Anwohner sind verärgert Boden-Luft-Raketen des US-Militärs: Aufrüstung in Ansbach?

Boden-Luft-Raketen sorgen derzeit in Mittelfranken für Ärger. Foto: privat

Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen scheinbar neue Raketen des US-Militärs. Dieses wiederum liefert eine andere Erklärung für die Vorgänge in Katterbach.

 

Ansbach - Eine Handvoll Häuser, ein paar Dutzend Einwohner, Gebrauchtwagenhändler im amerikanischen Zuschnitt, ein Wirtshaus – und die US-Army. An den Eckdaten des Ansbacher Mini-Ortsteils Katterbach hat sich seit Jahrzehnten nicht viel geändert. Doch nun rumort es.

Denn zu den Militäreinrichtungen gehört auch der 30 Kilometer entfernte Truppenübungsplatz bei Obernzenn (Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim). Dort haben Anwohner in der vergangenen Woche Fotos von einer Raketenstellung gemacht: Drei schwere Spezial-Fahrzeuge waren mit Boden-Luft-Raketen bestückt und haben diese in Stellung gebracht.

So erklärt das US-Militär die Raketen

Für die Bürgerinitiative "Etz langts" ist das ein Beleg für die Aufrüstung, die die Amerikaner in Mittelfranken, speziell in Katterbach, derzeit betreiben würden. Der Sprecher der Initiative, Boris-André Meyer, geht davon aus, dass "die Gerätschaften" mit einem neu stationierten Bataillon in Katterbach zusammenhängen.

US-Raketen in Katterbach – dieses Thema führte schon im vergangenen Jahr zu Diskussionen, als sich die Erhöhung der Truppenstärke abzeichnete. Boris-André Meyer weist darauf hin, dass damals sowohl von der US-Armee als auch von der Staatsregierung in München bei der Ausrüstung des neuen Bataillons nur von "relativ leichten Waffen", die "von der Schulter" abgefeuert würden, die Rede gewesen sei, nicht von Raketensystemen.

An dieser militärischen Struktur soll sich in Katterbach auch nichts geändert haben, zitiert das Ansbacher Lokalblatt "Fränkische Landeszeitung" einen US-Militärsprecher. Die in Oberzenn gesichteten Boden-Luft-Raketen haben demnach nichts mit Katterbach zu tun. Eine rheinland-pfälzische US-Einheit sei aus Platzmangel zum Üben nach Franken gekommen, heißt es von dem Sprecher weiter.

Mit Erklärungen dieser Art lässt sich die grundsätzliche Skepsis über das US-Militär in den Reihen der "Etz langts"-Aktivisten nicht beenden. US-Angaben, steht auf ihrer Internetseite, seien generell nur mit Vorsicht zu genießen.

Fluglärm wegen Militär-Helikoptern

Die offizielle Antwort auf eine Anfrage nach der Zahl der Hubschrauberflüge in Katterbach ist für die Initiative so ein zweifelhaftes Beispiel. Die Zahlen des US-Verteidigungsministeriums über die Flugbewegungen lagen offensichtlich um ein Mehrfaches unter denen, die von den "Etz langts"-Mitgliedern dokumentiert wurden.

Im Ortsteil Oberreichenbach, der an das US-Militärgelände angrenzt, haben die Bürger 2018 genau 2.934 Flüge gezählt. Laut Pentagon, so ist es auf der Internetseite der Initiative festgehalten, seien es insgesamt nur 1.067 Starts und Landungen in Katterbach gewesen.

Nur einen Katzensprung vom Militärgelände entfernt, in der Gemeinde Sachsen, ist der Landtagsabgeordnete Peter Bauer (Freie Wähler) daheim. Wie viele Kampf-, Transport- und sonstige Hubschrauber im benachbarten Katterbach landen und starten, weiß auch er nicht. Den Fluglärm dagegen kennt er gut. Sein Haus steht in einer der vier Einflugschneisen. "Ab 22 Uhr sollen eigentlich keine Flüge mehr stattfinden. Aber es gibt genügend Ausnahmeregeln."

 

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