Allerheiligen-Hofkirche Das Huelgas Ensemble unter Paul van Nevel

Paul van Nevel und das Huelgas Ensemble. Foto: Damon De Backer

Das Huelgas Ensemble mit Musik der Kathedralen in der Allerheiligen-Hofkirche

 

Musik aus der Zeit vor Bach gibt es selten genug zu hören. Was aber vor Claudio Monteverdi entstand, wird in München praktisch nie aufgeführt, obwohl auch vor Erfindung der Oper schon über 500 Jahre lang komponiert wurde. Und wenn solche Musik ausnahmsweise mal gesungen wird, gibt es kein Gedränge am Eingang der Allerheiligen-Hofkirche, obwohl sich der nicht weit entfernte Mittelalter-Weihnachtsmarkt über mangelnden Zuspruch nicht beklagen kann.

Am Donnerstag setzte das Huelgas Ensemble mit dem Programm „Musik der Kathedralen“ in der Residenz einen Kontrapunkt zu den unvermeidlichen Weihnachtsliedern, Weihnachtsoratorien und zum Mittelalterkitsch. Die 10 Sängerinnen und Sänger unter Paul van Nevel begannen mit einem um 980 entstandenen Organum, das den einstimmigen gregorianischen Gesang mit einer parallel geführten zweiten Stimme ergänzt.

Es ist eine sehr asketische, aber gerade deshalb reizvolle Musik. Van Nevel ließ diese allerälteste abendländische Kunstmusik aus einem dämmerndem Pianissimo aufsteigen und wieder verschwinden, ohne Klischees vom Meditativen oder Asketischen zu bedienen.

Musik statt Stimmung

Die folgenden Stücke aus dem Hoch- und Spätmittelalter gliederte er durch Dynamik und Ausdruck, ohne die Fremdheit zu glätten. Das Sakrale wurde diskret unterlaufen, weil die Sängerinnen und Sänger in ziviler, fast demonstrativ unfestlicher Kleidung erschienen.

Das ist auch richtig, denn so rückt die Musik ins Zentrum und nicht die Stimmung. Van Nevels Leute können sich das leisten: Es sind singende Solisten und Individualisten, die der Dirigent zu einer faszinierenden Homogenität zusammenbringt.
Auf dem Weg von Winchester über Reims, Tours, Paris und Tournai erreichte das nicht überlange und am Ende leider auch zugabenfreie Programm mit einzelnen Sätzen aus Messen das Rom der Renaissance und zuletzt die Kathedrale von Palermo. Hier, im Süden, wurde der anfangs kühle, herbe Klang des Huelgas Ensembles weicher und wärmer.

Wer sich jetzt womöglich ärgert, dieses Ereignis verpasst zu haben, für den gibt es Trost: Paul van Nevel hat viele Platten aufgenommen. Sein über die Jahre immer wieder frisch besetztes Ensemble ist aber eine der wenigen Gruppen für Alte Musik geblieben, die im Konzert dank ihrer Kunst und kluger Programme nicht enttäuscht.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading