Amoklauf am OEZ Das sind die Opfer von Ali S.: Jugendliche und eine zweifache Mutter

Naim Zabergja steht mit einem Foto seines getöteten Sohnes Dijamant vor dem Olympia-Einkaufszentrum. Foto: dpa

Der Amokläufer von München hat neun Menschen getötet – die meisten waren Jugendliche mit Migrationshintergrund.

München - Mit einem Strauß roter Rosen steht Naim Zabergja auf der Rückseite des Olympia-Einkaufszentrums (OEZ). In der Hand ein Foto: Der 20-Jährige darauf lächelt offen und freundlich in die Kamera, die Haare sorgsam gestylt. "Das war mein Sohn", sagt Zabergja und hält die Fotografie in die Kamera. Nun ist der junge Mann tot, so wie der Täter und acht andere Opfer, darunter mehrere Jugendliche.

Das OEZ in einem einfacheren Stadtviertel im Nordwesten Münchens, in dem viele Migranten wohnen, bietet viele Restaurants und Geschäfte. Große Ketten sind hier vertreten. Bei Jugendlichen ist es ein beliebter Treffpunkt.

Auch Zabergjas Sohn hatte sich dort mit einem Freund verabredet. An diesem schwülwarmen Sommerabend saßen sie draußen, sie wollten eine Limo trinken. Doch dann kam der Amokschütze und feuerte Schüsse ab.

"Ich glaube noch nicht, was passiert ist"

"Sein Freund ist weggelaufen, meinen Sohn hat er getötet", erzählt Zabergja, der aus dem Kosovo stammt. Seine Stimme wird heiser, doch er redet weiter.

Zwei Töchter hat er noch, vier Enkel. Dijamant war der einzige Sohn, geboren in München.

Er machte eine Ausbildung am Flughafen. Dass der 20-Jährige jetzt tot sein soll – für den Vater schwer zu begreifen.

Am Samstagmorgen um 4 Uhr sei die Polizei vor der Tür gestanden und habe ihm die schreckliche Nachricht überbracht. "Ich bin noch in Träumen, ich glaube noch nicht, was passiert ist, auch meine Familie glaubt es noch nicht."

Die Opfer: Jugendliche und eine zweifache Mutter

Laut Landeskriminalamt (LKA) schoss der Mörder von München wahllos um sich und tötete dabei vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund: Demnach sind unter den Opfern ein Ungar und ein Staatenloser. Zwei der Getöteten hatten deutsche Pässe. Bei ihnen handelt es sich nach AZ-Informationen um die beiden 14-jährigen Mädchen Armela S. und Sabina S., deren Familien aus dem Kosovo kommen – genau wie die Angehörigen von Dijamant Zabergja. Um ihrer zu gedenken, ordnete der Präsident des Kosovo, Hashim Thaci, für Sonntag Staatstrauer an.

Zudem sind laut Ermittlern zwei Menschen mit deutsch-türkischer Nationalität ums Leben gekommen. Ein weiteres Todesopfer hat einen türkischen Pass. Nach offiziellen Angaben aus Ankara starben die beiden Buben Can L. († 14) und Selcuk K. († 15) sowie die 45-jährige Sevda D. Die beiden Teenager sollen Freunde von Armela und Sabina gewesen sein. Mit ihnen saß offenbar Roberto R. († 15) aus Ungarn im Schnellrestaurant. Sevda D. war Mutter zweier Kinder.

Am Sonntagnachmittag kondolierte Staatspräsident Erdogan im türkischen Fernsehen den Hinterbliebenen.

Schwester aus der Schusslinie gestoßen, selber getroffen worden

Der 17-jährige Hussein D. hatte die griechische Staatsbürgerschaft. Er war mit seiner Familie im OEZ, um für den Sommerurlaub einzukaufen. Mehrere Medien berichten, er habe seine Schwester aus der Schusslinie geschubst und ihr so das Leben gerettet, bevor er selbst von zwei Kugeln tödlich getroffen wurde.

Sein Vater soll ihn bis in die Nacht hinein in verschiedenen Münchner Krankenhäusern gesucht haben – als er erfuhr, dass der Teenager den Amoklauf nicht überlebt hat, soll der Mann einen Herzinfarkt erlitten haben.

Der deutsche Jugendliche Guiliano K. († 19) wurde vor dem McDonald's von einer Kugel getroffen, die ihm ins Herz drang. Ein Sanitäter, der den Schwerverletzten versorgte, erzählt in "Bild": "Der Junge hat gesagt: 'Ich will nicht sterben, aber ich sterbe jetzt'." Samstagfrüh um 2.19 Uhr verlor Guiliano im Klinikum rechts der Isar den Kampf um sein Leben.

Verletzt wurden bei dem Amoklauf 35 Menschen, zehn davon schwer. Drei Patienten schwebten am Sonntag noch in Lebensgefahr.

Das LKA hat die Zahl der Versehrten gestern nach oben korrigiert, weil sich viele Betroffene selbstständig in Behandlung begeben und erst dann bei der Polizei gemeldet hatten, so Behördenleiter Robert Heimberger. Viele hätten sich auf der Flucht verletzt – etwa durch Stürze.

 

26 Kommentare