Ärger im Mangfalltal Bauern wehren sich: Weiter Streit ums Münchner Trinkwasser

Das Mangfalltal (Kreis Miesbach) im Süden Münchens. Von hier bezieht die Stadt ihr Trinkwasser – 2800 Liter pro Sekunde. Foto: dpa

Seit 135 Jahren fördern die Stadtwerke ihr Wasser im Mangfalltal. Dort fühlen sich die Bauern schikaniert.

München - Es geht um Wasserschutz, um persönliche Freiheiten, um bedrohte Existenzen: Seit 135 Jahren bezieht München sein Trinkwasser aus dem Mangfalltal im Kreis Miesbach. Die Stadtwerke (SWM) versorgen damit etwa 80 Prozent der Stadtbewohner und viele in den Umlandgemeinden. Rund 120 Liter verbraucht ein Münchner jeden Tag.

Der Streit schwelt seit Jahren

Es ist reines Quellwasser in Mineralwasserqualität, wie die SWM gern betonen, wenn sie für ihr „M-Wasser“ werben. Doch seit Jahren schwelt Streit: Die Stadtwerke wollen einem Landesgesetz entsprechend den Wasserschutz ausweiten und auch verschärfen. Das soll sicherstellen, dass das Grundwasser auch in Zukunft nicht verunreinigt wird.

Aus bislang acht Quadratkilometern Schutzzone, die im Kreis Miesbach allein rund um Thalham, Reisach und Gotzing liegen, sollen 18,6 Quadratkilometer werden. In diesem Einzugsbereich aber liegen die Höfe von 30 Landwirten und Grundstücke von insgesamt rund 60 Bauern in der Region.

Für die und für etliche Gewerbebetriebe drohen nun massive Einschränkungen durch einen Verbotskatalog: Die Bauern dürfen Felder teilweise nicht mehr bewirtschaften (und auch nicht bei der Bank beleihen), Kühe dürfen nicht mehr auf manche Weiden. Selbst Bio-Musterbetriebe bangen um ihre Existenz. Auch Straßen und Häuser dürfen nicht oder nur unter bestimmten Auflagen gebaut werden. Die Mangfalltal-Gemeinden selbst fürchten, nicht mehr so wachsen zu dürfen wie sie möchten – womit ihnen auch (Gewerbe-)Steuereinnahmen flöten gehen könnten.

Anwohner schließen sich zusammen

Im Juli haben sich betroffene Landwirte, Anwohner und Gemeinderäte deshalb in der überparteilichen Initiative „Heimatwasser“ zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Die drohende Ausweitung der Wasserschutzzone zu verhindern und das „alte Wasserrecht“ zu hinterfragen. Der Landkreis Miesbach, so kritisiert die Initiative, müsse „quasi rechtlos zuschauen, wie die Stadt München die Bedingungen diktiert und ihm Wachstumsmöglichkeiten nimmt“.

Was das praktisch bedeutet, erklärt etwa der Landwirt Alois Fuchs (45). Er führt in Miesbach in der Unteren Wies den Haselsteig-Hof, der seit dem 17. Jahrhundert dort steht. Heute ein Milchviehbetrieb mit 25 Kühen und 17 Hektar Grund – mitten in einer der Wasserschutzzone. Schon jetzt muss Fuchs strenge Auflagen beachten. Wenn die Verschärfung kommt, fällt sein Land in eine Sicherheitszone, in der nicht mal Bio-Landwirtschaft erlaubt ist. Dann, sagt er, „werde ich faktisch enteignet. Dann dürfte ich keine Gülle mehr aufbringen, meine Jungkühe dürften nicht mehr auf die Weide, die neben dem Hof liegt.“

Landwirt Alois Fuchs fürchtet, bald „faktisch enteignet“ zu werden.

Ihm sei eine Ausgleichsfläche der Stadt München angeboten worden. Die sei aber zu weit weg. Die betroffenen Landwirte seien alle für Wasserschutz. Sie würden seit Jahrzehnten dafür sorgen, dass das Grundwasser immer besser werde. „Dass es so rein ist“, so Fuchs, „zeigt ja, dass wir alles richtig gemacht haben. Die neuen Verbote sind reine Behördenschikane und völlig überflüssig.“

Landwirte wollen klagen

Am 24. September beginnt eine mehrtägige Anhörung im Miesbacher Landratsamt. Mehr als 70 Betroffene bringen dort ihren Protest und ihre Einwände vor. „Wenn die Verschärfung trotzdem kommt“, so kündigen die Landwirte schon mal an, „werden wir klagen.“

Im Juli hatte das Landratsamt Miesbach wegen der angekündigten Verschärfung die Trinkwasserrechte der Landeshauptstadt eingeschränkt. Die Gemeinden Farchant und Oberau im Loisachtal hatten im Januar angekündigt, ab 2026 kein Wasser mehr für einige der Münchner Umlandgemeinden liefern zu wollen. 

 

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