Ärger um Gemälde Dürer-Streit um Selbstportrait eskaliert

Streitobjekt: Das Selbstbildnis von Albrecht Dürer im Pelzrock. Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg will das Werk für seine große Dürer-Ausstellung, die im Mai beginnt, ausleihen. Die Alte Pinakothek in München will es aber nicht rausrücken. Foto: dpa

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen wehrten sich am Freitag in einer empörten Stellungnahme gegen die Einmischung des Landtags in die Debatte.

 

München – Der Streit um die Ausleihe des weltberühmten „Selbstbildnisses im Pelzrock“ von Albrecht Dürer von München nach Nürnberg eskaliert. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen wehrten sich am Freitag in einer empörten Stellungnahme gegen die Einmischung des Landtags in die Debatte. Die gegenwärtige politische Diskussion über Dürer stelle „in beispielloser Weise die Kompetenz und die Autorität der in der Kultur verantwortlich Tätigen in Frage“, erklärte Generaldirektor Klaus Schrenk am Freitag. Er verwies darauf, dass das Bild bei der letzten Ausleihe nach Nürnberg 1971 beschädigt zurückgekommen sei.

Am Vortag hatten alle fünf Landtagsfraktionen sich dafür ausgesprochen, das Bild für eine Dürer-Ausstellung an das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg auszuleihen. „Jedes bedeutende Museum verfügt über einen Bestand kostbarster Kunstwerke, die untrennbar mit dem jeweiligen Haus verbunden werden und nicht für eine Ausleihe zur Verfügung stehen“, schrieb Schrenk. Das auf Holz gemalte Selbstbildnis sei in einem konservatorisch höchst fragilen Zustand. „1971 wurde es gegen den entschieden vorgetragenen Rat der Restauratoren zur damaligen Dürer-Ausstellung nach Nürnberg ausgeliehen und kam mit einer geöffneten Fuge sowie dadurch entstandenen Farbverlusten wieder nach München zurück.“

Er verwies darauf, dass sich bereits 223 Dauerleihgaben der Staatsgemäldesammlungen im Germanischen Nationalmuseum befinden - darunter drei bedeutende Werke Albrecht Dürers. Und für die Ausstellung gehe Dürers großartiges Bildnis des Oswolt Krel von 1499 nach Nürnberg. „Unabhängig von allen Begehrlichkeiten, kann niemand dem Museum und dem Vorstand der Wittelsbacher Landesstiftung die Verantwortung dafür abnehmen, dass die wichtigsten Zeugnisse unserer Kulturgeschichte in ungeschmälertem Zustand an die nächste Generation weitergegeben werden“, schrieb der offensichtlich verärgerte Direktor der Staatsgemäldesammlungen.

 

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