ARD-Krimi am Sonntag Gut, böse oder beides? Der letzte Bremen-"Tatort" in der AZ-Kritik

Die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) haben Spaß beim Tandem-Fallschirmsprung. Foto: Christine Schroeder/Radio Bremen/ARD Degeto//dpa

Es ist der letzte "Tatort" des Bremer-Ermittlerteams. "Wo ist nur mein Schatz geblieben?" überzeugt, weil man die Tat bis zum Schluss jedem zutraut. Ein bisschen nervig ist der Oster-Krimi aber auch. 

 

Der Oster-"Tatort" und obendrauf der Abschiedsfall des Bremer Teams – ja, als Zuschauer erwartet man viel vom letzten Auftritt von Sabine Postel und Oliver Mommsen. Das Problem: In "Wo ist nur mein Schatz geblieben?" tauchen so zwielichtige und vielschichtige Charaktere auf, dass man leicht das Interesse an den beiden Kommissaren verliert.

Zu Beginn haben Lürsen und Stedefreund noch die Aufmerksamkeit: Sie wagen zusammen einen Fallschirmsprung. Das ist keine letzte Teambuilding-Maßnahme, sondern eine Wettschuld. Und soll wohl auch zeigen: Sie schaffen nach rund 20 Jahren den "Tatort"-Absprung. Wenn auch kreischend.

Bremer Oster-Tatort: Grenzen zwischen Gut und Böse aufgelöst

Überraschung: Genau beim Segeln durch die Luft klingelt das Telefon. Bauarbeiter haben eine Frauenleiche entdeckt. Was wir über sie erfahren? Nicht viel. Sie mag mexikanisches Essen und stalken. Ihr Arbeitgeber dagegen wäscht Millionen für die tschetschenische Mafia. Das funktioniert besonders gut, weil die Geschäftsführerin die Schwester des Mafia-Bosses ist. Jetzt könnte man denken, klar, die haben sicher auch die Frau getötet. Das ist aber das Spannende an dem Fall (trotz einiger Längen): Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind aufgelöst. Man traut die Tat jedem zu – vom Mafioso bis zum Polizisten.

Auch Lürsen weiß nicht, wem sie vertrauen kann. Ihr Kollege Stedefreund lügt sie an – und das nicht besonders gut. Das hat mit den abgehalfterten BKA-Beamten Maller (Robert Hunger-Bühler) und Kempf (Philipp Hochmair, u. a. "Vorstadtweiber") zu tun. Vor allem der drogenabhängige Kempf kommt so wild daher wie ein Tier mit Tollwut. Großartig! Dann wäre da noch Gast-Star Kostja Ullmann. Eigentlich ist er verdeckter Ermittler, leider aber verliebt in die Mafia-Schwester. Die ist so eiskalt, dass sie seinen Heiratsantrag annimmt, während sie eine Leiche in der Kühltruhe verstaut. Da mag es kaum verwundern, dass auch Ermittler Ullmann am Ende durchdreht. Aber eben nicht nur er .

Bremen-Tatort: Ein bisschen zu viel Geheimnistuerei

Aber eigentlich soll es ja um Lürsen und Stedefreund gehen. Letzterer nervt irgendwann mit seiner Heimlichtuerei (er war 2013 gar nicht in Afghanistan, sondern in einen blutigen Undercover-Einsatz mit Maller und Kempf verwickelt). Ebenso überflüssig: die Aussagen, dass jeder ein Geheimnis haben dürfe und nicht jede Wahrheit ans Licht müsse. Hallo? Wir sind beim "Tatort", natürlich muss das Geheimnis ans Licht.

 

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