Alte Stände werden saniert Elisabethmarkt in Schwabing: Die letzten Tage vor der Schließung

Hüseyin Ince ist Redakteur im Lokalressort der Abendzeitung.
Bis zu drei Jahre Bauzeit: Ab September endet die Idylle auf dem Elisabethmarkt. Foto: AZ/inc

In etwa einem Monat wird der 117-jährige Elisabethmarkt in Schwabing geschlossen. Der Umbau steht an. Die Händler sind wehmütig.

 

München - In den Wochen, bevor die letzte Stunde des historischen Elisabethmarktes schlägt, zeigt sich die kleine Standl-Landschaft noch einmal von ihrer besten Seite. Hier, wo früher Walter Sedlmayr, Helmut Dietl oder auch Ottfried Fischer regelmäßig eingekauft haben, herrscht eine sehr münchnerische Gemütlichkeit und Gelassenheit.

Vor allem an so einem Mittwochvormittag, wenn bei angenehmen Temperaturen die Sonne zwischen Obsthändler, Smoothie-Verkäufer und Käsestand hindurchscheint, nicht allzu viel los ist und auch noch ein sanfter Wind die Blätter der Bäume rascheln lässt, kann man es hier doch sehr gut aushalten.

Obsthändler am Elisabethmarkt: "Habe meine Kindheit hier verbracht"

Bei so einer Stimmung mit einem kühlen Getränk im Biergarten des Marktes zu sitzen, das ist nur allzu verlockend. Doch die Idylle hat bekanntlich bald ein Ende. Vorübergehend zumindest. Einige Stände haben bereits geschlossen. Während der ersten Augusttage ziehen die verbliebenen Standbetreiber in die Containerlandschaft nebenan um – auch Helmut Breu (54), Obsthändler und erster Sprecher des Elisabethmarktes. Er hat hier nach Fisch Willinger den ältesten Stand. "Schon meine Eltern haben hier seit 1963 Obst verkauft", sagt Breu.

Ursprünglich war er ein Gegner des Umbaus gewesen. Auch wenn er sich mit der Totalsanierung mittlerweile arrangiert hat, schwingt Wehmut mit, wenn er sagt: "Ich habe meine Kindheit hier verbracht. Schon während der Schule habe ich die ein oder andere Stunde ausgeholfen." Und vor 15 Jahren hat Breu dann den Familienbetrieb übernommen.

Seit Kindesbeinen am Elisabethmarkt also. Nur allzu verständlich, dass er den Charme der insgesamt 24 Standl gern erhalten hätte. Aber Breu sieht auch das Stückwerk, das hier vorherrscht. "Manche Betreiber haben mit ihrem eigenen Geld die Stände saniert", sagt Breu, daher seien sie in sehr unterschiedlichem Zustand.

Standl-Betrieb wegen Bauarbeiten nicht mehr möglich

Wenn man über den Markt schlendert und etwas genauer hinsieht, merkt man schnell, was Breu meint: Bei so manchem Standl bekommt man den Eindruck, dass es nagelneu ist. Bei anderen verlassenen Häuschen wiederum hängt ein Teil der Markise herunter. Fast rechnet man damit, dass beim nächsten stärkeren Windzug ein Teil vom Vordach abfallen könnte.

Breu sieht natürlich diese maroden Elemente des Elisabethmarktes auch. Aber das wäre für ihn nicht das entscheidende Argument für Abriss und Wiederaufbau gewesen. Einzeln und etappenweise hätte man die Standl schließlich weitersanieren können. Entscheidend sei etwas anderes. Breu zeigt auf das Gebäude hinter seinem Obsthäusl: "Das gehörte früher den Stadtwerken und wurde an die Stadtsparkasse verkauft", erzählt er. Es wird bald abgerissen. Hier sollen etwa 200 Wohnungen entstehen.

Die Folge: "Bei allen Schutzmaßnahmen, die man treffen kann, wird in unmittelbarer Nähe viel Lärm, Staub und Schmutz entstehen. Da kann eigentlich kein normaler Standl-Betrieb weitergehen", sagt Breu. Daher sei es schon sinnvoll, bei der Gelegenheit auch den Elisabethmarkt von Grund auf neu aufzubauen, samt Tiefgarage, Kühlräumen, Klimaanlage und nagelneuer Infrastruktur, was gerade für ihn sinnvoll ist.

Mit Kühlräumen wird Obsthändler Breu – wie so viele seiner Kollegen – mehr Ware lagern können. Das spart Wege, Zeit und letztendlich Geld. Breu steht jeden Morgen um zwei Uhr auf, um in die Großmarkthalle zu fahren, neue Ware zu kaufen und den Stand zu öffnen. "Ich wache fast so früh auf wie ein Bäcker, seit ich zurückdenken kann. Deswegen bin ich abends spätestens um 20 Uhr im Bett", sagt Breu. Man gewöhne sich halt dran.

"Kaffeladen"-Besitzer: "Das Neue wird einfach besser als jetzt"

Ob er den alten Charme des Marktes vermissen werde? "Natürlich, es war eine schöne Zeit. Aber die Architekten haben uns immer wieder versichert, dass sie diesen Charme zurückbringen werden", so Breu. Er hofft, dass die Schwabinger den Containermarkt und auch den neuen Elisabethmarkt so gut besuchen, wie es die Standl-Betreiber heute gewohnt sind.

Auch jüngere Standler rücken nach. Ein gutes Zeichen für so einen traditionellen Fleck Münchens. Etwa 20 Meter weiter westlich betreibt Matteo Moreddu (32) den "Kaffeeladen". Seit etwa drei Jahren führt er das Geschäft. Auch er wird Anfang August in die Containerlandschaft ziehen. "Ich wusste von Anfang an, dass ein Umbau ansteht, das war ein Dauerthema", sagt er. Trotzdem wollte Moreddu nicht die Gelegenheit verpassen, auf diesem schönen Markt zu arbeiten.

Er ist zuversichtlich. "Es wird alles moderner und größer. Das Neue wird einfach besser als jetzt, auch wenn sich Stammkunden um die heutige Atmosphäre des künftigen Marktes sorgen", sagt Moreddu. Sein Kaffeeladen werde danach etwa doppelt so groß sein. Dann werden die Warteschlangen auch kürzer, sagt er.

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