Albtraum im Wald Mann irrt zwei Tage lang umher

Nach einem Sturz irrte Walter Vetter zwei Tage und zwei Nächte lang durch das Dickicht. Foto: dapd

 Eigentlich wollter er nur Holz für den Ofen holen. Doch dann verlief sich Walter Vetter im Wald - 66 Stunden lang.

 

Jatznick Eigentlich weiß Walter Vetter immer genau, wo es lang geht. Als Berufskraftfahrer behielt er schon den Überblick, als es noch keine Navis gab. Dass er jetzt zwei Tage und zwei Nächte lang in Panik durch den Wald irrte, kann er bis heute nicht verstehen.

„Eine dritte Nacht, das ist klar, hätte ich nicht überlebt“, sagt er. Ohne Handy, Uhr und Papiere war der 55-Jährige am Mittwoch vorvergangene Woche gegen 11.00 Uhr bei Jatznick in Vorpommern in den Wald gegangen, um nach Bruchholz für den Kamin zu suchen.

„Irgendwann nach einer Stunde bin ich gestolpert und mit dem Kopf hart aufgeschlagen. Dann verlor ich die Besinnung.“ An den Albtraum, der folgte, kann er sich jetzt nur noch vage erinnern. Als er erwachte, dämmerte es bereits. Er blutete im Gesicht, er fror.

In Panik rannte er durch die stürmische Nacht. Manchmal fiel er in den Schnee, rannte weiter. „Ich hatte kein Zeitgefühl.“ Irgendwann wurde es hell, erschöpft legte sich Vetter hin, schlief bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ein paar Minuten, lief weiter, den ganzen Tag.

„Ich habe laut geflucht, nach meiner Frau Jolanta gerufen, geschrien.“ Zuhause hatte Jolanta längst die Polizei alarmiert. 69 Beamte durchkämmten mit zehn Spürhunden den Wald. Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera kreiste über dem riesigen, 150.000 Hektar großen Waldgebiet.

„Mit kamen die schlimmsten Befürchtungen“, sagt die Frau. In der zweiten Nacht hörte Vetter die Wildschweine im Dickicht grunzen. Panisch stolperte er einen Hang hinunter, brach im Eis eines tiefen Bachs ein. Bis zur Brust im eiskalten Wasser kämpfte er sich ans Ufer.

Bibbernd vor Kälte rannte er weiter, bis er nicht mehr konnte. „Ich lehnte mich an einen Baum, rutschte in die Knie und gab auf.“ Im Trance sah er plötzlich das Bild seiner Frau vor sich, dass er im Handy zuhause gespeichert hat.

Sein Hund Saba erschien ihm. „Das gab mir noch einmal einen Ruck.“ Er raffte sich noch einmal auf und lief. Nach 66 Stunden Odyssee erreichte Vetter am Freitag frühmorgens die B 109, etwa zehn Kilometer von daheim entfernt.

Autofahrer riefen die Polizei, die den völlig unterkühlten, klitschnassen Hilflosen ins Krankenhaus Ueckermünde brachten. Vermutlich sei der Mann mindestens 40 Kilometer gelaufen, sagt ein Polizeisprecher. Der Irrlauf durch die Wälder hat Vetter vier Kilogramm Körpergewicht gekostet.

Noch eine Woche später fühlt er sich matt. Füße und Fingerkuppen seien taub, sagt er. Die Knie heiß und geschwollen. Das Laufen fällt ihm schwer. Im Wald war er seitdem nicht wieder.

 

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