Amateur-Coach im Interview TSV 1860: Lulzim Kuqi - "Die Verrohung wird immer schlimmer"

Co-Trainer der vierten Mannschaft des TSV 1860: Lulzim Kuqi. Foto: ho

Lulzim Kuqi, Trainer der 4. Löwen-Mannschaft, über Integration und Respekt auf dem Platz.

 

München - Lulzim Kuqi ist seit Sommer Co-Trainer der 4. Mannschaft des TSV 1860, die in der A-Klasse spielt.

AZ: Herr Kuqi, seit Sommer sind Sie Co-Trainer der 4. Mannschaft bei 1860. Gerade in Zeiten, in denen die Spaltung in der Gesellschaft größer wird, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz wieder zunehmen: Wie erleben Sie das Thema bei Ihnen im Verein?
LULZIM KUQI: Zum Glück ist das bei uns gar kein Thema. Bei uns in der Mannschaft hat die Hälfte aller Spieler einen Migrationshintergrund, es spielt aber gar keine Rolle. Kultur, Herkunft, Hautfarbe, es interessiert keinen. Wichtig ist, dass man sich versteht. Und dass ein Spieler zu uns passt, zu Sechzig und seiner Philosophie. Respekt, Miteinander, Toleranz, das sind Werte, die der Verein großartig vorlebt.

Gibt es Momente, in denen Sie merken, dass jemand aber gar nicht zu Ihnen passt?
Natürlich, dann muss man sich unterhalten, und wenn wir sehen, dass der Spieler das nicht verinnerlicht hat und sich entgegen unserer Werte verhält, dann müssen wir uns von ihm trennen. Wichtig ist ja, dass sich die Spieler als Menschen auch integrieren lassen wollen, das ist bei uns in der Mannschaft nicht anders als in der Gesellschaft. Dabei spielt es auch hier keine Rolle, woher einer kommt. Man kann nicht sagen, nur Ausländer machen Ärger, Blödsinn. Ich habe es auch schon erlebt, dass einheimische Münchner ohne Migrationshintergrund Probleme machen und nicht herpassen. Ein Migrant fügt sich in die deutsche Gesellschaft oft besser ein als ein Einheimischer.

Generell nimmt die Verrohung auf den Fußballplätzen immer mehr zu, Gegenspieler werden beleidigt, Schiedsrichter attackiert. Wie nehmen Sie das im Alltag wahr?
Genauso. Es wird immer schlimmer. Deswegen predigen wir unseren Spielern immer wieder absoluten Respekt vor Gegner und Schiedsrichter. Natürlich kann und darf es auch mal lauter werden, es ist Fußball, ein Männersport, ja. Aber es muss immer im Rahmen bleiben, darf nie die Grenzen überschreiten. Was du bei anderen Mannschaften erlebst, diese Aggression und Gewaltbereitschaft, das würden weder ich noch der Verein dulden. Auch in den anderen Mannschaften in unserer Fußball-Abteilung spüre ich, dass Sechzig da ein absolutes Vorbild ist.

Sie sind gebürtiger Münchner, Ihre Eltern kamen in den 1960er Jahren aus dem Kosovo hierher, hatten Sie wegen Ihres Namens mal Probleme?
Nein. Probleme hatten eher die, die ihn aussprechen wollten. Meine Eltern haben mir mitgegeben, jeden Menschen zu respektieren und die Grundwerte des Miteinanders in der Gesellschaft zu verinnerlichen. Würde jeder danach handeln, wäre die Welt eine bessere.

 

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