Ärger um Bauprojekt Alte Akademie: Ein Hilferuf für die Arkaden

, aktualisiert am 08.02.2018 - 10:37 Uhr
Die Alte Akademie in der Münchner Altstadt. Im kleinen Bild: Visualisierung der zukünftigen Arkaden: Die Arkaden der Kapellenstraße (Seitenstraße) fallen aber weg, die in der Neuhauser Straße sollen verkleinert werden. Foto: ho/Visualisierung: Morger Partner Architekten/AZ

Gegner des Umbaus an der Alten Akademie zwingen die Planer, sich zu erklären. Das Vorhaben wird noch mal vom Stadtrat geprüft.

München - "Das muss jetzt sein", sagt Grünen-Stadtrat Herbert Danner. Er meint damit seinen Dringlichkeitsantrag zur Rettung der Arkaden der Alten Akademie. "Das ist ein Hilferuf. Rettet die Arkaden! Es geht immerhin um unser kulturhistorisch zweiwichtigstes Gebäude nach der Residenz", sagt er.

Danners Erfolg: In der Kommission für Stadtgestaltung erklärt der Schweizer Architekt Professor Meinrad Morger deswegen seine Idee. Denn: Sein Planungs-Team hat die Arkaden des Hettlage-Kaufhauses von ursprünglich 8,30 Meter Tiefe auf 5,40 Meter verkleinert. Damit gewann es den Architektenwettbewerb. Bei einer neuen Überarbeitung wurde plötzlich die Tiefe auf nur vier Meter reduziert (AZ berichtete) – und die Arkaden in der Kapellenstraße sollen ganz weichen. Dem hat der Stadtrat gerade zugestimmt. Danner empfindet diesen Beschluss als "Sakrileg".

Der Architekt verteidigt sein Konzept

"Viele wissen nicht, dass 400 Jahre lang keine Arkaden die Alte Akademie beglückt haben", sagt Architekt Morger. "Weder Bologna noch Bern haben Arkaden, die tiefer als vier Meter sind", verteidigt er am Dienstag im Rathaus sein Konzept. Nach dem Aufschrei, dass die Stadt öffentlichen Raum aufgibt, dass die Stadt zulässt, dass Investoren aus Profitgier Fußgänger-Arkaden verschmälern, möchte der Mann aus Basel klarstellen: "Glauben Sie mir, ich habe aus architektonischen Gründen gehandelt, nicht aus Druck", so Morger: "Die Arkaden werden nicht zerstört, nur viel zeitgemäßer."

Herbert Danner kontert, dass es Teil der Altstadt-Leitlinien sei, die Umwandlung von Arkaden in Gewerbeflächen zu vermeiden. Außerdem argumentiert er: "An den Eckdaten für einen Architekturwettbewerb darf nicht gerüttelt werden." Als freiberuflicher Architekt schaltet sich Andreas Meck ein: "Ich bin für den Erhalt der Arkaden. Arkaden sind wichtig. Sie dienen dazu, die Schaufenster in die zweite Reihe zu rücken." Christoph Sattler von der Akademie der Schönen Künste sagt hingegen, er liebe die Arkaden in der Maximilianstraße, die nur drei Meter tief seien. Dort sei sogar Platz für Gastronomie. Ihm gefalle nicht, dass das Thema auf den Gewinnmaximierungsansatz reduziert werde. Ihm gefielen die Vorschläge.

Der historische Schmuckhof wird öffentlich

Ein kleiner Trost – 400 Quadratmeter städtischer Grund fallen weg, aber 1.000 Quadratmeter Hof kommen dazu: Der historische Schmuckhof der Alten Akademie wird öffentlich – und erhält ein Restaurant. Stadtbaurätin Elisabeth Merk warnt allerdings vor einem Präzedenzfall: "Wir wissen genau, wer dann alles kommt", so die parteilose Politikerin.

Mit seinem Hilferuf kommt Danner nicht durch. Die Kommissions-Mitglieder lassen sich überzeugen, dass vier Meter breite Arkaden auch gute Arkaden sein könnten. Doch die Opposition im Rathaus hat bereits einen Nachprüfungsantrag gestellt. Am 21. Februar stimmen die Stadträte erneut über die Zukunft der Alten Akademie ab.

Die AZ-App für Android und iOS

Android-App jetzt herunterladen iOS-App jetzt herunterladen!

 

26 Kommentare

Kommentieren

  1. null