Bilanz der Flughafensperrung Zwei Tage Chaos wegen einer Wasserflasche

Noch immer herrscht Chaos am Münchner Flughafen, nachdem am Samstag eine Frau unkontrolliert in den Sicherheitsbereich gelangt war. Foto: dpa

32.000 Fluggäste sitzen fest, 330 Flüge werden gestrichen, Terminal 2 wird geräumt – das ganze Chaos am Münchner Flughafen wegen einer Panne bei den Sicherheitskontrollen.

 

München - Selbst am Sonntagmorgen saßen noch immer rund 2.000 Fluggäste am Münchner Airport fest. Etwa 700 hatten die Nacht auf Feldbetten verbracht, andere kamen in Hotels, weil ihre Flüge wegen eines Sicherheitsalarms gestrichen worden waren. Ausgelöst hat den Kollaps am Flughafen eine Frau, die am Samstagmorgen im Terminal 2 ohne Kontrolle in den Sicherheitsbereich gelangt war.

"Seit 17 Stunden am Flughafen, fünf Essensgutscheine und ein paar Kekse", macht ein Passagier via Twitter seinem Ärger Luft. Ein anderer schreibt: "Keine Getränke und eine überlastete Klimaanlage. Shame on you, ,bester Flughafen Europas’. Ihr könnt ja nicht einmal Sicherheitskontrolle oder Passagierinformation."

Passagierin: "Chaos pur!"

Monika Schramm will um 5.45 Uhr in den Urlaub nach Seattle starten. Die Landshuterin (44) postet kurz nach Sonnenaufgang vom Flughafen: "Es kann losgehen!" Doch dann kommt alles ganz anders: "Es war Chaos pur. Ich saß von 5.45 Uhr bis 19.30 Uhr fest", erzählt sie.

Am Abend fährt sie dann unverrichteter Reise wieder nach Hause zu ihren Eltern. Erst am Sonntag um 10 Uhr klappt es schließlich dann doch noch mit dem Abflug in Richtung USA.

Zahlreiche Flüge werden noch immer annulliert oder sind verspätet.Familie Michaels-Moore wartet auf ihren Flug nach Albuquerque. Foto: dpa

Versagen des Sicherheitspersonals 

Ausgerechnet zum Ferienstart ist es am frühen Samstagmorgen zu einer schweren Panne gekommen. Eine etwa 40 Jahre alte Frau, die beim Sicherheitscheck wegen einer Wasserflasche im Handgepäck abgewiesen worden ist, passiert wenig später ohne erneute Kontrolle die Sicherheitsschleuse im Terminal 2.

Entgegen klarer Anweisungen löst das Sicherheitspersonal zunächst keinen Alarm aus. Erst nachdem die Aufsichtsbehörde, das Luftamt Südbayern, von dem Vorfall erfährt, wird um 6.45 Uhr die Bundespolizei informiert. Die macht das Terminal komplett dicht und räumt den Bereich. Selbst Reisende aus ankommenden Flugzeugen dürfen die Maschinen nicht mehr verlassen.

Flüge sind ausgebucht

Daraufhin bricht am Flughafen Chaos aus. Vor Schaltern bilden sich lange Schlangen. Umbuchen ist kaum möglich, viele Maschinen sind wegen des Ferienbeginns ausgebucht. "Behalten Sie Ruhe", heißt es in Lautsprecherdurchsagen. Von einem Polizeieinsatz ist die Rede. Unsicherheit macht sich breit. Das Internet sei überlastet gewesen, an Infos sei man nicht gekommen, berichtet Stefanie Fach, die mit ihren Kindern nach Irland wollte.

Monika Schramm kam mit 28 Stunden Verspätung in Seattle an.
Monika Schramm kam mit einer Verspätung von 28 Stunden in Seattle an. Foto: ho

"Die Räumung verlief recht ruhig und ohne Panik", erzählt Monika Schramm. Feuerwehr, Rettungsdienstmitarbeiter und Polizei verteilen Wasser – jedoch kein Essen. "Bei den Passagieren war die Stimmung relativ gut, manche hatten Galgenhumor, doch bei einigen lagen die Nerven blank", erzählt die Landshuterin Schramm. Manche weinen sogar.

32.000 betroffene Passagiere

Über Stunden ist der komplette Betrieb im Terminal 2 lahmgelegt, davon betroffen die Lufthansa und ihre Partner-Airlines. Gegen 10.30 Uhr wird ein Teil wieder freigegeben.

Das Chaos geht weiter: Immer mehr Flüge werden gestrichen. Rund 330 sind es nach Angaben eines Flughafensprechers. Etwa 32.000 Passagiere sind betroffen.

Dazu wird es im Terminal 2 von Stunde zu Stunde immer heißer. Die Klimaanlage läuft auf Maximum, doch es wird trotzdem immer stickiger. Um frische Luft hereinzulassen, werden die Türen des Terminals geöffnet. Die Feuerwehr stellt Hochleistungslüfter auf.

Mit 28 Stunden Verspätung in Seattle

Wegen der vielen Menschen muss das Terminal immer wieder geschlossen werden. In einem Zelt, das nebenan aufgebaut ist, werden Getränke an Passagiere verteilt.

Erst im Lauf des Sonntags läuft es wieder normal. 19 weitere Flüge werden gestrichen. Monika Schramm kommt in Seattle an – mit 28 Stunden Verspätung.

 

27 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading