Arne Ulbricht will ein Zeichen setzen Lehrer verzichtet auf Beamtenstatus

Arne Ulbricht, Lehrer aus Wuppertal, verzichtet auf seine Verbeamtung - aus Prinzip. Foto: dpa

Ein Lehrer aus Wuppertal verzichtet auf seine Verbeamtung - und auf 200 Euro netto im Monat. Damit will er ein Zeichen setzen.

 

WUPPERTAL Arne Ulbricht kann nicht glauben, was er ausgelöst hat: Der 40-jährige Lehrer aus Wuppertal machte öffentlich, dass er kein Beamter mehr sein will. Jetzt ist der Medienrummel riesig. „Ich komme mir vor, als hätte ich einen Schneeball geworfen, und jetzt kommt eine Lawine wieder zurück“, sagt er atemlos, nachdem an diesem Morgen bereits ein Radio- und ein Fernsehinterview gegeben hat.

Alle wollen wissen, wie es sein kann, dass jemand auf etwas verzichtet, wofür so mancher Angestellter den Beamten beneidet: Sicherheit auf Lebenszeit. Alle wollen wissen, warum jemand freiwillig bares Geld aufgibt – schließlich, so schätzt die Schutzgemeinschaft angestellter Lehrerinnen und Lehrer in NRW, hätten diese am Monatsende 500 Euro weniger auf dem Konto als ihre Beamtenkollegen. Ist Ulbricht ein Idealist, der privilegierten Beamten den Spiegel vorhält? Oder am Ende vielleicht jemand, der sein Buch über den Lehreralltag besser verkaufen will?

Er macht damit auch Werbung für sein Buch

Dass er seine Geschichte ganz bewusst gerade jetzt öffentlich macht, bestreitet Ulbricht nicht: Sein Buch „Lehrer – Traumberuf oder Horrorjob?“ ist seit kurzem im Handel. Darin kritisiert er auch das Lehrer-Beamten-Dasein. „Es ist nur konsequent, dass ich diese Kritik nun auch als Angestellter übe.“ Und weil Ulbricht, in dessen Schublade noch selbstverfasste Romane schlummern, schon immer davon träumte, mit dem Schreiben Erfolg zu haben, ist ihm die Aufmerksamkeit für seine Entscheidung durchaus ganz willkommen..

Dennoch sei seine Entscheidung mehr als eine findige PR-Aktion. „Es ging mir auch darum, ein Zeichen zu setzen“. Er wolle nicht von einem ungerechten System profitieren, in dem Beamte und Angestellte für dieselbe Arbeit unterschiedlich viel Geld erhielten.

Für seine Arbeit in Teilzeit an einem Berufskolleg wird er künftig 200 Euro netto weniger bekommen als ein verbeamteter Kollege. Ulbricht war zunächst viele Jahre angestellter Vertretungslehrer an unterschiedlichen Schulen. Vor einem Jahr wurde er dann Beamter auf Probe. Gut habe er sich damit nicht gefühlt: „Tag für Tag hört man in den Nachrichten vom sinkenden Rentenniveau“, sagt er. „Wie kann es sein, dass Beamte dann nicht in dieses System einzahlen?“ Ulbricht, der selbst aus einer Beamten-Familie kommt, fordert, Lehrer sollten nach Leistung bezahlt werden. Das sei auch anderen Branchen gegenüber gerechter und würde den falschen Ruf der Lehrer als faule Beamte aufpolieren.

"Ich bin kein Held - ich kann's mir leisten"

Der Deutsche Beamtenbund sieht trotzdem keinerlei Grund, den Status des Lehrers als Staatsbediensteter in Frage zu stellen: „Wer über die schulische Laufbahn eines jungen Menschen entscheidet, dem kommt eine hoheitliche Aufgabe zu“, sagt Cornelia Krüger, Sprecherin des Beamtenbunds. Für Lehramtsanwärter sei der Beamtenstatus generell nach wie vor sehr attraktiv. Das könne man auch daran ablesen, dass Bundesländer wie Berlin, die Lehrer nicht mehr verbeamten, mit Nachwuchssorgen zu kämpfen haben.

Bundesweit gibt es rund 192 000 angestellte Lehrer, erklärt Heinz Werner Müller von der Schutzgemeinschaft angestellter Lehrerinnen und Lehrer in NRW. Ulbrichts Weg könne nur einschlagen, wer finanzielle Rückendeckung habe. Das räumt Ulbricht auch durchaus ein. Er könne die Position des Idealisten auch deshalb einnehmen, weil seine Frau die Hauptverdienerin in der Familie mit zwei Kindern sei. – sie arbeitet als leitende Angestellte bei einem Pharmakonzern. „Ich bin kein Held. Ich kann mir meine Entscheidung auch leisten“

 

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