Am Samstagabend AZ-Konzertkritik: Bryan Ferry im Circus Krone

Trat am Samstag im Circus Krone auf: Der Brite Bryan Ferry. (Archivbild) Foto: EPA/Walter Bieri/dpa

Am Samstag trat der britische Sänger und Songschreiber Bryan Ferry in München auf. Im ausverkauften Circus Krone präsentierte der 71-Jährige Klassiker sowie überraschende Cover-Interpretationen. Die AZ-Kritik.

 

München - Snob bleibt Snob, auch über die Jahrzehnte hinweg. Also alles wie gehabt bei Bryan Ferry, dem König des melancholischen Poprock? Nun ja, nicht ganz. Das Konzept ist nach wie vor das selbe, aber die Umsetzung klappt nicht immer so, wie es sich der Künstler vielleicht wünscht. Schließlich ist er mit seinen inzwischen 71 Jahren nicht mehr ganz so agil wie einst. Und das ist sein gutes Recht. Und dass er um besonders extreme Melodienspitzen manchmal einen stimmschonenden Bogen macht, ebenso. Aber wie auch immer: Bryan Ferry und seine Mitmusiker wurden im ausverkauften Circus Krone frenetisch gefeiert.

Was anfangs ein bisschen irritiert: Ferry legt ein ungewohntes Tempo vor. Kein "Good evening", kein einziges verbindliches Wort, lediglich die Musiker werden vorgestellt. Die Songs stringent gerafft und Schlag auf Schlag. Kaum, dass den Fans Zeit zum applaudieren bleibt. Hat er es eilig? Muss er noch seine S-Bahn erreichen?

Ein Image zwischen Daddy Cool und Dandy

Doch das Repertoire, das er mitgebracht hatte, machte sofort wieder einiges wett. Denn es geht hauptsächlich um Stücke aus der Ära von Roxy Music. Und zwar auch um etliche Songs, die man bislang noch nicht so oft live gehört hat: "Beauty Queen", "Ladytron", "Stranger Trough The Years" und auch die zickige Komposition "Re-make/Re-Model", die wirklich die alten schrägen Zeiten zurückholt. Trotzdem gegen Ende des Abends natürlich auch Hits wie "More Than This", "Avalon" und "Love Is The Drug".

Bei den Covers neben den obligatorischen Ferry-Interpretationen "Let's Stick Together" von Wilbart Harrison und "Jealous Guy" von John Lennon eine Überraschung: "Like A Hurricane" von Neil Young, das ja als Original so was von hart und ungeschliffen ist, dass man es sich eigentlich gar nicht im schicken Designer-Anzug mit Träne im Knopfloch vorstellen kann. Doch es klappt. Sogar das wilde Gitarren-Solo wird glaubwürdig übersetzt.

Die Faszination, die von Ferry ausgeht, ist immer noch seine Stimme mit dem traurigen Vibrato und sein gesamtes Image zwischen Daddy Cool und Dandy. Da hat er ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen, das ihn unerreichbar macht und für das weit und breit kein Nachfolger in Sicht ist. Und das wird auch noch einige Zeit lang so bleiben.

 

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