Anwalt der Alpen DAV-Jubiläum: Historische Bilder aus 150 Jahren

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Im 19. Jahrhundert können sich nur die Reichen eine Urlaubsreise in die Berge und ins Ausland leisten. Hier sitzt ein besonders verwegener Entdecker auf der Punta Taviela in Norditalien. Foto: Deutscher Alpenverein

Der DAV blickt auf 150 Vereinsjahre zurück: Er war Wohlstandsclub, Nazigehilfe und ist jetzt ein Naturschutzverband. AZ zeigt die historischen Bilder.

 

München - Bis zum Ersten Weltkrieg stand den meisten Menschen kein Urlaub zu, und die Kosten für eine Alpenreise waren immens. Deshalb waren es wenige, wohlhabende Menschen, die am 9. Mai 1869 im Gasthof "Zur Blauen Traube" am Sendlinger Tor die "Section München eines deutschen Alpenvereins" gründeten und die Erschließung der Alpen vorantrieben. Das war die Geburtsstunde des Deutschen Alpenvereins (DAV).

Der Alpenverein ist beispielhaft für ein neues Selbstverständnis der Bürger, die ihre Ziele durch Organisation in Vereinen umsetzen. Um die Alpen zu erleben und zu erforschen, richteten die Mitglieder ein Hütten- und Wegenetz ein. Heute betrachtet der DAV die Erschließung der Alpen mit 323 Hütten, mehr als 20.400 Übernachtungsmöglichkeiten und 30.000 Kilometern Wegen als abgeschlossen. Stattdessen konzentriert sich der Verein heute auf den Ausbau und Erhalt – in den Hütten auch auf regenerative Energien und Abwasserreinigungstechniken.

Nationalsozialistische Vergangenheit des DAV

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs umfasste der Verein rund hunderttausend Mitglieder in 407 Sektionen. Bereits Ende der 1880er Jahre war die heranwachsende Generation an leistungsorientiertem Bergsteigen interessiert. Die Jungen forderten die Förderung von Expeditionen und die Ausstattung der Hütten für den aufkommenden Wintertourismus. 1919 wurde beschlossen, dass Ausübung, Ausbildung und Förderung des Bergsteigens zukünftig Kernaufgabe des Alpenvereins sein sollten.

Nach dem Ersten Weltkrieg richtete sich der Verein zunehmend deutschvölkisch aus und grenzte jüdische Bergsteiger aus. Nach 1933 arbeitete der DAV eng mit dem nationalsozialistischen Regime zusammen. Ein dunkles Kapitel, das der Verein erst in den 1990er Jahren aufarbeitete.

DAV: Von den Bergen in die Kletterhallen

Mitte der 70er Jahre verbreitete sich die Idee des Freikletterns, das nicht nur Sport, sondern Gegenkultur und Ausdruck von Freiheit war. Aber erst 1984, als der DAV fürchtete, dass ihm die Jugend abwandern könnte, entschloss sich der Verein dazu, Sportklettern in seine Aktivitäten aufzunehmen. Heute unterhält der Alpenverein über 200 Kletter- und Boulderhallen.

Seit 2005 ist der DAV auf Bundesebene ein anerkannter Naturschutzverband mit 1,2 Millionen Mitgliedern in 356 Sektionen und sieht sich in seinem Selbstverständnis als "Anwalt der Alpen".

 

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