American Football: München Rangers "Wir sind wie die Löwen"

American Football: Harte Zweikämpfe und viel Taktik. Foto: München Rangers

Mit viel Herzblut und wenig Geld spielen die München Rangers American Football – mit Quereinsteigern und Schülern

 

AZ: Herr Arzberger, Sie sind der erste Vorsitzende der München Rangers. Ihre Spieler befinden sich bestimmt schon im Superbowl-Fieber?


MICHAEL ARZBERGER: Auf jeden Fall. Das Playoff-Finale der National Football League in Indianapolis am Sonntag ist natürlich ein Highlight. Die New England Patriots gegen die New York Giants – ein super Endspiel. Ein großer Teil unserer Mannschaft schaut sich das Spektakel im Hard Rock Café an, allerdings in einem separaten Bereich. Aber wir haben auch Tische im Hauptbereich Da geht’s dann richtig ab! Ich setze übrigens auf die Giants.


Vor über vier Jahren haben Sie auf die München Rangers gesetzt. Warum?


Die Footballer der München Rangers haben schwere Zeiten hinter sich, spielten oft im Schatten der Munich Cowboys und waren Ende der 1990er Jahre sogar kurz davor, sich aufzulösen. 2007, als ich dazu kam, gab es gerade mal noch 75 Mitglieder. Doch wir haben den Verein wieder auf die Beine gestellt, zählen mittlerweile über 200 Mitglieder. Und in diesem Jahr hat unsere A-Jugend mit Jugendnationalspieler Bene Saalfrank und sieben Bayernauswahlspielern um Kapitän Phillip Kunze sogar den dritten Platz in der Bayernliga belegt, vor den Munich Cowboys.


Besteht da eine Rivalität?


Nur auf dem Platz. Das ist wie im Fußball mit dem FC Bayern und dem TSV 1860. Wir sind wie die Löwen und kämpfen mit viel Herzblut und relativ wenig Geld darum, dass American Football nicht nur etwas für Hochleistungssportler in der German Football League ist, sondern auch für Amateure und Quereinsteiger.


Was meinen Sie mit Quereinsteiger?


American Football ist gerade bei jungen Leuten wieder sehr angesagt. Viele Studenten kommen zu uns, die vorher im Fußball, Handball oder Karate aktiv waren. Leute, die einfach eine neue Herausforderung suchen. Und die finden sie bei den München Rangers. Wir werden nämlich in diesem Jahr eine zweite Mannschaft aufstellen, ein sogenanntes Farmteam.


Was genau ist ein Farmteam?


Ein Team, in dem relativ junge, talentierte Spieler mit etwas älteren, erfahrenen Footballern zusammen spielen. In dem wir Spieler für unsere erste Mannschaft aufbauen. Allerdings ohne extremen Leistungsdruck und große Erwartungen, sondern auf einem sehr spielerischen Niveau. So kann beispielsweise ein Student zu uns kommen, und auch mal in der Bayernliga mitspielen.


Für den Nachwuchs gibt es das Flag-Team.


Genau. Da können Kinder ab zehn Jahren mitmachen. Flag ist eine softe Variante des American Footballs, ohne Helm, Shoulder-Pads und Körperkontakt. Da versuchen die Jungs, einfach ihrem Gegenspieler am Gürtel eine kleine Fahne wegzuschnappen. Da lernt der Nachwuchs sehr viel über Koordination und Kondition – der perfekte Einstieg. Wir arbeiten auch mit dem Adolf-Weber-Gymnasium zusammen, wollen Schülern diesen wunderbaren und komplexen Sport näher bringen.


American Football sieht oft brutal aus, weniger komplex.


Es ist wie Schach. Es geht nicht darum, einfach nur groß und stark zu sein und den Gegenspieler zu Boden zu ringen. Jedes Team verfügt über große und kleine, dicke und dünne, langsame und schnelle Spieler. Jeder Typ, jede Figur wird gebraucht, hat seine ganz spezielle Aufgabe. Sonst kann man den anderen nicht matt setzen. Und so gibt es auch unglaublich viele Spielzüge in der Offensive und Defensive. Da geht es nicht einfach nur darum, das Ei irgendwie in die Endzone zu befördern. Um die Regeln voll und ganz zu verstehen, braucht man Jahre.


Machen bei Ihnen auch Frauen mit?


Ja, allerdings nicht auf dem Football-Feld, sondern daneben als Cheerleader. Auch ein sehr anspruchsvoller und eigenständiger Sport: eine Mischung aus Tanz und Akrobatik. Wenn im April die Saison wieder startet, werden unsere Mädels für jede Menge Stimmung im Dantestadion sorgen. Ein richtiges Happening mit Barbecue, Live-Musik und natürlich vielen Touchdowns.

 

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