Alternative zum Body-Mass-Index? Der Area-Mass-Index Eine neue Diät verspricht, Abnehmen erfolgreich zu machen

Abnehmen: Viele Diätprogramme versprechen es - wenige halten es. Foto: dpa

Ein neues Programm im Internet will das Abnehmen revolutionieren. Die Verbraucherzentrale ist da noch skeptisch.

 

München - Schlank sein und trotzdem Schlemmen – eine der Lieblings-Diätformeln, die man regelmäßig auf Frauenzeitschriften lesen kann. Klappen tun die meisten der Abnehmprogramme aber nicht. Ein Wissenschaftler aus Gießen verspricht nun, mit einem völlig neuen Ansatz die Pfunde purzeln zu lassen. Das Programm geht in den nächsten Wochen online – wissenschaftlich erprobt ist es aber nur zum Teil.

„Area Mass Index“ (AMI) heißt die Methode, mit der der Weg zum Wunschgewicht geebnet werden soll. Er soll den Body-Maß-Index ersetzen, mit dem bislang das Körpergewicht kontrolliert wird. Beim „BMI“ teilt man das Gewicht durch die Körpergröße im Quadrat. „Kein Mensch ist quadratisch“, scherzt Elmar Schlich (63).

Der Thermodynamiker hat eine neue Messung entwickelt. Die Idee: Menschen mit mehr Körperoberfläche und Muskeln geben mehr Wärme an die Umgebung ab als gedrungene Menschen mit isolierendem Fettpolster. Das Resultat: Menschen, die ohnehin schon schlank und muskulös sind, haben einen höheren Grundumsatz an Kalorien und dürfen mehr essen. Bei kleineren, korpulenten Menschen ist es genau umgekehrt.

Schlich hat in einer Untersuchung mit mehr als 400 Probanden eine Formel entwickelt, mit der die Körperoberfläche und damit der Kalorienbedarf berechnet werden kann. Mit einem Unternehmer aus der Schweiz hat Schlich diese Erkenntnis in ein Diätprogramm gegossen.

„Bei anderen Programmen ist ein Denkfehler drin“, sagt Schlichs Geschäftspartner Harald Piendl. Mit ihnen könne man auch abnehmen, aber das Gewicht nicht halten – der bekannte Jojo-Effekt. Zudem berechneten alte Formeln vor allem für dickere Menschen oft einen zu hohen Energiebedarf. Piendl und Schlichs Internet-Diät will das anders machen: Mithilfe eines Fragebogens zu Lebensgewohnheiten und die durch Hals-, Bauch- und Hüftumfang berechnete Energiemenge wird ein Ernährungsplan erstellt, der alle vier bis sechs Wochen angepasst wird.

Denn, so die Idee, wer schlanker wird, gibt mehr Energie an die Umwelt ab, hat also einen höheren Umsatz und darf mehr essen.

Wie viel man zu sich nimmt, soll so schrittweise angepasst werden. Abnehmen dauert so länger, ist aber laut Piech nachhaltiger: „Bei uns geht’s nicht in 10 Wochen.“ Kontrolliert wird die Diät, indem die Abnehmwilligen im Internet angeben, was sie gegessen haben, wie sie sich bewegt haben und was sie wiegen. 149 Euro kostet das Programm im Jahr.

Bei der Verbraucherzentrale Bayern findet man den Ansatz prinzipiell nachvollziehbar. Ernährungswissenschaftler Martin Hofmeister glaubt aber, dass die Forschung hier noch am Anfang steht: „Es bedarf noch weiterer Untersuchungen, die den Area Mass Index überprüfen.“ Bislang wurde der AMI nur in der deutschen „Ernährungsumschau“ besprochen. In der internationalen Medizinfachpresse taucht er jedoch noch nicht auf.

Also erstmal: Abwarten statt Diät-Revolution.

 

0 Kommentare