Arbeit in der Freizeit Smartphone & Co.: BMW bewertet mobile Arbeitszeit neu

Die BMW-Firmenzentrale in München: Bei einem Pilotprojekt in München unter 550 Mitarbeitern sagten 72 Prozent, dass die neuen Regelungen für mehr Ausgeglichenheit sorgen. Foto: AP
 

Freude am Feierabend: BMW-Mitarbeiter sollen flexibler arbeiten – samt Anrecht, mal nicht erreichbar zu sein

MÜNCHEN Nur mal eben ein geschäftlicher Anruf beim Geburtstagsbrunch, husch noch ein paar Mails von Kollegen in der S-Bahn beantworten: Bei vielen Menschen greift die Arbeit immer stärker in ihre Freizeit ein – ohne dass das bezahlte Arbeitszeit wäre. Gleichzeitig steigen die Krankheitsfälle wegen Burnout.

Nach Volkswagen, Daimler und der Telekom schreibt sich jetzt auch BMW auf die Fahnen, dass die Mitarbeiter echte Erholungsphasen haben sollen – mit Zeiten, in denen sie nicht erreichbar sind. Außerdem werden Zeiten entlohnt, die Mitarbeiter mobil arbeiten – etwa im Flugzeug oder der S-Bahn.

Es ist eine Weiterentwicklung des klassischen Home-Office. Doch anders als bei der Einführung der Telearbeit vor 15 Jahren braucht heute niemand mehr einen festen Arbeitsplatz zuhause, um Aufgaben erledigen zu können – Laptop und Smartphone sei dank. „Die Menschen arbeiten immer mehr mobil“, sagt Horst Lischka von der IG Metall. Das habe die Mitarbeiter nicht in Ruhe gelassen, doch jetzt sei bei BMW eine gute Regelung gefunden: „Die Zeiten, die gearbeitet werden, müssen auch gezahlt werden.“

Wer mobil arbeitet, trägt das je nach Regelung nach oder achtet darauf, dass er im Rahmen seiner 35- oder 40-Stunden-Woche bleibt. Ansonsten ist Freizeitausgleich möglich. Die entsprechende Betriebsvereinbarung, die BMW und der Betriebsrat geschlossen haben, gilt an allen deutschen Standorten und für rund die Hälfte der 79.000 Mitarbeiter. Es sind tariflich und außertariflich Angestellte, die meisten von ihnen arbeiten in Forschung, Entwicklung oder Vertrieb. Nicht unter die Vereinbarung fallen Leih- und Zeitarbeiter und Mitarbeiter mit Werksverträgen.

Ein weiterer Teil der Vereinbarung, den Betriebsratschef Manfred Schoch im „Spiegel“ „Recht auf Unerreichbarkeit“ nannte: Mitarbeiter können mit ihrem Vorgesetzten individuell vereinbaren, wann sie erreichbar sein wollen – und wann nicht. In vielen Fällen mag das schon vorher so gehandhabt worden sein – jetzt hat der Mitarbeiter ein Anrecht darauf.

Zum Beispiel der Vater, der seinen Sohn am Freitagnachmittag zum Fußballspielen begleiten möchte. Er kann vereinbaren, dass er am Freitagabend seine Aufgaben von zuhause erledigt – am Fußballplatz muss er nicht unruhig aufs Smartphone starren. Ob er’s nicht trotzdem tut, hängt freilich von seinem Wesen ab.

Vom Server geht das Handy in dieser Zeit jedenfalls nicht. So regelt es zum Beispiel VW seit 2011: Tarifbeschäftigte mit Dienst-Smartphone erhalten dort am Wochenende oder an Feiertagen keine Mails. Warum das nicht auch bei BMW so gehandhabt wird? „Für BMW haben wir eine eigene Lösung gefunden“, sagt Horst Lischka von der IG Metall. „Die passt.“

In München haben zwei Abteilungen mit 550 Mitarbeitern die neuen Regelungen bereits in einem Pilotprojekt getestet. Nach ihren Erfahrungen befragt, sagten 72 Prozent, dass sie sich ausgeglichener fühlten, so BMW-Sprecher Jochen Frey. „Präsenz ist nicht alles“, sagt er. Und eines sei dabei für BMW besonders wichtig: Niemand, der an einem anderen Ort als seinem Büroplatz arbeitet, soll schief angeschaut werden.

 

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