Artemis Quartett Der Wechsel als Chance

Die neue Cellistin Harriet Krijgh, Bratscher Gregor Sigl, Primaria Vineta Sareika und die neue zweite Geigerin Suyoen Kim (v. li.). Foto: Felix Broede

Das Artemis Quartett hat schon wieder zwei neue Mitglieder – doch Bratscher Gregor Sigl begreift das als Chance. Morgen spielen die Vier im Prinzregententheater

 

Das Artemis Quartett wirkte durch Umbesetzungen zuletzt ein wenig gebeutelt. Im Frühjahr traten die alte und die neue Besetzung gemeinsam auf. Der Bratscher Gregor Sigl ist nun der dienstälteste Musiker des Ensembles, das am Dienstag im Prinzregententheater Werke von Schubert und Bartók spielt.

AZ: Herr Sigl, wie nehmen Sie den Besetzungswechsel als Mitglied des Quartetts wahr?
GREGOR SIGL: Ich verstehe die Skepsis. Als Friedemann Weigle und ich 2007 neu zum Artemis Quartett kamen, war das die erste Umbesetzung. Für viele eingeschworene Fans war das ein kleiner Weltuntergang. Auch mir selbst tat es weh, dass die Ur-Besetzung auseinanderging. Aber wir spürten – damals wie heute – das große Vertrauen der Konzertbesucher und Veranstalter. Dabei half, dass wir den Abschied durch eine lange Tournee und gemeinsame Auftritte der alten und neuen Mitglieder als Sextett zelebriert haben. Dadurch fühlten sich die Leute mitgenommen.

Was ist das Positive an einem solchen Wechsel?
Man ist dazu gezwungen, Dinge, die einem selbstverständlich erscheinen, noch einmal neu aufzurollen. Das ist wie ein Filter, der alles neu ordnet. Vineta Sareika konnte anfangs nur auf Englisch mit uns proben. Die Dinge, die uns wichtig sind, in einer anderen Sprache auszudrücken, hat uns gezwungen, genauer über Musik nachzudenken. So ist es auch jetzt: Zum Bewährten kommt durch die neuen Mitglieder Harriet Krijgh und Suyoen Kim etwas Frisches hinzu.

Ihre neues Programm rahmt Béla Bartók mit Franz Schubert. Welche Idee steckt dahinter?
Im Zentrum stehen die jeweils letzten Quartette beider Komponisten. Sie haben etwas Endgültiges. Bartóks Musik verbindet eine unglaubliche Traurigkeit mit einer Schönheit der Melodien und Harmonien, die wegen seiner fremden musikalischen Sprache leider nur schwer zu hören ist. Auch für uns ist das jedes Mal eine Herausforderung, nicht nur für den Hörer. Das letzte Schubert-Quartett ist wegen seiner epischen Größe und des häufigen Wechsels von Dur nach Moll vielleicht das ultimative Streichquartett überhaupt. Man weiß nie: Ist das Moll trauriger als das Dur und zum Weinen schön? Ist das Dur nicht einfach beklemmend?

Wird das kommende Beethoven-Jahr anstrengend für Sie?
Natürlich spielen wir auch Beethoven, aber wir haben uns entschlossen, keinen Zyklus aller Quartette zu spielen. Wir haben drei Werke herausgegriffen und drei zeitgenössische Komponisten gebeten, dazu etwas zu schreiben.

Wer sind die drei?
Jörg Widmann, Lera Auerbach und Peteris Vasks. Widmann hat uns oft erzählt, dass die Partitur von Beethovens op. 130 auf seinem Nachttisch liegt und er sich geradezu obsessiv mit diesem Werk beschäftigt. Da war es naheliegend, ihm einen Auftrag zu erteilen. Der „heilige Dankgesang“ aus op. 132 ist für uns wie ein Porträt der humanen und zweiflerischen Großzügigkeit von Peteris Vasks.

Kommen Sie mit diesem Programm auch nach München?
Voraussichtlich mit einem dieser drei Programme. Wir mögen die Stadt und ihr Publikum sehr, fühlten uns aber auf dem Podium des Herkulesssaal unwohl. Jetzt spielen wir im Prinzregententheater. Hier ist die Verbindung zum Publikum viel direkter.

Prinzregententheater, Dienstag, 12. November, 20 Uhr, 36 bis 69 Euro, Karten unter Telefon 98 29 280

 

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