Am Starnberger See Strandbar-Besucher retten Stand-Up-Paddler

Ein Rettungshubschrauber holt den völlig unterkühlten Paddler ab und bringt ihn in die Unfallklinik Murnau. Foto: privat

Nach Hilferufen ziehen acht Passanten einen völlig entkräfteten Stand-Up-Paddler aus dem zehn Grad kalten Starnberger See.

Starnberg - Normalerweise sind die Gäste der Beach-Bar am Kleinen Seehaus in Sankt Heinrich (Gemeinde Münsing) nicht so viel Action gewohnt. Gemütlich im Strandstuhl hocken, einen kühlen Sundowner trinken, den vorbeiziehenden Stand-Up-Paddlern zuwinken und abwechselnd in den Sonnenuntergang und die Berge schauen - das ist hier die Devise. Am Freitagabend jedoch bricht plötzlich Hektik aus.

Ein junger Mann ist mit seinem SUP-Board - dem Brett, auf dem Stand-Up-Paddler stehen - auf dem Wasser unterwegs. Er ist offenbar etwas unbeholfen. Vom Ufer aus beobachten Passanten, wie er immer mal wieder ins Wasser stürzt. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, jeder fängt mal klein an. Bei nur zehn Grad Wassertemperatur allerdings kann dies lebensgefährlich werden.

So auch für den 34-Jährigen vorm Seehaus. "Er hatte ja nur eine Badehose an", sagt ein Augenzeuge, der nicht namentlich genannt werden will, zur AZ.

Gegen 19:30 Uhr verlassen den Paddler dann wohl endgültig die Kräfte. Er fällt wieder ins Wasser und ist durch die Unterkühlung so geschwächt, dass er es nicht mehr schafft, auf sein Board zu kraxeln. Selbst ans Ufer schafft er es nicht, obwohl er nur etwa 80 Meter davon entfernt ist. Und das, obwohl das Wasser an der Stelle nur etwa brusttief ist.

Selbst trainierte Schwimmer hätten keine Chance

"Ich hatte zu dem Zeitpunkt zufällig auf den See geschaut und dachte mir: der ist jetzt aber lang unter Wasser. Dann sah ich ein komisches, recht hektisches Rumrudern da draußen, und dann rief er auch schon laut um Hilfe", so der Augenzeuge.

Und die kam gerade noch rechtzeitig. Denn eine starke Unterkühlung kann schlagartig einsetzende Schwäche zur Folge haben. Grund: die Durchblutung wird auf die lebenswichtigen Organe konzentriert; nur Gehirn, Herz und Leber werden noch mit Sauerstoff und Wärme versorgt. Selbst ein trainierter Schwimmer hätte in so einem Fall keine Chance.

Auch Retter begeben sich in Gefahr

Der 34-jährige Paddler, der aus Farchant (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) stammt, hat Glück: Acht Besucher der Beach-Bar neben dem Seehaus fackeln nicht lang, stürzen sich sofort ins kalte Wasser. Weitere wählen den Notruf.

Die Rettungsleitstelle schickt ein Großaufgebot nach Sankt Heinrich - schließlich ist nicht nur der Paddler in Gefahr, sondern aufgrund der kalten Wassertemperatur womöglich auch die Retter. Während die acht Männer den 34-Jährigen auf sein Board hiefen und ans Ufer bringen, treffen Wasserwacht, DLRG, zwei Rettungswagen, ein Notarzt und die Polizei an dem etwas versteckten liegenden Seeufer ein.

Auch ein Rettungshubschrauber ist im Anflug, setzt zur Landung auf der extrem schmalen Uferböschung am Waldrand an. Der 34-Jährige ist stabil. Zur weiteren Überwachung wird er vorsorglich ins Unfallkrankenhaus Murnau geflogen. 

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