Aktien und Co. für Senioren Geldanlage: Diese Fehler sollten Sie vermeiden

Dies ist ein Symbolfoto. In der Realität bietet die Geldanlage häufig weniger Grund zum Lachen. Foto: imago

Wenn die Lebensversicherung oder der Sparplan fällig werden, wollen viele Ältere das Geld wieder investieren. Dazu sollten sie aber einiges beachten.

München - Im Alter noch eine Traumreise unternehmen oder für die Enkel vorsorgen: Wenn Senioren dafür Geld zurücklegen wollen, stehen ihnen viele Möglichkeiten offen. Doch meistens hapert’s bei der Vermögensanlage an Wissen, Selbstkontrolle und Disziplin. Die AZ zeigt die zehn größten Fehler, die Rentner bei einer Investition machen, und gibt Tipps, wie Anleger diese vermeiden können:

Fehler 1: Kein Sparziel haben
„Ein Kardinalfehler“, sagt Sascha Straub, Finanz-Fachmann der Verbraucherzentrale Bayern. Viele Ältere wollen ihr Erspartes anlegen, wissen aber nicht, was sie nach der Laufzeit mit dem Geld anfangen sollen. Dabei ist es wichtig, die Sparziele, die Senioren über die Finanzierung des angestrebten Lebensstandards haben, genau festzulegen.
So machen Sie es richtig: „Nicht nur für ältere Anleger gilt: Immer Sparziele definieren und sich einen Überblick über die Finanzlage verschaffen“, sagt Straub der AZ. Das können etwa eine Reise oder die finanzielle Unterstützung von Kindern und Enkeln sein. Zudem wählt ein guter Berater die passende Anlage für das individuelle Sparziel aus. Wer etwa für Nachkommen spart, kann in Immobilien investieren. Senioren sollten auch Rücklagen für einen möglichen Pflegefall einplanen.

Fehler 2: Immer auf hohe Rendite schielen
„Hohe Rendite ist mit einem höheren Risiko verbunden“, sagt Verbraucherschützer Straub. Viele Senioren sind zu risikofreudig und nehmen lieber 30 Prozent Gewinn mit Risiko als sieben Prozent sicher. Das kann schnell zu hohen Verlusten führen, wenn die Anlage an Wert verliert. Dann verkaufen panische Kunden schnell und zum völlig verkehrten Zeitpunkt.
So machen Sie es richtig: Sicherheit geht immer vor Risiko. Das sollte sowohl jüngeren als auch älteren Sparern bewusst sein. Nur wer frühzeitig die Risiken abwägt, hat am Ende auch den gewünschten Erfolg. Zudem könnten Rentner schlechtere Phasen an der Börse nicht mehr so gut wettmachen oder Verluste ausgleichen. Weniger risikoreich sind beispielsweise Tagesgeld- oder Festgeldkonten.

Fehler 3: Anlegen und fertig
Ein Investment tätigen und dann jahrelang vor sich hin dümpeln lassen? Vor allem in den 90ern war das eine bewährte Strategie. Damals holten sich Anleger Aktien und Anleihen ins Depot, scheffelten regelmäßig schöne Renditen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Einfach zuschauen kann bei den aktuellen Marktschwankungen viel Geld kosten.
So machen Sie es richtig: Experten raten, wöchentlich einen Blick ins Depot zu werfen und es – eventuell gemeinsam mit dem Berater – zu hinterfragen. Denn die Märkte sind unruhig, schnelle Veränderungen bringen verschiedene Risiken.

Fehler 4: Blindes Vertrauen für dieselbe Bank
Vor allem ältere Kunden schenken seit Jahrzehnten derselben Bank ihr Vertrauen. Das kann aber ein Fehler sein. „Oft folgen sie dann den Empfehlungen des Finanzberaters, obwohl andere Geldinstitute bessere Produkte haben“, sagt Eberhard Beer von den „Alten Hasen“, einem Netzwerk von Bankern im Ruhestand, die Altersgenossen bei der Geldanlage beraten.
So machen Sie es richtig: Anleger sollen sich laut Beer Mühe geben, mehrere Angebote einzuholen. „Auch eine Honorarberatung kann sich lohnen.“ Sie liefern einen besseren Überblick über die Angebotspalette. Also: Vertrauen ist gut, Kontrolle (noch) besser.


Fehler 5: Vom Berater jedes Produkt aufschwatzen lassen
Finanzexperte Beer warnt davor, sich jede Anlage andrehen zu lassen. Viele Berater empfehlen nur Produkte, bei denen sie gute Provisionen bekommen. „Aber nicht immer verstehen Anleger dann, was sie da eigentlich kaufen“, sagt Beer. Vor allem Senioren, die sich wenig mit der Geldanlage auseinandersetzen, werden oft über den Tisch gezogen.
So machen Sie es richtig: Um das Risiko einer Anlage exakt einschätzen zu können, empfehlen Experten, sich erst über das Produkt zu informieren, bevor man dem Berater das „Ja“ zum Kauf gibt. „Im Zweifel müssen Sie genau nachfragen“, appelliert Ex-Banker Beer. Oft hilft es auch, Vergleichsangebote und Erfahrungen anderer Kunden einzuholen.

