An Leukämie erkrankt Typisierungsaktion in München: Hilfe für Astrid G.

Astrid G. bleibt auch im Krankenhaus optimistisch. Foto: privat

Astrid G. hat Blutkrebs und nur eine Stammzellspende kann sie retten. Das Problem: Ein passender Spender muss europäisch-westafrikanische Wurzeln haben – so wie sie selbst. Die Freunde helfen bei der Suche, etwa mit einer Typisierungsaktion in München am kommenden Samstag.

 

München - Astrid G. hat einen großen Freundeskreis, der sich seit vergangenem Herbst sehr für die 42-jährige Mutter zweier Jungen ins Zeug legt. Direkt helfen kann keiner der Freunde der Personalerin aus Frankfurt. Denn im September 2018 wurde bei ihr Akute Myeloischen Leukämie (AML) festgestellt, eine besonders aggressive Form von Blutkrebs. Nur eine Stammzellspende wird das Leben von Astrid G. retten können. Dafür muss ein "genetischer Zwilling" gefunden werden, dessen Gewebemerkmale mit der Patientin möglichst übereinstimmen. Und hier liegt das Problem.

Astrid ist die Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers. Diese Mischung aus zwei Ethnien hat sie zu einer exotischen Schönheit gemacht, aber auch zu einem besonders schwierigen medizinischen Fall. Denn sie braucht einen Spender mit einem ähnlichen ethnischen Hintergrund: ein Elternteil europäisch, ein Elternteil aus Westafrika, am besten aus Nigeria.

Kaum gemischt-ethnische Spender in den Internationalen Registern

Die für eine erfolgreiche Stammzell-Transplantation wichtigen Gewebemerkmale werden je zur Hälfte von Mutter und Vater vererbt. Sie sind individuell sehr unterschiedlich. Hätte Astrid Geschwister, wäre die Chance für ein Match auch nur 25 Prozent. Bei anderen Blutsverwandten kommt nur noch ein Treffer auf 100 Fälle.

Dennoch finden sich für rein europäische Patienten in 90 Prozent der Fälle Spender, deren sogenannte HLA-Merkmale ausreichend mit dem Empfänger übereinstimmen. Bei gemischt-ethnischen Menschen sind die Chancen ungleich geringer. Denn die Gewebemerkmale variieren auch zwischen den Ethnien.

Das nächste Problem: Von allen international registrierten potenziellen Stammzellspendern sind gerade einmal drei Prozent gemischt-ethnisch. Deutsch-nigerianisch oder wenigstens europäisch-afrikanisch sind noch viel weniger. Die weltweiten Spenderregister haben daher kein Match ergeben.

Und so sucht Astrid G. mit Unterstützung vieler Freunde seit Monaten die Nadel im Heuhaufen. Die schlanke Frau mit dem strahlenden Lächeln ruft auf der professionell aufgezogenen Internet-Seite help-astrid.com weltweit zur Registrierung auf, das Motto der deutsch-, englisch- und französischsprachigen Seite lautet #Matchmymix.

München, Samstag 18. Mai, 9 - 14 Uhr - potenzielle Stammzellspender gesucht Mit Unterstützung der DKMS (früher: Deutsche Knochenmarkspenderdatei) organisierte Astrid G.s Helferkreis schon Aktionen in Frankfurt und Berlin. Anfang Mai hat sogar eine Typisierung in drei nigerianischen Großstädten stattgefunden. Das hat die Spenderdatei in dem westafrikanischen Land erweitert – ob Astrid G. davon profitieren kann, steht noch nicht fest.

Und daher ist der nächste Aufruf wieder hier in Deutschland: Am Samstag, 18. Mai, findet eine Typisierung in München statt. Von 9 bis 14 Uhr stehen Astrids Freunde und Mitarbeiter der DKMS in der Parkstadt Schwabing (Pro Health Club in der Wilhelm-Wagenfeld-Str. 6) bereit, um Menschen als potenzielle Stammzellspender für Blutkrebspatienten zu registrieren. Mit einem Wattestäbchen nehmen sie dann eine Speichelprobe für den Gentest – neue Hoffnung für Astrid G.

Aufgeben ist für Astrid G. keine Option

Die Schwerkranke hofft, dass viele Menschen von der Aktion erfahren, und vor allem auch in der afrikanischen Community die Werbetrommel rühren – vielleicht kennt jemand jemanden, der Astrid G.s genetischer Zwilling sein könnte.

Aufgeben kommt für die junge Frau ohnehin nicht in Frage. Das hat sie bei verschiedenen Medienauftritten seit der brutalen Diagnose immer wieder betont. Sie will leben und ihre Söhne, die erst neun und elf Jahre alt sind, aufwachsen sehen – und für ihren Mann Florian da sein. Der 43-Jährige sitzt im Rollstuhl, seit ihn vor fünf Jahren ein Auto auf seinem Roller erfasst hat.

Aktuelles Ziel: Zeit gewinnen bis zu einer Stammzelltransplantation

Astrid G. nimmt derzeit an einer klinischen Studie in Heidelberg teil. Ziel der Behandlung ist es, so viel Zeit wie möglich zu gewinnen – Zeit für die fieberhafte Suche nach einem Stammzellspender.

"Astrid ist einer der stärksten Menschen, die ich kenne", sagt ihre gute Freundin Sara, die zum Kern des großen Helferkreises der Krebspatientin gehört. "Sie glaubt fest daran, dass es irgendwo einen Spender für sie gibt und wir ihn nur noch finden müssen."

Vielleicht ist München der Ort, wo dieser Spender zu finden ist. Vielleicht ist es auch Würzburg. Dort findet in zwei Wochen wie jedes Jahr ein großes Afrika-Festival statt. Dann soll auch dort registriert und typisiert werden – wieder eine Chance für Astrid G., den Blutkrebs doch noch zu besiegen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Focus Online.

Lesen Sie hier den Bericht einer AZ-Redakteurin: Das passiert, wenn man Stammzellenspender wird

 

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