Andreas L. soll Germanwings-Absturz eingeleitet haben Airbus-Drama: Riss er 149 Menschen in den Tod?

Andreas L.: Der Co-Pilot des Germanwings-Airbus leitete nach Angaben der Staatsanwaltschaft den Sinkflug absichtlich ein. Foto: privat

Die Flugzeug-Katastrophe über den französischen Alpen war wohl kein Unfall. Für die Ermittler deutet alles darauf hin: Der Co-Pilot Andreas L. brachte die Germanwings-Maschine selbst zum Absturz. Das Warum ist unklar.

 

Marseille - Dramatische Wendung im Fall des in Frankreich abgestürzten Airbus A320: Der 28-jährige Andreas L. aus Montabaur, Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine, hat nach Erkenntnissen der Ermittler den Sinkflug selbst ausgelöst und so das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht.

Er sei zu diesem Zeitpunkt allein im Cockpit gewesen, der Pilot sei aus der Kabine ausgesperrt gewesen, sagte der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. "Es sieht so aus, als ob der Copilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und so zerstört hat." Hinweise auf einen terroristischen Anschlag gebe es nicht. Die Motive des 28-Jährigen sind unklar.

Co-Pilot hat nicht auf Notruf reagiert

Der Pilot hatte demnach kurz zuvor das Cockpit verlassen, um auf die Toilette zu gehen, und das Kommando seinem Kollegen übergeben. Als er zurück ans Steuer wollte, habe er die automatisch verriegelte Kabinentür nicht mehr öffnen können, schilderte der Staatsanwalt. Die plausibelste Deutung gehe dahin, dass L. vorsätzlich verhindert habe, dass die Tür geöffnet werde. Auf Ansprache des Towers habe der Mann nicht reagiert. Ein Notruf sei nicht abgesetzt worden.

Laut Robin war der 28-Jährige nicht als Terrorist erfasst. Bekannt war bereits, dass er seit 2013 bei Germanwings beschäftigt war und aus dem rheinland-pfälzischen Montabaur stammte.

Schreie der Passagiere erst Sekunden vor dem Absturz zu hören

Der Stimmenrekorder habe bis zuletzt schweres Atmen aus dem Cockpit aufgezeichnet, gesagt habe der Co-Pilot nichts mehr, erklärte der Staatsanwalt. In den letzten Minuten, bevor der A320 mit 150 Menschen an Bord an einer Felswand zerschellt sei, hätten der ausgesperrte Kapitän und die Crew von außen gegen die Cockpit-Tür gehämmert. "Die Schreie der Passagiere hören wir erst in den letzten Sekunden auf dem Band", sagten die Ermittler. In den ersten 20 Minuten nach dem Start haben sich Pilot und Co-Pilot demnach ganz normal unterhalten.

Der zweite Flugschreiber sei noch nicht gefunden, sagte Robin weiter. Zuvor hatte er die aus Düsseldorf und Barcelona angereisten Hinterbliebenen der Todesopfer informiert. Die Bergung und Identifizierung der Opfer könne mehrere Wochen dauern.

Kurz vor Beginn der Pressekonferenz in Marseille hatte bereits ein Düsseldorfer Staatsanwalt Medienberichte bestätigt, wonach einer der Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt war. Die "New York Times" und die französische Nachrichtenagentur AFP hatten unter Berufung auf Ermittler berichtet, dass einer der Piloten seinen Platz verlassen und danach versucht habe, die verschlossene Tür einzutreten.

Lesen Sie hier: Pilot aus Cockpit ausgesperrt - Wie geht das?

Der Airbus mit der Flugnummer 4U9525 war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, als er über Südfrankreich minutenlang an Flughöhe verlor und am Bergmassiv Les Trois Evêchés zerschellte. An Bord waren 72 Deutsche. Aus Spanien stammten nach Angaben aus Regierungskreisen in Madrid 50 Opfer.

Lufthansa und Germanwings haben für 14.30 Uhr eine Pressekonferenz am Flughafen Köln/Bonn angekündigt.

 

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