Fehler 6: Kaufen, wenn die Kurse unten sind
Eine alte Börsenformel lautet „Kaufen, wenn die Kurse niedrig sind. Verkaufen, wenn sie hoch sind.“ Doch: Wann sind Kurse unten, wann oben? Wer kann das sagen? Nun, deutsche Aktien stehen bei einem aktuellen Dax-Stand von rund 10 700 Punkten wirklich hoch. Doch wie sieht’s in einem halben Jahr aus? Werden die Aktien billiger oder noch teurer? Jetzt einsteigen oder sich raushalten aus dem Geschäft?
So machen Sie es richtig: Laut Experten ist nicht der Zeitpunkt der Investition ausschlaggebend, sondern die Mischung der Anlageformen im Depot. Sie bestimmt auf lange Sicht den Erfolg – US-Studien zufolge sogar bis zu 90 Prozent. Und sie spielt auch eine gewichtige Rolle, wie abhängig das Depot von Marktentwicklungen ist und wie das Risiko verteilt wird.

Fehler 7: Investitionen in langfristige Anlagen
„Bausparpläne zum Beispiel sind für Ältere ein absoluter Schmarrn“, sagt Finanzexperte Straub von der Verbraucherzentrale. „Vor allem Rentner kommen hier erst viel zu spät an ihr Geld ran.“ Das gilt ebenso bei geschlossenen Fonds oder sogenannten Schiffsfonds. Sie sind viel zu riskant, haben eine zu lange Laufzeit. Hier kann es sein, dass der Anleger wegen der hohen Mindestlaufzeit das Ende dergleichen nicht mehr erlebt.
So machen Sie es richtig: „Vor allem Senioren müssen flexibel an ihr Geld rankommen“, sagt Straub. „Es kann immer wieder Notfälle geben. Und dann müssen ältere Anleger schnell an ihr Geld kommen.“ Also Finger weg von riskanten und langfristigen Investments. Eher die Klassiker wählen: Sparbriefe, Bundeswertpapiere oder etwa ein Tages- oder Festgeldkonto – auch wenn die Zinsen niedrig sind. Dafür sind Kunden durch Einlagensicherung geschützt. Sie sichert bis zu einer bestimmten Höhe das Guthaben bei einer Bankeninsolvenz ab.

Fehler 8: Alles auf eine Karte!
Das gesamte Vermögen in Aktien zu investieren, ist nicht gewinnbringend. Das Risiko bei einem Markteinbruch ist viel zu hoch. Das gilt auch für jüngere Anleger.
So machen Sie es richtig: Experten raten, das Portfolio breit aufzustellen. Zu einem profitablen Depot gehört immer auch etwas Gold. Seit Jahren schafft der Rohstoff Vertrauen. Natürlich sollte man auch Aktien nicht vernachlässigen. Hier gilt die Faustregel: „100 minus Lebensalter.“ Das heißt, dass etwa ein 70-Jähriger höchstens 30 Prozent seines Vermögens in Aktien anlegen sollte. Für Senioren außerdem interessant: alternative Geldanlagen etwa in Oldtimer, Gemälde oder Whiskey. Auch Immobilien sind eine lohnenswerte Anlage. Die Mieteinnahmen liefern ein monatliches Zusatzeinkommen. Auch Bank-Auszahlpläne sind bei Senioren beliebt.

Fehler 9: Kosten vergessen
Oft herrscht bei Sparern große Verwunderung, wenn der Fond oder die Aktien weniger Gewinn abwerfen als prognostiziert. Denn: Viele Bankkunden haben schlicht die Kosten der Anlagen nicht im Blick.
So machen Sie es richtig: Vor allem für diejenigen, die ihr Depot oft umgestalten, empfiehlt es sich, Anlageformen mit niedrigen Transaktionsgebühren zu wählen. Dazu gehören beispielsweise Rabatte auf Ausgabeaufschläge.

Fehler 10: Gar nichts anlegen
„Alles in den Sparstrumpf“: die Devise vieler Rentner. Sie bunkern ihr Vermögen lieber zu Hause unter dem Kopfkissen als es anzulegen. Den meisten ist das Thema „Geldanlage“ zu komplex. Doch die Argumente für daheim gelagertes Bargeld gibt es wenig. Denn: Auf lange Sicht verliert das Geld im Strumpf wegen der Inflation seinen Wert. Auch die Angst vor einer Bankenpleite in Deutschland ist unberechtigt. Das beweisen auch die Bankenrettungen durch den Staat.
So machen Sie es richtig: Wer gar nicht anlegt – das gilt genauso für jüngere Sparer –, verzichtet auf lange Sicht auf die Chance, eine bessere Rendite zu erzielen. Also: Den Schritt wagen, zur Bank gehen und sich über richtige Anlageformen beraten lassen. Und natürlich Fehler 5 vermeiden.

 

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