Apple Kein iPhone 5! Apple motzt das iPhone 4 auf

Fans des mobilen Alleskönners hatten es gehofft: Tatsächlich wurde das neue iPhone 4S am Dienstag in der Firmenzentrale präsentiert. Im Bild: Phil Schiller, Senior Vice President. Foto: AZ/Paul Sakuma/AP

Statt des erhofften iPhone 5 gibt es von Apple zunächst einmal nur das iPhone 4S. Es ist schneller, sieht aber genauso aus wie der Vorgänger. Apple will vor allem mit Software punkten, zum Beispiel mit einem «persönlichen Assistenten», der aufs Wort hört.

Cupertino -
Apple hat am Dienstag sein mit Spannung erwartetes neues iPhone-Modell vorgestellt. Das iPhone 4S hat einen schnelleren Prozessor, eine stark verbesserte Kamera mit 8 Megapixeln und eine runderneurte Antennen-Technik, wie Apple am Dienstag ankündigte. Das neue Telefon kommt am 14. Oktober auf den Markt. Äußerlich sieht es aus wie das aktuelle Modell iPhone 4. Die Erwartungen waren extrem hoch: Apple hatte sich diesmal mehr als ein Jahr mit einer neuen iPhone-Generation Zeit gelassen - länger als üblich.

Im Fokus stand am Dienstag aber vor allem die Software. Eine neue Schlüsselfunktion des neuen Smartphones ist der intelligente «persönliche Assistent» Siri, der mit Stimmbefehlen gesteuert wird.
Apple nutzt dabei eine Entwicklung der übernommenen Startup-Firma Siri zur Sprachsteuerung.

Apple-Manager Phil Schiller demonstrierte die Funktion auf der Bühne. Auf die Frage nach der aktuellen Wettervorhersage zeigte das Telefon das Wetter für San Francisco an. Und auf die Frage nach der Uhrzeit in Paris eine Uhr mit der richtigen Zeit. Sagt man dem Telefon «Wecke mich um 6.00 Uhr morgens», stellt es automatisch einen Wecker. Ebenso sucht der Assistent etwa nach Restaurants oder Routen zum vorgegebenen Ziel. Siri versteht zunächst Englisch, Deutsch und Französisch.

Zum Start des nächsten iPhone bringt das neue Betriebssystem iOS 5 zahlreiche zusätzliche Funktionen und Verbesserungen. Es kommt am 12. Oktober heraus, ebenso wie der Online-Speicherdienst iCloud, mit dem
Apple den Datenfluss zwischen verschiedenen Geräten radikal vereinfachen will. Der Musik-Dienst iTunes Match, der die Musik-Kollektion eines Nutzers aus dem Netz abrufbar macht, startet in den USA Ende Oktober.

Apple verstärkt sich auch bei ortsbezogenen Diensten: Mit der App Find My Friends kann man den aktuellen Aufenthaltsort seiner Freunde sehen, die sich dazu bereit erklärt haben. Der Dienst habe einfache und präzise Einstellungen zur Privatsphäre, betont Apple.

Von einem iPhone 5 war keine Rede. Zuvor war spekuliert worden, dass
Apple erstmals zwei neue iPhone-Modelle starten könnte - ein günstigeres einfaches und ein hochgerüstetes. Die Anleger zeigten sich enttäuscht. Die Aktie, die kurz vor Beginn der Präsentation noch bei 380 Dollar stand, fiel zum Schluss auf rund 364 Dollar.

Der Auftritt im
Apple-Hauptquartiert in Cupertino war die erste große Bewährungsprobe für den neuen Apple-Chef Tim Cook, seit er im August die Zügel von Gründer Steve Jobs übernommen hat. Die Vorstellung einzelner Neuerungen überließ er anderen Managern. Die Hoffnung, dass Jobs zumindest kurz bei der Präsentation auftauchen könnte, erfüllten sich nicht.

Mit iCloud will
Apple das lästige Synchronisieren von Daten überflüssig machen. So können Fotos, die man mit dem iPhone gemacht hat, automatisch in dem Speicher der Software iPhoto auftauchen, gekaufte Apps oder Magazine können leicht aus dem Netz nachgeladen werden.

Das iPhone ist Apples Geldmaschine und das meistverkaufte Smartphone eines einzelnen Herstellers. Experten sehen
Apple auf Kurs, in diesem Jahr mehr als 80 Millionen iPhones zu verkaufen - und mehr als 100 Millionen 2012. Von den bisher verkauften iPhones ist jedes zweite ein iPhone 4.

Apple hatte mit dem ersten iPhone vor vier Jahren die aktuelle Smartphone-Revolution in Schwung gebracht - zur führenden Plattform stieg allerdings inzwischen das Google-Betriebssystem Android auf, das von verschienen Herstellern verwendet wird. Zusammen machen iOS und Android Rivalen wie Nokia oder den Blackberrys von Research in Motion das Leben schwer.

Am Anfang überschüttete Cook die Zuhörer mit Statistik zum aktuellen
Apple-Geschäft. So sei das MacBook die meistverkaufte Notebook-Marke, weltweit gibt es inzwischen 60 Millionen Nutzer von Computern des des Apple-Betriebssystems MacOS X. Der Marktanteil in den USA erreichte inzwischen 23 Prozent - noch vor wenigen Jahren krebste das Apple-Betriebssystem bei niedrigen einstelligen Marktanteilen herum.

Jeden Monat werden inzwischen eine Milliarde Apps heruntergeladen, insgesamt waren es bisher 18 Milliarden. An Software-Entwickler, die bei iTunes 70 Prozent der Umsätze bekommen, seien drei Milliarden Dollar ausgezahlt worden.

Apple hat seit dem Start vor zehn Jahren mehr als 300 Millionen iPods verkauft und auf der Online-Plattform iTunes wurden rund 16 Milliarden Songs heruntergeladen. Der iTunes-Musikladen umfasst inzwischen 20 Millionen Titel. Bisher wurden 250 Millionen Geräte mit dem iOS-Betriebssystem verkauft.

 
 

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