, zusätzlich geht er ins Fitnessstudio.

Inzwischen ist er sogar offiziell der schnellste Mann der Welt im Handstand-Krücken-Lauf: Die Strecke von 100 Metern schaffte er in 56 Sekunden – ein offizieller Guinness-Buch-Rekord. Beim "Supertalent" trat er mit einem Handstand-Kunststück auf fünf gegenläufigen Rollen auf, das nur drei Menschen auf der Welt beherrschen.

Obwohl der Gehbehinderte fast stürzte, darf er noch auf den Einzug in die nächste Runde hoffen.

"„Man kann sagen, was man will, aber das war bislang der spektakulärste Abgang. So ist hier noch keiner rausgegangen", sagte Dieter Bohlen, als der Artist mit Krücken die Showbühne im Handstand verließ.
 

"Bis in den ersten Stock komme ich auch ohne Aufzug"
 

Auch wenn ihm sonst vieles gelingt, einen Vermieter konnte er trotz gesicherter Mietzahlung vom Amt noch nicht überzeugen.

"Es wäre mein größter Wunsch, eine kleine Wohnung in Fürth oder Nürnberg zu finden. Sie darf 350 Euro kosten. Bis in den ersten Stock komme ich auch ohne Aufzug problemlos", erklärt der Artist.

Mit Hilfe von "Verändere Deine Stadt" will er diese Hürde auf dem Weg in ein neues Leben nehmen. Jetzt hofft das "Supertalent" erstmal, dass es in die Finalrunde kommt. Die Entscheidung wird er am kommenden Samstag, 12. Dezember, auf jeden Fall noch in seinem kleinen Zimmer verfolgen müssen.

Wer eine geeignete Wohnung im Großraum Nürnberg hat, kann sich auf www.veraendere-deine-stadt.de melden oder telefonisch werktags unter 0911/52025830.

 

2 Kommentare