Nach Ärger um Naturkundemuseum Biotopia-Architekt: "Es muss schon als moderner Bau erkennbar sein"

Das Naturkundemuseum Bayern entsteht dort, wo heute das Museum Mensch und Natur und ein altes Genetik-Institut sind. Foto: Staab Architekten

Der Architekt des neuen Naturkundemuseums "Biotopia" im Schloss Nymphenburg spricht am Montag an der TU – und sprach vorher mit der AZ über historische Kontexte, Fensterputz und harte Vorwürfe.

München - Am jetzigen Museum Mensch und Natur am Schloss Nymphenburg entsteht das neue Naturkundemuseum Biotopia. Es hat Denkmalschützer verärgert, dass dafür ein altes LMU-Institut abgerissen wird, mit den ersten Fassadenentwürfen des Berliner Architektenbüros Staab waren auch nicht alle zufrieden.

AZ: Herr Staab, jetzt müssen Sie schon wieder Ihre Entwürfe für das neue Naturkundemuseum erklären – hatten Sie das so kommen sehen?
VOLKER STAAB: Ach, heute geht es ja nicht nur um Biotopia, sondern grundsätzlich darum, wie wir mit moderner Architektur im historischen Kontext umgehen. Natürlich wird das Museum ein Thema sein, aber ich hoffe, dass da eine gemischte Gruppe sitzt aus Menschen, die sich für einen Diskurs interessieren.

Wie ist das, sich für einen Entwurf so rechtfertigen zu müssen? Bei der Bürgerversammlung vor einem Jahr erklärte jemanden, der Entwurf für die Fassade erinnere an ein KZ.
Das war schon hart. Auf eine gewisse Weise kann man das natürlich verstehen, das wird oft sehr emotional. Aber wir sind ja spezialisiert darauf, uns mit historisch aufgeladenen Bestandssituationen zu befassen. Vor ein paar Jahren in Bayreuth haben die Medien erst geschrieben, wir würden mit unserem Anbau an die Villa den Wagner-Park zerstören. Als das Gebäude fertig war, waren aber dann alle zufrieden.

Wird das beim Bau am Schloss Nymphenburg auch so?
Es waren alle sehr geschockt von den ersten Visualisierungen, die veröffentlicht wurden, auch, weil die so farblos und grau waren, wurde damals gesagt. Aber in der Ausschreibung für den Neubau, an der wir teilgenommen haben, waren einfach keine Farben erlaubt. Die Farbgebung wird sich natürlich an das Effner’sche Konzept der Bauten am Schloss anpassen.

Die Kritik gab es ja aber nicht nur an den Farben, sondern am Neubau selbst. Dass das Gebäude an der Maria-Ward-Straße 1a abgerissen wird und ein anderes dort hinkommt.
Bei Neubauten an Orten, an denen schon Historisches vorhanden ist, geht es immer um eine Gratwanderung. Aber wir wollen da ja kein zweites Museum von Bilbao bauen.

Helfen Sie jemandem, der keine Architekturmagazine liest: Was ist mit dem Museum?
Das ist ein Beispiel aus der modernen Zeit dafür, dass ein sehr markantes Gebäude geschaffen wurde, nicht, um sich in die Umgebung einzufügen, sondern um für sich zu stehen, etwas Herausragendes zu sein.

Und das soll Biotopia ja nicht, das stand auch in der Ausschreibung. Aber das Gebäude wird anders aussehen und einige Menschen hatten Sorge, dass dadurch das Schloss-Ensemble zerstört wird.
Ich habe die Sorge gehört, dass der Neubau die Symmetrie des Schlosses zerstört. Aber die ist unbegründet: Aus der Sichtachse, auf der man auf das Schloss zugeht, sieht man das Gebäude gar nicht. Und es hieß auch öfter, dass das neue Gebäude nicht genau wie die auf der anderen Seite des Schlosses liegende Schwaige aussehen wird. Das stimmt natürlich. Aber das hat es vorher auch nicht, das vergessen leider viele. Und die Laibungen der Fenster werden zum Beispiel beim Neubau eng an den Bestand angepasst.

Überarbeiten Sie den Entwurf denn nochmal, der zuletzt veröffentlicht wurde?
Entwürfe werden ständig noch etwas verändert und angepasst, aber momentan sind wir in einer Phase, in der es noch um Genehmigungen geht, da passiert jetzt erst einmal nicht so viel an den Entwürfen.

Haben Sie schonmal wegen eines Gebäudes so gekämpft?
Man muss oft viel erklären. Es ist eine grundsätzliche Frage, wie man Architektur versteht: Wollen wir bestehende Dinge erhalten und wiederholen, oder wollen wir etwas weiterentwickeln? Das neue Gebäude wird sich in die Umgebung einpassen, aber es muss natürlich auch als Museum erkennbar sein und als moderner Bau.

Aus Architektensicht: Wie viel sollten Bürger bei solchen Projekten mitsprechen?
Ein Austausch ist immer gut und wichtig und es ist ja wunderbar, dass Menschen sich dafür interessieren. Aber solche Entwürfe gehen ja durch viele Jurys und Gremien, in denen von den Bürgern gewählte Vertreter sitzen, das sollte man nicht vergessen. Ich hoffe, dass die Menschen merken, dass es bei dieser Debatte eigentlich vor allem um Details geht.

Lesen Sie hierzu: Biotopia Lab - Kopfüber ins Zwischenmuseum


Volker Staab spricht am Montag (12.11.2018) um 19 Uhr an der TU, Fakultät für Architektur, Arcisstraße 21, Theodor-Fischer-Hörsaal (Eingang Goldener Engel/Luisenstraße, Eintritt frei) auf Einladung des Lehrstuhls für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege über seine Projekte und den Planungsstand des Neubaus Biotopia – Naturkundemuseum Bayern.

 

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