ARD-Krimi im Ersten Nur anstrengend! Die Kritik zum Köln-"Tatort: Bombengeschäft"

Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) bei den Dreharbeiten zum Kölner "Tatort: Bombengeschäft". Foto: Guido Kirchner/dpa

Der "Tatort: Bombengeschäft" aus Köln widmet sich dem Thema Weltkriegsbomben-Blingänger - aber mit zu anstrengenden Charakteren. Die AZ-Kritik zum ARD-Sonntagskrimi. 

 

Sag noch einmal so lüstern-sabbernd "Prinzessin" zu der frischen Witwe, und wir vergessen unsere gute Erziehung und lassen dir wenigstens die Luft aus deinen Rollstuhlreifen. Dieser kriegsversehrte Sprücheklopfer ist die Nervensäge im "Tatort: Bombengeschäft" (Buch und Regie: Thomas Stiller).

Es war überhaupt ein anstrengender Fall vom so verehrten wie erprobten Kölner Duo Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär). Der Film fängt mit einem Knall an (Weltkriegs-Bomber fliegen über einer Großstadt, dazu läuft das poppige "Enola Gay" von OMD, bald explodiert in der Erzählgegenwart eine Altlast-Bombe) – und verpufft dann 80 weitere Minuten lang so vor sich hin.

In diesem Tatort gibt es keine Sympathieträger

Es gibt eigentlich gar keine Sympathieträger: Die Firma, die die Weltkriegsbomben entschärfen und entsorgen soll, arbeitet nicht sauber. Der Immobilienhändler mit seinem neuen Großprojekt hat Dreck am Stecken. Der entmannte (und dies immer wieder betonende) Kriegsversehrte ist kriminell. Auch der Ex-Knacki ist nicht so ganz sauber. Selbst das Explosionsopfer ist nicht astrein. Schlimm, alles!

Der Chef der Bombenentsorgungsfirma (Ralph Herforth) kann einem schon wegen seines unglaublich dummen und spielsüchtigen Sohnes leid tun. Selbst wenn man im elterlichen Betrieb wenig gelernt hat: "Man kann es ja wenigstens mal versuchen" gilt beim Gitarrespielen, beim Purzelbaumschlagen oder bei der veganen Ernährung – aber nicht beim Entschärfen von Fliegerbomben.

Lichtblick im Köln-Tatort: Die Kameraführung

Immerhin: So schön wurden Freddy Schenks Straßenkreuzer wohl noch nie in Szene gesetzt. Das ist der ungewöhnlichen Kameraführung von Marc Liesendahl zu verdanken, die sehr nah an die Gesichter herangeht, immer wieder von unten an unscharfen Schultern vorbei die Sprecher zeigt. Und eben auch die Autos.

Das Thema Bomben-Blindgänger (das Drehbuch basiert auf einer Idee von Frank Koopmann und Roland Heep) wäre wichtig genug, um es mit etwas weniger anstrengenden Charakteren noch mal zu erzählen. Schließlich werden alle paar Wochen irgendwo ganze Stadtteile abgesperrt, weil Blindgänger im Boden gefunden wurden.

Da hätte man diesen "Tatort" auch gerne zwischenlagern können.

Lesen Sie hier die Kritik zum letzten "Tatort: Spieglein, Spieglein"

 

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