Amtsgericht München Anklage: Schlafende Frau (22) in Bar vergewaltigt

Der Angeklagte am Donnerstag im Gerichtssaal. Foto: jot

Prozess am Münchner Amtsgericht: Dem Angeklagten wird eine Vergewaltigung vorgeworfen – das Opfer soll geschlafen haben. Doch der 36-Jährige sagt, sie war wach und der Sex einvernehmlich.

 

München - Für die junge Frau muss es ein Albtraum gewesen sein. Die 22-Jährige wachte auf der Couch einer Bar auf, weil sich jemand an ihr zu schaffen machte. Ihr erster Blick fällt auf den Boden, da liegt ein Tampon. Dann sieht sie, dass ihre Hose und Unterhose halb runtergezogen ist.

Laut Anklage soll sich der 36-jährige Cem P. (Name geändert) an der Schlafenden vergangen haben. Er habe ihr die Hose runtergezogen, den Tampon entfernt und dann zwei Finger in ihre Scheide eingeführt. Die Staatsanwaltschaft geht deshalb von Vergewaltigung aus.

Doch Cem P. hat ein ganz andere Sicht auf die Dinge, die sich in den frühen Morgenstunden des 27. Juli in der Miesbacher Bar ereigneten. Die Frau habe den ganzen Abend mit ihm geflirtet, ihm den Nacken gekrault, sich an ihn gedrückt.

Die Szene auf der Couch habe sich auch ganz anders abgespielt. Sie soll ihm dabei geholfen haben, die Hose runterzuziehen. Auch habe sie ihm signalisiert, dass es ihr gefallen würde. Erst als plötzlich lautes Gelächter von anderen Gästen der Bar zu hören war, habe sie sich erschreckt und habe gerufen: "Oh mein Gott, ist mir das peinlich." Dann habe sie sich die Hose wieder hochgezogen und sei gegangen.

Das Opfer betritt schon weinend den Gerichtssaal

Als die 22-Jährige aussagen soll, kommt sie bereits weinend in den Gerichtssaal. Die Öffentlichkeit wird daraufhin bei ihrer Vernehmung ausgeschlossen. Öffentlich sind die Aussagen von Freunden des Opfers, die in der Nacht bei ihr waren oder von ihr über den Vorfall verständigt wurden. Die berichten unter anderem, dass die junge Frau am Morgen des Tattages noch ganz verstört war.

Ein Freund, der mit ihr in der Bar gefeiert hatte, berichtet, dass sie wohl einen Cocktail nicht vertragen habe. Die junge Frau sei eingeschlafen und habe sich auch durch starkes Rütteln nicht mehr wecken lassen. Die Freunde haben sie dann in der Bar zurückgelassen. Später schilderte sie ihrem Freund den Vorfall. Am gleichen Tag ging sie zur Polizei und berichtete von ihrem Albtraum-Erlebnis. Cem P. ging einen Tag später in U-Haft, ist aber wieder auf freiem Fuß.

Hat der Angeklagte die 22-Jährige nun vergewaltigt? Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Das Gericht entschied sich schließlich für einen Mittelweg: Neun Monate zur Bewährung - und zwar wegen sexueller Nötigung.

 

15 Kommentare