Altersarmut und Grundsicherung Immer mehr Rentner brauchen Sozialhilfe

Wenn die Rente nicht reicht: Immer mehr ältere Menschen müssen Sozialhilfe beziehen. Foto: dpa, Franz-Peter Tschauner

Die Zahl der Menschen im Ruhestand, die Grundsicherung beziehen ist um über sechs Prozent gestiegen. Auch in München gibt es einen Zuwachs.

 

München -  Die Zahlen sind erschreckend: Laut Statistischem Bundesamt haben Ende 2012 in Deutschland knapp 465000 Personen über 65 Jahre Leistungen der Grundsicherung im Alter bezogen. Das sind insgesamt 2,7 Prozent der über 65-Jährigen und ein Plus von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Immer mehr ältere Menschen sind also auf Sozialhilfe angewiesen, die Rente reicht nicht zum Leben aus.

München macht da keine Ausnahme. Bis Mitte des Jahres bezogen in der bayerischen Landeshauptstadt 13007 Menschen, die älter als 65 sind, eine Grundsicherung. Ein halbes Jahr zuvor waren es noch 12370, Ende 2011 waren es 11645 und Ende 2010 belief sich die Zahl der Empfänger auf 11164.

Frank Boos vom Sozialreferat München: „Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen. Schätzungen zufolge dürften doppelt so viele bezugsberechtigt sein. Doch viele schämen sich oder wissen nicht, dass sie eine Grundsicherung bekommen könnten.“ Und die Zahl der Senioren, die es finanziell nicht mehr alleine schaffen, wird auch weiterhin wachsen. Aktuellen Prognosen zufolge könnte die Zahl der Grundsicherungs-Bezieher 2020 bei circa 23000 in München liegen. In Bayern liegen die aktuellen Zahlen bei 61393 Empfängern.

Deutschlandweit fällt auf: Besonders ältere Frauen in den alten Bundesländern sind von der staatlichen finanziellen Unterstützung abhängig. Die gleichaltrigen Frauen in den neuen Bundesländern haben noch aus DDR-Zeiten höhere Rentenansprüche erworben. In den alten Bundesländern sind es drei Prozent der über 65-jährigen Männer und Frauen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, im Osten Deutschlands einschließlich Berlin zwei Prozent.

Trauriger Spitzenreiter in der Rangliste ist Hamburg: Hier beziehen 6,2 Prozent der über 65-Jährigen Leistungen zur Grundsicherung. In Bremen sind es 5,5 Prozent und in Berlin 5,3. Die zahlenmäßig wenigsten Grundsicherungsempfänger haben Sachsen und Thüringen mit je einem Prozent.

Doch es sind nicht nur Rentner, die auf die Hilfen angewiesen sind. Im Bundesgebiet beziehen dazu rund 435000 Menschen unter 65 die Grundsicherung, da sie dauerhaft erwerbsgemindert sind. Insgesamt gab es Ende 2012 also knapp 900000 Empfänger. Zum Vergleich: 2005 waren es nur rund 630 000.

 

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