Am Isarhochufer Das Sudetendeutsche Museum: Ein Ort der Erinnerung

Markant und gut sichtbar: So soll das Sudetendeutsche Museum am Isarhochufer einmal aussehen. Foto: PMP Architekten

Zwischen Gasteig und Deutschem Museum entsteht das erste Sudetendeutsche Museum. In der AZ stellen die Macher ihre Pläne vor – und erklären, warum sie viele Mohnmühlen im Depot haben.

München - Der bewegten Geschichte der Sudetendeutschen nachspüren – darum soll es im neuen Sudetendeutschen Museum gehen. 2018 soll der Neubau am Isarhochufer nahe des Gasteigs eröffnet werden.

"Das Museum soll zeigen, was die sudetendeutsche Volksgruppe im böhmisch-mährisch-schlesischen Raum Besonderes hervorgebracht hat", sagt der Vorsitzende der Sudetendeutschen Stiftung, Ortfried Kotzian. Der Leiter des Planungsstabs, Michael Henker, der selbst kein Sudet ist, erklärt: "Die Dauerausstellung wird auf fünf Stockwerke und in fünf Themen aufgeteilt."

Auf 1.200 Quadratmetern wird die Stiftung die Exponate ausstellen. Hinzu kommt eine Fläche von 300 Quadratmetern für Wechselausstellungen im angrenzenden und schon bestehenden Sudetendeutschen Haus in der Hochstraße.

"Es entsteht ein kulturhistorisches Museum", sagt Henker. Der Neu- und Erweiterungsbau wird rund 30 Millionen Euro kosten. Zwei Drittel der Kosten trägt der Freistaat, ein Drittel kommt vom Bund.

Ein eigenes Museum der Sudetendeutschen gab es bisher nicht. Andere Vertriebenengruppen haben bereits eigene Ausstellungsflächen – so gibt es das Schlesische Museum in Görlitz und das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm.

Dauerausstellung zu Herkunft und Geschichte der Sudetendeutschen

Die Dauerausstellung soll mit allgemeinen Erklärungen zur Herkunft und Geschichte der Sudetendeutschen beginnen. "Wir wollen uns geografisch annähern und die Begriffe erklären", so der Planungsstabsleiter. Viele wüssten mittlerweile gar nicht mehr genau, wo die Sudetendeutschen herkämen.

Dann wird es um die etwa 1000-jährige Geschichte der Deutschen in den böhmischen Ländern sowie um die Wirtschaft und Politik gehen. "Wir haben ein riesiges Depot an Exponaten, die von den Sudetendeutschen eingebracht wurden", erklärt Ortfried Kotzian. Darunter befänden sich jedoch vor allem kleine und leichte Gegenstände, da die Deutschböhmen bei ihrer Vertreibung nicht viel Gepäck mitnehmen durften – höchstens nur etwa 40 Kilogramm pro Person.

Kleidung, Fotos, Bettwäsche, Schmuck lagern hauptsächlich im Depot der Stiftung. "Wir haben ungefähr 50 Mohnmühlen, weil Mohn fest zur Küche gehörte", so Henker. Deshalb hat die Sudetendeutsche Stiftung mit Fördermitteln zum Beispiel ein Böhmerland Motorrad, dem längsten Motorrad der Welt, oder eine Sammlung von Böhmischem Glas erstanden.

Im dritten Stockwerk wird dann die Zeit während des Nationalsozialismus thematisiert. "Das versuchen wir ehrlich und emotionslos zu präsentieren, denn so sollte meiner Meinung nach ein Museum sein", betont Henker.

Wenn es dann im nächsten Stockwerk um die Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat geht, soll es wieder "atmosphärischer und emotionaler" werden.

"Wir möchten mit den Exponaten Geschichten erzählen. Die alten Besitzer fungieren als Zeitzeugen und berichten den Besuchern an Hörstationen von ihren Erlebnissen", beschreibt Henker die Planung.

Für ein breites und internationales Publikum

Das Museum soll ein breites und internationales Publikum ansprechen. Die Beschreibungen der Exponate werden auf Deutsch, Englisch und Tschechisch zu lesen sein. "Es gibt viele junge Tschechen, die sich fragen, wer eigentlich früher dort gelebt hat, wo sie jetzt wohnen. Auch für die wollen wir ein Anziehungspunkt sein", wünscht sich Henker.

Im letzten Stockwerk der Dauerausstellung soll es dann um die gegenwärtige Situation der Sudetendeutschen in der ganzen Welt gehen. "Auch eine differenzierte und angemessene Behandlung der Themen Flucht, Vertreibung und Integration möchten wir dort einbauen", sagt Planungsstabsleiter Michael Henker.

Und Kotzian fügt hinzu: "Die seelischen Verletzungen haben alle Vertriebenen. Egal, ob sie aus der Tschechoslowakei, dem Kosovo oder aus Syrien vertrieben werden."

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