Airbus kämpft um Kunden Update für den Riesenjet: Das A380-Desaster

, aktualisiert am 22.06.2017 - 09:15 Uhr
Airbus greift für den A380 in die technische Trickkiste und baut abgeknickte Flügelenden an den Ladenhüter. Foto: Sebastian Kunigkeit/dpa

Der Riesenjet fasziniert, doch kaufen will ihn fast niemand. Airbus ringt um Kunden - die dürfte nun ausgerechnet ein Startup bekommen

 

Die Aufsätze an den Flügeln des weltgrößten Passagierflugzeugs sind nur Attrappen, und doch eine je 4,70 Meter lange Überraschung. Auf der Pariser Luftfahrtmesse zeigt Airbus, wie er seinen Ladenhüter A380 retten will. Die vergrößerten, abgeknickten Flügelenden ("Winglets") sollen den Spritverbrauch senken und den Riesenflieger so für Airlines attraktiver machen - damit wieder Bestellungen eintrudeln.

Seit Jahren beschwören die Airbus-Manager eine goldene Zukunft für den Doppelstock-Flieger. Ihr Argument: Wenn der Luftverkehr wächst und der Platz an den Flughäfen knapp wird, ist ein Großraumflugzeug die Antwort. Beim Starten und Landen braucht die A380 so viel Zeit und Platz wie ein Regionaljet, fasst aber fünf bis sechs Mal so viele Passagiere.

Die Fluggesellschaften zeigen dem Schwergewicht seit Jahren die kalte Schulter. Gerade mal 14 A380 hat etwa die Lufthansa in Betrieb, und bei der Frage nach Neubestellungen schon lange abgewinkt.

Nun soll die A380plus kommen - eine Neuauflage light. Mit neuem Namen samt der Winglet-Attrappen lässt der Hersteller wenig Zweifel, dass er es ernst meint. Indienststellung 2020, so lautet der Plan. Über 600 Menschen sollen im A380plus Platz haben.

Airbus und Konkurrent Boeing haben auf der Luftfahrtmesse schon einige Großaufträge eingesammelt. Fast alle Bestellungen entfielen auf kleinere Langstreckenflieger.

Von dieser Nachfrage will ein US-Startup profitieren. Das junge Unternehmen Boom hat für seinen bis zu 55-sitzigen Überschalljet inzwischen 76 Bestellungen von fünf Fluggesellschaften eingesammelt.

Über 13 Jahre nach dem Aus für die Concorde rückt eine mögliche Rückkehr des Überschallflugs im Passagierverkehr näher. Mit "Mach 2,2", also mehr als doppelter Schallgeschwindigkeit, soll der Boom-Jet noch schneller unterwegs sein als die legendäre Concorde. Erstkundin ist die Fluglinie des Milliardärs Richard Branson.

Das erste Exemplar des Boom-Jets soll 2023 in den Linienverkehr starten. Weil die Maschine wie schon die Concorde mehr als doppelt so schnell ist wie herkömmliche Passagierjets von Boeing und Airbus, soll sich die Reisezeit halbieren. Die Strecke Paris - New York wäre dann in dreieinhalb Stunden zu schaffen.

Zum Leidwesen der Franzosen bei Airbus. Dort hofft man, dass die goldene Zeit des A380 noch kommt - wenn nur der eigene Atem lang genug ist.

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