Anzeige gegen Aktionskünstler Frauenchiemsee: Ärger um dieses Nazi-Ehrenmal

Links: Alfred Jodl war Chef des Wehrmachtsführungsstabes und wurde bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt. Rechts: Der Aktionskünstler Wolfram P. Kastner (r) und sein Mitstreiter Jürgen Arnold neben der Informationstafel am Ehrenmal auf der Fraueninsel. Foto: dpa/ho

Auf der Fraueninsel im Chiemsee steht ein Scheingrab für den damaligen Hitler-Vertrauten Alfred Jodl. Ein Aktionskünstler geht gegen die Nazi-Verehrung vor und hat offenbar den Bürgermeister der Insel gegen sich.

 

Frauenchiemsee – Auf dem malerischen Friedhof nördlich der Klosterkirche auf der Fraueninsel im Chiemsee fanden Künstler, Gelehrte und Schriftsteller ihre letzte Ruhe. Und: Adolf Hitlers damals mächtigster Militärberater Alfred Jodl - zumindest symbolisch. Denn das mächtige Steinkreuz ist ein so genannter Kenotaph, ein Scheingrab. Die Asche des bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilten Kriegsverbrechers wurde nach seiner Hinrichtung in einen Nebenarm der Isar gestreut. 

Einige Bewohner und Touristen stören sich an dem Ehrenmal, zu dem regelmäßig Neonazis pilgern und Blumensträuße niederlegen. Unter den Gegnern des Scheingrabs ist auch der politische Aktionskünstler Wolfram P. Kastner. Im Juni 2015 brachten er und ein Mitstreiter eine Tafel an dem Familiengrab an, in dem beide Ehefrauen des Wehrmachtsgenerals tatsächlich begraben liegen. "Keine Ehre dem Kriegsverbrecher - Alfred Jodl wurde im Nürnberger Prozess 1946 als Hauptkriegsverbrecher verurteilt und hingerichtet.", ist darauf zu lesen.

Diese Guerilla-Aktion gefällt dem Bürgermeister der Insel, Georg Huber (CSU) gar nicht. Er ließ die Tafel mit einem schwarzen Müllsack verhüllen, ehe sie schließlich wieder entfernt wurde. Dass er in irgendeiner Weise mit der Verehrung eines verurteilten Kriegsverbrechers sympathisiere, wie Kastner behauptet, davon will Georg Huber nichts wissen.

"Ich bin kein Nazi. Aber dass jemand auf unserem Friedhof tut und lässt, was er gerade gerne will, das geht einfach nicht. Das hat nichts mit Recht auf Meinungsfreiheit zu tun, wenn dadurch die Rechte Dritter eingeschränkt werden.", sagt er zur AZ. Auch dass er den Aktionskünstler angezeigt haben soll, dementiert Huber. Schließlich habe er keine Handhabe. Wenn Kastner eine Anzeige wegen Sachbeschädigung ins Haus flattere, dann eher von den privaten Eigentümern des Familiengrabs.

Hitlers oberster General hat auf Frauenchiemsee also weiterhin kommentarlos seine Gedenkstätte - so wie es aussieht aber nicht mehr allzulange. Laut Huber läuft 2018 das Nutzungsrecht für das Grab aus. Dass es, sollte ein Antrag gestellt werden, verlängert wird, bezweifelt der Bürgermeister aus einem ganz einfachen Grund: Der kleine Inselfriedhof platzt aus allen Nähten. Daher wurde entschieden, dass Anträge von Nicht-Gemeindemitgliedern gar nicht mehr oder nur in absoluten Ausnahmefällen genehmigt werden.

 

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