Ansturm der Kunden Corona-Krise: Wird Gold jetzt knapp?

Zahlreiche Käufer stehen vor einer Dresdner Filiale der Goldhandelsfirma Pro Aurum in einer Warteschlange. Foto: Robert Michael/dpa

Deutsche Händler wie die Münchner Firma Pro Aurum erleben in der Krise einen zuvor noch nie dagewesenen Ansturm – was das für seltsame Folgen hat.

 

München - Generell gilt: Je schlimmer eine Krise, desto stürmischer drängt es Anleger in den vermeintlich so sicheren Goldmarkt – institutionelle wie private. Was aber im Moment los ist, das gab es am Goldmarkt noch nie und würde wahrscheinlich selbst den Gold liebenden Film-Schurken "Auric Goldfinger" (gespielt von Gert Fröbe) aus dem gleichnamigen James-Bond-Film sprachlos machen.

Benjamin Summa, Sprecher des Münchner Goldhauses Pro Aurum bestätigt: "Was gerade passiert, ist völlig verrückt. Das gab es weder während der Finanzkrise 2008 noch während der Euro-Krise 2015. Wir können unseren Kunden zwar noch Gold liefern, aber nur in limitiertem Umfang. Das heißt: Wir verkaufen wegen der Corona-Krise nur noch online und wickeln maximal 500 Bestellungen am Tag ab. Am Freitag waren die um 10.30 Uhr weg, am Montag um 11 Uhr und gestern um kurz nach 9 Uhr." Pro Aurum beginnt um 8 Uhr mit dem Geschäftsbetrieb. 

Gold-Umsatz steigt bei Degussa um 500 Prozent

Wie die "Frankfurter Allgemeine" berichtet, hat der europäische Online-Goldhändler Coininvest nach eigenen Angaben 15-mal so viele Bestellungen wie vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Der durchschnittliche Warenkorb betrage 8.000 Euro, viermal so viel wie sonst üblich.

Beim deutschen Marktführer Degussa sei der Umsatz seit Anfang März um 500 Prozent gestiegen. Dabei ist das Hauptproblem aller Goldhändler das gleiche: Es hapert an der Logistik. "Normalerweise arbeiten bei uns zehn bis 15 Leute im Versand, jetzt sind es 30 bis 40. Und das reicht immer noch nicht", sagt Pro-Aurum-Sprecher Summa.

Erschwerend käme hinzu, dass der auf Geld- und Werttransporte spezialisierte Sicherheitsdienst Prosegur, der für Pro Aurum ausliefert, überlastet gewesen sei. Denn im Gegensatz zur Finanzkrise vor einigen Jahren wollen nicht nur die Griechen das kostbare Edelmetall, sondern es wird kreuz und quer durch ganz Europa gefahren.

Corona-Krise: So lange müssen Kunden auf ihr Gold warten

Das führt dazu, dass Kunden durchschnittlich zehn bis zwölf Tage darauf warten müssen, bis sie ihre teuer erworbenen Münzen oder Barren in den Händen halten – viel länger als gewöhnlich.

Zur immens gestiegenen Nachfrage von Privatkunden kommt, dass die drei im Schweizer Tessin ansässigen Raffinerien Valcambi, Argor-Heraeus und Pamp, die in normalen Jahren 1.500 Tonnen Gold und damit einen Großteil des globalen Angebots verarbeiten, ihren Betrieb mindestens bis Ende März eingestellt haben. Es ist also eine Frage der Zeit, wann der Nachschub ins Stocken gerät.

Manche Experten sagen, in vier Wochen, andere schon in zwei Wochen. Den bei Käufern besonders beliebten Krügerrand gibt es praktisch nicht mehr zu erwerben, denn aus Südafrika kommt nichts mehr nach, seit die Regierung bei der Corona-Bekämpfung stärker durchgreift.

Die Großraffinerie Rand erhält kein Gold mehr aus den Minen. Bei Pro Aurum hofft man, die Nachfrage anders stillen zu können, indem man Krügerrand von Privatleuten zurückkaufen und sie anderen Kunden zur Verfügung stellen will. Aber sonderlich viele Verkäufer soll in diesen Tagen nicht geben.

Das Online-Portal wissen.de hat fünf Ratschläge für den Goldkauf parat...

Fünf Top-Tipps für den Goldkauf

  1. Wer auf Goldmünzen als Geldanlage setzen möchte, der sollte große Münzen kaufen. Bei kleineren Varianten sind die Kosten für das Prägen selbst extrem hoch. Im Gegensatz zur Goldmünze entfallen beim Goldbarren weniger Kosten auf das Prägen des Edelmetalls.
     
  2. Wer Angst vor einem Diebstahl hat, der sollte die Goldmünzen oder Barren in einem Schließfach der Bank oder gar in einem Tresor verwahren. Allerdings: Die sichere Verwahrung kostet auch Geld.
     
  3. Der Goldbarren ist günstiger als die Münze, birgt aber auch einen Nachteil: Die Geldanlage lässt sich nur umständlich beziehungsweise im Ganzen wieder zu Geld verwandeln. Bei Münzen ist der Rücktausch in einer kleineren Stückelung möglich.
     
  4. Wer einen Goldbarren kauft, bezahlt jedes Mal nicht nur den Goldwert, sondern auch ein sogenanntes Aufgeld. Dieses wird weniger, je größer der Goldbarren ist.
     
  5. Wer auf Goldbarren oder Münzen setzt, die bestimmten Voraussetzungen unterliegen (Prägung nach 1800, ehemaliges Zahlungsmittel, Wertbestimmung nach dem Goldpreis), spart sich die Mehrwertsteuer beim Kauf. Steuerfrei bleibt auch der Verkauf, wenn dieser frühestens nach einem Jahr erfolgt.

Lesen Sie hier: Streit um Corona-Bonds tobt weiter

 

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